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Indien Rufschaden belastet Wipro

12.01.2009 ·  An der indischen Börse häufen sich die Skandale. Nachdem der IT-Dienstleister Satyam Bilanzschönung zugegeben hat, verlieren die Aktien des Konkurrenten Wipro stark. Das Unternehmen wurde von Kontrakten mit der Weltbank ausgeschlossen.

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An der indischen Börse häufen sich die Skandale. Nachdem der IT-Dienstleister Satyam vor wenigen Tagen zugegeben hatte, über Jahre die eigene Bilanz geschönt zu haben, so mussten am Montag die Aktien des Konkurrenten Wipro Kursverluste von 9,3 Prozent hinnehmen.

Auch hier gibt es Neuigkeiten, die skandalös sind und die das Image der indischen Unternehmen in ihrer Gesamtheit belasten können. Das Unternehmen hatte bekannt gegeben, Mitte des Jahres 2007 von der Weltbank von Kontrakten ausgeschlossen worden zu sein, nachdem es deren Mitarbeitern beim Gang an die amerikanische Börse Aktien zur Zeichnung angeboten hatte.

Wipro von Kontrakten mit der Weltbank ausgeschlossen

Hatte das Unternehmen diese Entscheidung bisher verheimlicht, so fühlte es sich nur zur Flucht nach vorne gezwungen. Denn die Weltbank hatte Ende Dezember des vergangenen Jahres beschlossen, die Namen aller Adressen zu veröffentlichen, die für längere Zeit nicht mehr für die Institution arbeiten dürfen. Während Wipro ab Juni 2007 für vier Jahre „verbannt“ worden war, wurde das Unternehmen Satyam nach einem zunächst provisorischen Bann für acht Jahre von Arbeiten für die Weltbank ausgeschlossen.

Wipro erklärte zwar, man habe weder gegen ethische noch gesetzliche Regeln verstoßen und die potentiellen Aufträge von der Weltbank seien unbedeutend. Das mag zwar sein, allerdings spricht die Kursreaktion an der Börse für sich und für das Ausmaß des Rufschadens, den solche Dubiositäten mit sich bringen. Ein angeschlagener Ruf kann in der Zukunft nicht nur das Unternehmen Wipro selbst in seiner Entwicklung bremsen, sondern er wirft zusammen mit den Vorkommnissen bei Satyam einen Schatten auf die gesamte indische Börse.

Immerhin waren bisher viele Anleger dazu ausgegangen, dass die Bilanzen der indischen Unternehmen sauberer und verlässlicher seien als in anderen Schwellenländern mit einer geringer ausgeprägten Corporate Governance. Inzwischen verdichten sich jedoch die Zweifel. Die Anleger sind längst von der Realität eingeholt worden.

Denn nach massiven Kursgewinnen von Mitte des Jahres 2003 bis Anfang des Jahres 2007 laufen die Papiere von Wipro im Trend nach unten, obwohl das Unternehmen deutlich steigende Umsätze und steigende Gewinne verbuchen konnte. Noch im Geschäftsjahr 2007/08 konnten die Erlöse im Vergleich mit der Vorjahresperiode um 21,1 Prozent auf 175 Milliarden Rupien und der Gewinn je Aktie um knapp sechs Prozent auf 21,2 Rupien gesteigert werden. In der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres lag der Umsatzzuwachs bei 39,2 Prozent, der Gewinn je Aktie konnte auf verwässerter Basis um 21,5 auf 10,63 Rupien je Aktie gesteigert werden.

Inzwischen ist die Aktie zumindest optisch vernünftig bewertet

Auf Basis des Gewinns des vergangenen Jahres sieht die Aktie mit einem Kurs-Gewinnverhältnis von neun günstig aus. Da der Markt auch im laufenden und kommenden Geschäftsjahr mit leicht steigenden Gewinnen rechnet, werden die Papiere optisch sogar noch günstiger. Fragt sich nur, ob die Gewinnschätzungen auch tragen werden.

Immerhin erzielte Wipro in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 23,3 Prozent seiner Erlöse in Europa und 43,5 Prozent in den Vereinigten Staaten, 22,4 Prozent in Indien und knapp elf Prozent in der restlichen Welt. Gerade in Amerika und Europa jedoch läuft die Wirtschaft nicht mehr rund, entsprechend verhalten sind demnach die Geschäftsaussichten. Auf der anderen Seite konnte das Unternehmen in den vergangenen Monaten von Wechselkursumrechnungen profitieren, da die indische Rupie deutlich abgewertet hat. Das stützt auch die Wettbewerbsfähigkeit.

Insgesamt sehen die Papiere aus diesem Grund vergleichsweise günstig aus. Allerdings dürften Anleger dazu neigen, die Stabilisierung der Weltwirtschaft und die Wiederherstellung des Rufs der indischen Unternehmen abzuwarten, bevor sie zu Aktienkäufen in den Schwellenländern neigen. Immerhin sind diese direkt und indirekt noch sehr stark von der Konjunktur in den Industriestaaten abhängig.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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