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Immobilienfinanzierer Aktie von Fannie Mae unter Druck

29.09.2005 ·  Die Aktien vieler amerikanischer Immobilienfinanzierer hatten in den vergangenen Wochen nicht viel zu lachen. Die Aktie von Fannie Mae wird von Bilanzmanipulationen und einem angeschlagenen Markt belastet.

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Nach einem stetigen Aufwärtstrend in den Jahren 1987 bis 1998 und einer Beharrung auf hohem Niveau in den folgenden Jahren befindet sich die Aktie von Fannie Mae, dem größten amerikanischen Realkreditinstitut, unter Druck.

Das Papier erlitt am Mittwoch mit einem Minus von knapp elf Prozent auf 41,71 Dollar den größten Kurseinbruch seit dem Börsencrash von 1987. Auslöser war ein Bericht von Dow Jones, daß die Ermittler „neue und umfassende Bilanzierungsverstöße“ gefunden hätten.

Am Donnerstag kann sich die Aktie zwar zunächst leicht erholen, aber sie notiert immer noch auf dem niedrigsten Stand seit Juli des Jahres 1997 und hat im laufenden Jahr rund 40 Prozent eingebüßt, nachdem die Aufsichtsbehörden im vergangenen Jahr Bilanzierungsfehler aus den vorausgegangen drei Jahren aufgedeckt haben.

Verschleierte Verluste mit fiktiven Kontrakten

Fannie Mae hat möglicherweise so genannte finite Versicherungspolicen erworben, um Verluste zu verschleiern. Das berichtete Dow Jones und beruft sich auf Personen aus dem Umfeld der Ermittlungen. Die Führungskräfte bei dem Hypothekenfinanzierer haben außerdem den Gewinn geschönt, indem sie Vermögenswerte überbewerteten, Kreditverluste zu niedrig auswiesen und Steuergutschriften mißbrauchten, sagt Dow Jones.

„Wenn Fannie Mae finite Versicherungen benutzt hat, um Verluste abzuwälzen, würde das bei den Anlegern erhebliche Besorgnis hervorrufen“, erläutert Edwin Groshans, Analyst bei Fox-Pitt, Kelton in New York. Die so genannten „Finiten Risikopolicen“ liegen im Grenzbereich zwischen Finanzierung und Versicherung und können für die Glättung von Gewinnen mißbraucht werden. Amerikanische Aufsichtsbehörden ermitteln in einigen Fällen, ob Käufer sowohl von anderen Versicherern und Versicherungsnehmer auf der Unternehmensseite, eigentlich günstige Kredite als Versicherungen ausgewiesen haben, um bilanziell besser dazustehen.

Fannie Mae teilte am Mittwoch in einer E-Mail mit, daß sie die jüngste Fassung der Bilanzierungsüberprüfung und „die geschätzten Auswirkungen der wichtigsten Faktoren“ im vergangenen Monat an die amerikanische Börsenaufsicht SEC geleitet habe. Corinne Russell, Sprecherin der Aufsichtsbehörde Office of Federal Housing Enterprise Oversight, die für Fannie Mae zuständig ist, wollte keinen Kommentar abgeben.

Fannie Mae wurde 1938 vom Staat ins Leben gerufen, um Baufinanzierungen anzubieten. Die beiden Realkreditinstitute Fannie Mae und Freddie Mac vereinen auf sich knapp die Hälfte des amerikanischen Hypothekenmarktes, der auf ein Volumen von 7,6 Billionen Dollar kommt.

Angeschlagener Markt warnt vor optisch günstiger Bewertung

Entsprechend kritisch dürfte die Entwicklung beobachtet werden. Denn nicht nur das Geschäftsgebaren des Unternehmens erregt immer mehr Mißtrauen - Notenbankchef Alan Greenspan verlangt immer wieder, die beiden Unternehmensriesen Fannie Mae und Freddie Mac an der weiteren Expansion zu hindern -, sondern auch der Markt an sich zieht in einem Umfeld steigender Zinsen und deutlich gestiegener Immobilienpreise immer mehr Aufmerksamkeit auf sich. Immerhin konnte er in den vergangenen Jahren als Stütze für die amerikanische Wirtschaft betrachtet werden. Denn viele Leute zogen bei steigenden Werten über Umfinanzierungen Liquidität aus ihren Immobilien und nutzten sie zum Konsum.

Sollte der Markt das nicht mehr hergeben oder gar schrumpfen, so dürfte das die amerikanische Konjunktur deutlich bremsen. Genau dafür gibt es aber immer mehr Anzeichen. So können sich immer weniger Leute die teurer gewordenen Häuser leisten. Das führt dazu, daß die Absatzerwartungen der Hersteller zurückgehen. Gleichzeitig scheint es für viele immer schwieriger zu werden, die bestehenden Verpflichtungen, die sie im Zusammenhang mit dem Kauf von Immobilien eingegangen sind, zu erfüllen. So dürfte es kaum verwundern, das der Bloomberg Mortgage Reit-Index den mittelfristigen Aufwärtstrend längst durchbrochen hat.

Insgesamt dürfte das die Lage bei Fannie Mae noch erschweren. Denn das Unternehmen hat nicht nur kräftig in der Bilanz gemauschelt, sondern dürfte nun zunehmend auch mit operativen Risiken konfrontiert werden. Mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 5,6 und 6,4 auf Basis der Gewinnschätzungen der Analysten scheint das Papier zwar unglaublich günstig zu sein. Allerdings dürfte eine gesunde Portion Optimismus nötig sein, um bei dieser Intransparenz und den bestehenden Risiken hier einzusteigen. Die Risiken dürften bei anderen Unternehmen der Branche ähnlich aussehen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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