Die als unscheinbar geltenden Aktien aus der zweiten Reihe haben sich zu den Stars an der deutschen Börse gemausert. Der MDax der mittelgroßen Werte ist derzeit nur noch wenige Punkte von seinem Rekordhoch entfernt.
Nun rechnen Aktienmarkt-Experten zunächst mit einer Verschnaufpause. Die erfolgsverwöhnten Anleger, die auf mittelgroße Werte gesetzt haben, müssen sich demnach auf niedrigere Kursgewinne einrichten.
Im Indexvergelcih hinkt der Dax merklich zurück
Lange stand der Index für mittelgroße Unternehmen im Schatten des Deutschen Aktienindex Dax. Inzwischen hat der MDax den großen Bruder weit hinter sich gelassen. Während der deutsche Leitindex einen Kurssprung um fast 100 Prozent machen müßte, um sein Rekordhoch von knapp 8.065 Punkten im Jahr 2000 zu erreichen, ist der MDax bei einem am Mittwoch nachmittag erreichten Stand von 4.933 Punkten gerade mal 140 Punkte von seinem Höchststand bei knapp 5.080 Punkten entfernt.
„MDax-Unternehmen haben stärker von der Konjunkturerholung in Deutschland profitiert als Dax-Firmen“, sagt Fondsmanager Volker Riehm von Activest. Zudem seien die mittelgroßen Unternehmen viel weniger abhängig von der Dollar-Entwicklung als stark exportorientierte Großfirmen.
„Diese Faktoren haben dazu geführt, daß neue Fonds mit Schwerpunkt Midcaps aufgelegt wurden.“ Ein Händler von der Dresdner Bank sagt: „Anleger, die in den MDax investieren, sind längerfristig orientiert.“ Das wirke sich positiv auf die Kursentwicklung aus.
Verlorener Bewertungsvorteil dürfte Kurselan etwas bremsen
Allerdings wird der MDax nach Einschätzung von Experten sein rasantes Tempo nicht halten können. „In Zukunft wird es langsamer gehen“, prognostiziert Riehm. „Die Bewertungen sind nicht mehr so günstig wie vor einem Jahr.“ Vor allem die Entwicklung bei den Einzelwerten dürfte sich verschieben.
„Das Kurs-Gewinn-Verhältnis im MDax hat mittlerweile den Dax überholt“, sagt Fondsmanager Erich Hein von SEB Invest. Auch die Dividendenrendite, bislang ein Vorteil von MDax-Werten, sei inzwischen niedrig. „Der Markt ist jetzt nicht mehr billig“, sagt Hein. Daher warnt er vor allem bei Höhenfliegern zur Vorsicht. Für Fondsmanager Arnoud Wolff von Robeco „lohnt es sich nach wie vor, gezielt in den MDax zu investieren.“