18.12.2006 · Der bulgarische Aktienindex Sofix hat sich seit Oktober 2000 rund verzwölffacht. Angelockt von dieser Hausse hat ABN Amro jetzt erstmals ein Zertifikat auf den Index emittiert. Kurzfristig scheint der Markt aber überhitzt zu sein.
In den vergangenen Jahren ist die bulgarische Börse von einem Hoch zum nächsten gestürmt. Das ist auch in diesem Jahr nicht anders. Bisher hat es der richtungsweisende Sofix-Index seit Jahresanfang auf ein Plus von 44 Prozent gebracht (seit Oktober 2000 hat sich der Index verzwölffacht).
Das Problem aus Sicht eines hiesigen Investors war bisher, daß an den Börsen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz keine bulgarischen Aktien gehandelt wurden. Eine Teilnahme an der Hausse war somit nur mit einer Präsenz vor Ort möglich. An der Börse in Sofia mischen bisher aber nur vereinzelt deutschsprachige Investoren mit.
EU-Beitritt und Konjunktur als Kaufgründe
Doch neuerdings gibt es erstmals eine Einstiegsmöglichkeit. Und zwar in Form eines Zertifikats. Denn die ABN Amro Bank hat ein „Index Open End“-Zertifikat aufgelegt, das es erlaubt, an der Kursentwicklung des Sofix Index eins zu ein teilzuhaben (Isin NL0000732295). Der von der bulgarischen Börse berechnete Index bildet die Kursentwicklung der zwölf wichtigsten Aktiengesellschaften des Landes ab.
Wer an eine positive Zukunft Bulgariens glaubt, für den bietet sich eine Indexwette an. Als Kaufgründe können der Anfang 2007 anstehende EU-Beitritt angeführt werden sowie die gut laufende Konjunktur. Auch sonst steht das Land volkswirtschaftlich betrachtet relativ gut da. Das noch immer vorhandene große Nachholpotential im Vergleich zu den gängigen Niveaus im Westen bietet für die kommenden Jahre noch sehr viel Konvergenzphantasie. Langfristig dürfte dies für weiter steigende Kurse beim Sofix sorgen.
Standardwerte scheinen hoch bewertet
Ob sich allerdings schon kurzfristig ein Investment auszahlt, bleibt abzuwarten. Die Verantwortlichen bei ABN Amro schreiben in ihrer Emissionsbroschüre zwar von einer günstigen Bewertung des Sofix. Zur Begründung für diese These verweisen sie auf den Wert aller in Bulgarien gelisteten Unternehmen. Dieser macht derzeit nur rund 16 Prozent des heimischen Bruttoinlandproduktes aus. Im Gegensatz dazu sind es in Zypern schon 40 Prozent und in Luxemburg 70 Prozent. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille.
Während einer Reise vor Ort zeigten sich die dortigen Broker im Gespräch mit FAZ.NET mehrheitlich jedenfalls eher etwas zurückhaltend. Nach ihrer Ansicht sind die Kurse zu schnell und zu stark gestiegen. Im Verlauf des ersten Quartals 2007 wird deshalb eine Korrekturbewegung für wahrscheinlich gehalten. Insbesondere sei dies bei den Standardwerten zu erwarten. Denn deren Bewertung wird gemeinhin als relativ hoch eingestuft. Und in der Tat kommen Indexschwergewichte wie Petrol oder Sopharma auf Kurs-Gewinn-Verhältnisse von 95 und 40. Das sind Bewertungsniveaus, bei denen die Luft für weitere Kursgewinne normalerweise dünn wird.
Kurzfristig Fragezeichen, langfristig Potential
Chancen gibt es dagegen zumindest noch vereinzelt bei den Nebenwerten. Hier ist es teilweise noch möglich, Titel zu finden, die unter ihrem Buchwert gehandelt werden. Aber das „Sofix Open End“-Indexzertifikat ist nun einmal ein Konstrukt, das sich auf die bulgarischen Standardwerte bezieht. Folglich sollte jeder Interessent berücksichtigen, daß er mit diesem Zertifikat auf einen nicht gerade niedrig bewerteten Index setzt.
Daß endlich ein Zertifikat auf die bulgarische Börse emittiert wurde, ist sehr zu begrüßen. Aus Anlegersicht, hätte man sich ein solches Produkt allerdings schon viel früher gewünscht. Aktuell schreit eigentlich vieles nach einer zwischenzeitlichen Korrektur am Aktienmarkt in Sofia. Ob und wann diese kommt, ist allerdings nur schwer vorherzusagen. Der EU-Beitritt kann durchaus dazu führen, daß die jüngste Hausse eine künstliche Fortsetzung findet. Nämlich dann, wenn durch die EU-Aufnahme tatsächlich neue Marktteilnehmer an die bulgarische Börse kommen sollten.
Dann könnte alleine der daraus resultierende Liquiditätseffekt die Notierungen am Laufen halten. Garantiert ist das wegen der hohen Bewertung der Standardwerte aber nicht. Kurzfristig gibt es somit durchaus Fragezeichen, was die Gewinnaussichten eines Investments angeht. Langfristig gesehen dürfte über die nächsten Jahren hinweg an der bulgarischen Börse noch einiges zu holen sein.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |