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Immobilien-Aktien „Anleger sind heiß auf Wohnungen“

 ·  Anleger wollen von neuen Aktien nichts wissen. Große Ausnahme: Gesellschaften wie Deutsche Wohnen. Denn deutsche Immobilien gelten als perfekte Absicherung gegen einen Zusammenbruch des Euroraums.

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Der Markt für Börsengänge in Deutschland liegt brach. Der Spezialchemiehersteller Evonik hat es jetzt auch im dritten Anlauf nicht an die Börse geschafft. Zu groß sei die Unsicherheit der Anleger vor der Griechenland-Wahl gewesen, sagen Investmentbanker, die sich wochenlang vergeblich bemüht haben, genügend Käufer für Evonik-Aktien zu finden. Dieselben Investmentbanker sprechen in diesen Tagen viel lieber von einem anderen Geschäft, auf das die Anleger richtig heiß seien: die Kapitalerhöhung von Deutsche Wohnen.

Gelingt es der seit 2010 im M-Dax enthaltenen Wohnungsgesellschaft, bis zum 25. Juni durch den Verkauf neuer Aktien wie geplant 425 bis 475 Millionen Euro zu erlösen, könnte Deutsche Wohnen die derzeit mit 1,6 Milliarden Euro bewertete Gagfah als größte börsennotierte deutsche Wohnimmobiliengesellschaft ablösen. Deren Kurs entwickelt sich fulminant: Seit Jahresanfang ist die Aktie von Gagfah mit einem Zuwachs von 80 Prozent Spitzenreiter im M-Dax. Noch mehr Wohnungen hat in Deutschland die Deutsche Annington. Doch ihr Eigner, der Finanzinvestor Terra Firma, muss zunächst eine Finanzierung von mehr als 4 Milliarden Euro ablösen, bis ein Börsengang möglich erscheint.

Guten Moment erwischt

Ohnehin herrscht auf dem Markt für Börsengänge wegen der hohen Kursschwankungen Flaute. Das Barometer dafür, der V-Dax, ist zwar von 35 Anfang Juni auf 28 Punkte am Montag zurückgegangen. Doch Investmentbanker halten einen V-Dax von weniger als 25 für erforderlich, um eine Aktienneuemission zu plazieren. Denn die Anleger vergleichen Börsenkandidaten mit schon an der Börse gehandelten Unternehmen. Die Aktien des noch nicht börsennotierten Unternehmens werden meist zwei Wochen lang in einer festen Preisspanne angeboten. Fondsmanager sind in der Regel nur dann zum Kauf von Aktien eines Börsenaspiranten bereit, wenn die Aktien des Vergleichsunternehmens an der Börse innerhalb des Angebotszeitraums zumindest nicht gefallen sind. Sonst favorisieren sie die Aktien des relativ günstiger gewordenen Börsenunternehmens. Angesichts der weiterhin hohen Kursschwankungen ist es sehr fraglich, ob sich nach dem abgesagten Börsengang von Evonik nun andere Unternehmen wie der Versicherer Talanx noch vor der Sommerpause an die Börse trauen.

Angesichts der Flaute am Markt für Börsengänge ist erstaunlich, wie wenig die Ankündigung der Kapitalerhöhung von Deutsche Wohnen dem Aktienkurs der Wohnungsgesellschaft bisher geschadet hat. „Die Anleger sind im Moment höchst verunsichert und wollen keinen Fehler machen. Deutsche Wohnimmobilien sind fast das Einzige, wonach der Markt sich sehnt. Anleger sehen darin den perfekten Hedge, eine der wenigen Absicherungsmöglichkeiten für den Fall, dass der Euroraum zusammenbricht“, sagt ein Investmentbanker. Deutsche Wohnen scheint also mit der vor der Griechenland-Wahl angekündigten Kapitalerhöhung für sich einen guten Moment erwischt zu haben.

43,8 Millionen neue Aktien ausgegeben

Mit den Einnahmen aus der Kapitalerhöhung will Deutsche Wohnen die im Mai erfolgte Übernahme von Baubecon finanzieren. Für die aus dem Besitz von Barclays stammende Baubecon und ihre 23.500 Wohnungen zahlt Deutsche Wohnen 1,23 Milliarden Euro. Dies ist bisher die zweitgrößte Transaktion in diesem Jahr. Im Februar hatte schon ein von Patrizia Immobilien geführtes Konsortium die Wohnungsbestände der Landesbank Baden-Württemberg für 1,4 Milliarden Euro erworben.

Deutsche Wohnen ist, seitdem das Unternehmen im Jahr 2006 aus dem Deutsche-Bank-Konzern gelöst wurde und sich 2007 mit der Gehag-Gruppe zusammenschloss, kräftig gewachsen, musste dann aber restrukturieren und besitzt heute 50.000 Wohnungen. Erst im November war eine Kapitalerhöhung um 186,5 Millionen Euro erfolgt. Nun gibt Deutsche Wohnen 43,8 Millionen neue Aktien aus. Im Vergleich zu einem Börsengang ist die Plazierung etwas leichter, weil es ein Bezugsrecht für Altaktionäre gibt. Für 7 Altaktien können 3 neue Aktien bezogen werden. Daher gilt es als wahrscheinlich, dass das Unternehmen rund 450 Millionen Euro einnehmen wird. Nur drei Viertel davon benötigt es, um den Kauf von Baubecon zu finanzieren. Der Rest sei für weitere Zukäufe vorgesehen, heißt es. Derzeit werde in fortgeschrittenen Verhandlungen über den Erwerb von 6500 Einheiten gesprochen, weitere 5000 Einheiten würden geprüft. Die Analysten von Warburg werten es als positiv, dass Deutsche Wohnen „exklusiv“ mit dem Verkäufer verhandele. Auch andere Analysten sind gegenüber Bloomberg positiv gestimmt. Demnach raten acht zum Kauf und zwei zum Verkauf der Aktie von Deutsche Wohnen.

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Jahrgang 1971, Redakteur in der Wirtschaft.

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