Die Zahl der Indexfonds in Europa ist im ersten Quartal 2011 um 40 auf 1122 gestiegen. Wie aus den von Marktführer Blackrock (iShares) erhobenen Daten hervorgeht, stieg gleichzeitig auch das in börsengehandelten Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF) angelegte Vermögen um mehr als 23 Milliarden Dollar (rund 16 Milliarden Euro) auf gut 307 Milliarden Dollar. Das Wachstum des Marktsegments ist damit seit der Handelsaufnahme des ersten Indexfonds in Europa auf der elektronischen Xetra-Plattform der Deutschen Börse im April 2000 ungebrochen.
Indexfonds bilden die Entwicklung von Indizes nach. Ein teures Fondsmanagement, das sich mit der Einzeltitelauswahl befasst, ist daher nicht nötig. Die Verwaltungsgebühren für Indexfonds sind deswegen wesentlich niedriger. Da Fonds mit Einzeltitelselektion zudem oftmals keine bessere Wertentwicklung erzielen als die Indexfonds, haben die Anleger immer mehr Geld in Indexfonds angelegt. Vor allem unter institutionellen Anlegern sind Indexfonds gefragt, mittlerweile berichten die Anbieter jedoch auch von nennenswerter Nachfrage durch Privatanleger. „Etwa 5 bis 10 Prozent des Anlagevolumens in unseren Indexfonds kommt von Privatanlegern“, sagt Heike Fürpaß-Peter, die für die strategische Ausrichtung des Indexfondsgeschäft von Lyxor in Deutschland zuständig ist. „Wir verspüren hier eine stärkere Nachfrage und gerade auch größere Banken überdenken derzeit ihre Anlageberatung, wovon Indexfonds profitieren könnten.“ Im Filialvertrieb waren Indexfonds wegen ihrer niedrigen Gebühren in der Regel nicht aktiv angeboten worden.
iShares verleiht Wertpapiere gegen Gebühr
Die seit Jahren ungebrochen zunehmende Nachfrage der Anleger hat dazu geführt, dass auch immer mehr Indizes neu begeben wurden. Allein der Indexanbieter Stoxx hat im Frühjahr auf einen Schlag 1200 neue Indizes aufgelegt. Im Aktienbereich werden immer mehr Länder abgedeckt und innerhalb der Länder werden Branchenindizes begeben. Dazu gibt es Indizes, die eine zum Aktienmarkt gegenläufige Entwicklung abbilden oder die Aktienmarktentwicklung mit einem Hebel verstärken. Auch entstehen neue Anlageklassen wie zum Beispiel die Schwankungsbreite von Kursen, abgebildet in Volatilitätsindizes.
Immer mehr dieser Indizes können jedoch nicht mehr vernünftig eins zu eins abgebildet werden. Viele Indexfondsanbieter lehnen jedoch auch grundsätzlich die genaue Nachbildung eines Index ab, auch wenn sie möglich wäre. Die Mehrheit am Markt sind mittlerweile synthetische Indexfonds. Hier sichert ein Swap-Partner die Abbildung der Indexentwicklung zu. Ein Dax-Indexfonds investiert also nicht in die 30 Dax-Werte, sondern in einen „beliebigen“ Aktienkorb, wie es häufig in den Fondsbeschreibungen heißt. Der Indexfondsanbieter hat den Vorteil, nicht bei jeder Indexanpassung oder Dividendenausschüttung tätig werden zu müssen. Der Anleger trägt jedoch das Risiko, dass der Swap-Partner ausfällt. Der Swap-Anteil am Fondsvermögen ist auf 10 Prozent begrenzt, oft liegt der Anteil deutlich niedriger. Zudem erhält der Anleger, wenn der Indexfondsanbieter insolvent wird, Zugriff auf den Aktienkorb.
Kritik gab es zuletzt jedoch auch an den Indexfondsanbietern, die den Index genau nachbilden. Der Financial Stability Board (FSB) in Basel, der die Finanzaufseher aus 24 Ländern vereint, hatte das Leihe-Verhalten der Anbieter kritisiert. Unter anderem der Marktführer iShares verleiht gegen Gebühr Wertpapiere aus den Indexfonds. Das Unternehmen verlangt dafür entsprechende Sicherheiten. Dem Anleger entstehe so kein zusätzliches Risiko, er profitiere aber von den Leihegebühren, heißt es von iShares zur Begründung. Die Wertpapierleihe ist zudem auch bei aktiv gemanagten Fonds nicht unüblich, so dass die Kritik der Aufseher bislang nicht zu einem Nachlassen der Nachfrage nach Indexfonds geführt hat. Belebend kommt hinzu, dass immer mehr neue Indizes aufgelegt werden. Sie ist nicht teuer, erzielt ein Index aber am Markt Erfolge, ist der Ertrag für den Indexanbieter hoch. Die Deutsche Börse hat im ersten Quartal 2011 mit ihrem Index- und Marktdatengeschäft einen Umsatz von 57 Millionen Euro erzielt. Der operative Gewinn in diesem Segment betrug 38 Millionen Euro. Die Indexanbieter verdienen in der Regel volumenabhängige Lizenzgebühren. Der iShares S&P 500 ist mit einem Volumen von 9,3 Milliarden Dollar der größte europäische Indexfonds. Es folgt der iShares Dax mit 8,3 Milliarden Dollar.
Indexfonds mit Trendfolge !
Siegfried Reutzel (rs-depot.de)
- 04.05.2011, 11:47 Uhr