Home
http://www.faz.net/-gv7-6zhgj
Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Immobilienmarkt Amerika Wall Street setzt auf Wende am Häusermarkt

 ·  Viele Konjunkturdaten signalisieren eine Erholung des amerikanischen Immobilienmarktes. Die Aktienkurse der Hausbauunternehmen steigen, die Häuserpreise stabilisieren sich.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (3)
© AFP Seit 2006 haben die Immobilienpreise in einigen Regionen Amerikas um rund 35 Prozent nachgegeben

Der amerikanische Häusermarkt steht nach Ansicht einer zunehmenden Zahl von Fachleuten vor einer lang erwarteten Erholung. Die Prognosen basieren vor allem auf dem jüngsten Aufwärtstrend bei Hausverkäufen und Neubauten. Dazu signalisierten einzelne Marktbarometer zuletzt eine Stabilisierung der Häuserpreise, die in den vergangenen Jahren stark gefallen waren. Banken melden ein wachsendes Hypothekengeschäft und an der Börse sind die Aktienkurse von Hausbauunternehmen in diesem Jahr überdurchschnittlich stark geklettert. „Der Crash ist vorbei“, sagt Mark Zandi, Chefökonom der Analysegesellschaft Moody’s Analytics der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Verkäufe sowohl neuer als auch bestehender Häuser und die Zahl der Neubauten haben ihren Tiefpunkt überschritten.“

Ökonomen wie Chris Rupkey, der Chefvolkswirt der Bank of Tokyo-Mitsubishi in New York rechnen nun mit einem Ende des Preisverfalls, obwohl es immer noch einen starken Überhang von zwangsvollstreckten Häusern gibt, die auf den Markt kommen und einen Preisanstieg begrenzen könnten. Rupkey weist auf die jüngsten Daten zum Verbrauchervertrauen hin, welche die Konsumneigung der amerikanischen Privathaushalte messen. Obwohl der Index im April leicht zurückgegangen war, fanden es Verbraucher im April leichter, Arbeit zu finden. „Das zeigt, dass sich der Arbeitsmarkt erholt, was es den Verbrauchern erlauben wird, Häuser zu erwerben“, sagt Rupkey. Eine Erholung des Häusermarktes gilt als Voraussetzung für eine allgemeine Konjunkturerholung in den Vereinigten Staaten.

Die amerikanischen Häuserpreise waren gemessen am Index der Aufsichtsbehörde FHFA im Februar gegenüber dem Vormonat um saisonbereinigte 0,3 Prozent gestiegen. Auch im Vergleich zum Februar 2011 sind die Preise um 0,4 Prozent höher. Nach Angaben der FHFA war das der erste Zuwachs in einem Zwölf-Monats-Intervall seit fünf Jahren. Der Index stützt sich auf Daten von Häusern, deren Hypotheken sich im Bestand der staatlichen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac befinden.

Der vielbeachtete S&P/Case-Shiller-Häuserpreisindex zeichnet dagegen ein viel düstereres Bild des Marktes. Gemessen an diesem Barometer, das die Entwicklung der Häuserpreise in den 20 größten amerikanischen Ballungszentren misst, waren die Preise im Februar gegenüber dem Januar nicht gestiegen, sondern um 0,8 Prozent gefallen. Im Jahresvergleich haben die Preise um 3,5 Prozent nachgegeben. Dieser Rückgang fiel allerdings geringer aus als noch im Januar, was eine zumindest leichte Stabilisierung andeutet. Der Ökonom Robert Shiller, Professor an der Universität Yale und einer der Väter dieses Häusermarktbarometers, ist dennoch pessimistisch. „Ich mache mir über das Risiko einer Abwärtsbewegung mehr Sorgen als andere Leute“, sagt er. Die Häuserpreise könnten noch „jahrelang“ dahindümpeln und weiter nachgeben.

Der Case-Shiller-Index befindet sich auf dem tiefsten Stand seit Mitte 2006, als der Verfall der Häuserpreise begann und zu einer schweren Finanz- und Wirtschaftskrise führte. Seit damals haben die Preise in den zwanzig Ballungsräumen, zu denen schwer getroffene Regionen wie Las Vegas oder Phoenix gehören, um rund 35 Prozent nachgegeben. Kritiker bemängeln allerdings, dass der Index zu stark auf Gegenden ausgerichtet ist, welche die schwächsten in der Häuserkrise waren.

Eine klare Wende

Im Gegensatz zum Ökonomen Shiller verortet John Stumpf, der Vorstandschef der Bank Wells Fargo, den Häusermarkt angesichts des wachsenden Hypothekengeschäfts seines Kreditinstituts schon in der Nähe eines „Wendepunkts“. In einigen regionalen Märkten wie Texas, Nordkalifornien und Washington, D.C. sei die Wende schon eingetreten, sagt er.

An der New Yorker Börse wetten Anleger schon seit Monaten auf eine Erholung des Häusermarktes. Die Aktienkurse von Hausbauunternehmen haben gemessen am Branchenindex S&P Homebuilders Select in diesem Jahr um 25 Prozent zugelegt. Damit sind sie doppelt so stark gestiegen wie das Standardwertebarometer S&P 500. Die Kurse großer Unternehmen wie Pulte Group oder Lennar sind sogar um mehr als 35 Prozent in die Höhe geschnellt. Pulte wies am Donnerstag einen überraschend kleinen Quartalsverlust aus und sprach von den stärksten Auftragseingängen seit sieben Jahren.

Gleichzeitig meldete der amerikanische Immobilienmaklerverband NAR für den März einen Anstieg des Index für anstehende Hausverkäufe um 4,1 Prozent. „Die Verkaufsabschlüsse im ersten Quartal waren so hoch wie seit fünf Jahren nicht mehr“, sagte NAR-Chefökonom Lawrence Yun. Der Häusermarkt habe klar die Wende geschafft.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Emittenten-News
Anzeige
Für die Inhalte sind die Emittenten verantwortlich
Weitersagen

Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

Jüngste Beiträge


Aktienmärkte
Name Kurs Änderung
  FAZ-INDEX --  --
  DAX --  --
  Dow Jones --  --
  Nikkei225 --  --
  Hang Seng --  --
  FAZ-Euro-Index --  --
  Eurostoxx 50 --  --
  S&P500 --  --
  Nasdaq 100 --  --
  M-Dax --  --
  Tec-Dax --  --
  SDAX --  --
  Dax Future --  --
Wertpapiersuche