Nariman Behravesh sieht in Amerika das Ende der Rezession erreicht. Auch was den Aktienmarkt angeht, ist er optimistisch. Zumal amerikanische Unternehmen ihre Kosten drastisch gesenkt und die Produktivität erhöht haben. Gegenwind für den Aufschwung komme jedoch vom amerikanischen Arbeitsmarkt.
Herr Behravesh, kann man sagen, dass die Rezession in Amerika zu Ende ist?
Wir haben die Talsohle erreicht. Die meisten Daten deuten auf eine Verbesserung der Lage hin. Ja, ich würde sagen: Die Rezession ist zu Ende.
Wie wird es am Aktienmarkt weiter gehen? Die Börsen haben in den vergangenen Monaten einen imposanten Aufschwung erlebt.
Amerikanische Aktien sind derzeit fair bewertet. Aus einem einfachen Grund: Die Unternehmen haben brutal - nur so kann man es ausdrücken - die Kosten gedrückt. Und viele dieser Kostensenkungen werden dauerhaft sein. Dies wird weiterhin den Unternehmensgewinnen zugutekommen. Außerdem: Im Unterschied zu Deutschland steigt die Produktivität in Amerika. Hier sinken die geleisteten Arbeitsstunden stärker als der Rückgang der Wirtschaftsleistung. Die Folge: Die Produktivität nimmt zu.
Und in Deutschland?
Dort fällt die Wirtschaftsleistung stärker als in Amerika, aber die Deutschen behalten ihre Jobs. Das ist eben der behutsame europäische Weg in der Krise, für die Produktivität jedoch entsetzlich. Legt nun die Produktivität in Amerika weiter zu, dann ist auch die Euphorie an der Börse einigermaßen gerechtfertigt.
Überrascht es Sie überhaupt nicht, dass wir nach dieser großen Krise so schnell wieder von einer wirtschaftlichen Erholung reden?
Ich denke nicht, wenn man sich ansieht, wie stark Amerika, China und andere Länder mit ihren Konjunkturprogrammen gegengesteuert haben. Das hat es in dieser Größenordnung noch nicht gegeben.
Was sind die Gründe für den Aufschwung?
Das Schlimmste der Finanzkrise liegt hinter uns. Auch wenn die Banken noch nicht wieder so funktionieren, wie sie es sollten und noch nicht genug Kredite vergeben: Die extreme Verknappung von Krediten ist immerhin vorbei. Das ist eine besonders gute Nachricht für den weltweiten Handel, gerade die Finanzierung dafür war total eingefroren. Die bessere Lage hilft nun den Exporteuren, sei es in Amerika, Deutschland oder China.
Wird China bald Amerika als weltgrößter Produzent überholen?
In den kommenden Jahren wird es dazu bestimmt kommen. Zumal China in diesen Rezessionszeiten deutlich aufgeholt hat. Aber das macht mir keine großen Sorgen. Und es muss für Amerika auch nicht schlimm sein.
Welche Wachstumsraten erwarten Sie für die Vereinigten Staaten?
Das amerikanische Bruttoinlandsprodukt wird im dritten Quartal positiv sein, ich schätze 0,5 Prozent. Für das vierte Quartal erwarte ich einen Wert von 1,5 Prozent. Es sind also gute Nachrichten. Zumal es so aussieht, dass sich auch andere Länder, darunter Deutschland, weiter erholen dürften.
Wie geht es weiter?
Wir erleben eine schrittweise Erholung in den Vereinigten Staaten. Sie wird nicht den Verlauf eines „V“ haben, sondern eher die Form wie ein „U“. Gerade in Amerika hat es enorme monetäre und fiskalische Impulse gegeben. Diese Impulse wirken bereits. Zum größten Teil werden sie aber noch ihre Wirkung entfalten. Auch am amerikanischen Immobilienmarkt sieht es inzwischen besser aus, der Häusermarkt belastet das Wirtschaftswachstum nicht mehr so stark wie bisher.
Sie sagen, die Banken seien gerettet, auch dem Immobilienmarkt gehe es besser. Dabei sind doch noch unheimlich viele Immobilienbesitzer in Amerika in Not.
Natürlich, ausgestanden ist diese Krise noch längst nicht. Viele Schwierigkeiten bleiben, besonders die hohe Zahl der Zwangsvollstreckungen im Häusermarkt. Gerade aus diesem Grund wird die Erholung nur schrittweise verlaufen.
Und der Arbeitsmarkt?
Auch wenn die Arbeitsmarktzahlen zuletzt besser waren, als viele Fachleute erwartet hatten: Vom Arbeitsmarkt kommt Gegenwind für den Aufschwung. Die Arbeitslosigkeit wird in den kommenden Monaten weiter zunehmen. Ich prognostiziere, dass sie erst Mitte des kommenden Jahres wieder abnimmt.
Wenn Menschen ihren Job verlieren, geben sie auch kein Geld mehr aus.
Das stimmt. Das Wachstum der Konsumausgaben wird schwach ausfallen in der ersten Phase der Erholung. Viele Verbraucher sind weiterhin unsicher, ihnen fehlt das Vertrauen. Das staatliche Konjunkturprogramm hat aber dafür gesorgt, dass die Konsumausgaben nicht völlig kollabiert sind.
Was bringen die kommenden Monate?
Ich denke, die Nachrichten werden schrittweise besser werden. Die Stimmung hellt sich auf. Ich würde aber nicht darauf setzen, dass wir weiterhin einen rasanten Börsenaufschwung erleben, wie es ihn seit März gegeben hat.
Hui wie positiv ......
Holger Muschal (Holly01)
- 07.08.2009, 20:10 Uhr
Frage ich mich doch...
(zx10)
- 08.08.2009, 00:13 Uhr
Anbei ein kurzer Blick auf die noch kürzeren Beine der Marktschreier
(thorben3500)
- 08.08.2009, 00:48 Uhr
"Der behutame europäische Weg ist für die Produktivität entsetzlich"
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 08.08.2009, 04:30 Uhr
Paul Krugman, Nobelpreisträger:
Siegfried Bauer (Siggi40)
- 08.08.2009, 13:01 Uhr