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Dienstag, 14. Februar 2012
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Im Gespräch: Josef Ackermann „Ich habe keine Zweifel an der Stabilität des Banksystems“

20.03.2008 ·  Mit seinen Zweifeln an den Selbstheilungskräften der Märkte hat Josef Ackermann eine Debatte über die Rolle des Staates in der Bankenkrise ausgelöst. Im Gespräch mit der F.A.Z. stellt er nun klar: „Es geht nicht um die Rettung der Investoren“.

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Mit seinen Zweifeln an den Selbstheilungskräften der Marktwirtschaft hat Josef Ackermann eine Debatte über die Rolle des Staates in der Bankenkrise ausgelöst. „Es geht nicht um die Rettung der Investoren“, sagt er. Nötig sei aber in Amerika eine konzertierte Aktion von Regierung, Notenbank und Marktteilnehmern, um das Finanzsystem zu stabilisieren und die sozialen Kosten der Krise zu begrenzen.

Herr Ackermann, Sie haben gesagt, Sie glaubten nicht mehr allein an die Selbstheilungskräfte der Marktwirtschaft. Soll jetzt der Staat und damit der Steuerzahler für Verluste der Banken einstehen, die auf Renditejagd zu große Risiken eingegangen sind?

In der von Ihnen angesprochenen Podiumsdiskussion ging es um die Stabilisierung des amerikanischen Immobilienmarkts. Die Frage war, ob die Finanzmärkte geduldig genug sind, ob es genügend Zeit für eine Stabilisierung über die Märkte gibt. Meine Meinung ist, dass es relativ lange dauert, bis Amerikas Häusermarkt zu einem neuen Gleichgewicht findet. In diesen schwierigen Zeiten ist dort eine konzertierte Aktion von Regierung, Notenbank und Marktteilnehmern notwendig.

Was verstehen Sie darunter?

Dass, was die Amerikaner in den letzten Wochen pragmatisch erkannt und hervorragend gemacht haben. Sie haben Konjunkturprogramme über 170 Milliarden Dollar verabschiedet, steuern einen expansiven Kurs in der Geldpolitik und nehmen nun auch zusätzliche Wertpapiere als Sicherheit an. Für das Konjunkturprogramm werden auch Steuergelder eingesetzt. Alles ist vorbereitet, so dass sich die Märkte wieder stabilisieren können.

Doch Ihre Äußerungen haben die Aufregung eher gesteigert.

Nicht im Ausland. Leider führen wir hierzulande eine Systemdiskussion zur Rolle des Staates. Doch es geht nicht um den Ruf nach dem Staat und die Rettung von Investoren.

Verstehen Sie, dass viele Bürger meinen: Die Gewinne werden privatisiert, die Verluste aber sozialisiert?

Darum geht es überhaupt nicht. Es geht jetzt primär um die Frage der Stabilisierung, damit die sozialen Kosten nicht noch größer werden. Das ist der entscheidende Punkt. Die Banken haben und werden natürlich ihren Beitrag leisten.

Bei der Rettungsaktion von Bear Stearns hat Amerikas Notenbank Fed und damit letztlich der Steuerzahler eine Garantie über 30 Milliarden Dollar gegeben. Wenn Sie die bisherigen Maßnahmen der amerikanischen Politik gutheißen, befürworten Sie doch, dass Investoren, die sich verspekuliert haben, herausgehauen werden?

Überhaupt nicht, vielmehr geht es jetzt darum, zu vermeiden, dass diese Verwerfungen auf den Finanzmärkten auf die reale Wirtschaft übergreifen. Es geht nicht um einzelne Banken und Investoren, die Fehler gemacht haben. Die sollen die Folgen tragen und tun es auch. Die Aktionäre von Bear Stearns haben über 90 Prozent ihres Investments verloren sowie das Management und die Mitarbeiter, die Aktien gehalten haben. Um einen Dominoeffekt zu verhindern, müssen jetzt die Anstrengungen auf die Stabilisierung der Finanzmärkte ausgerichtet werden.

Bundesbankpräsident Axel Weber hat gesagt, dass bei der Lösung der Schwierigkeiten zunächst die Banken selbst gefordert seien. Können die Banken die Schwierigkeiten meistern?

Ich habe mit Herrn Weber heute gesprochen, wir sind in der Beurteilung der Lage der gleichen Meinung. Natürlich liegt bei den Banken eine wichtige Aufgabe. Erstens einmal gilt es, Transparenz herzustellen. Die jüngsten Abschlüsse haben gezeigt, dass die Banken stark genug sind, Wertberichtigungen aufzufangen. Die Frage ist: Reicht das in einer Zeit, in der es einen großen Vertrauensverlust gibt, in der die Zurückhaltung der Investoren dazu führt, dass die Preise immer weiter nach unten korrigieren, was die Kapitalstärke der Banken und ihre Kreditangebotsfähigkeit beeinträchtigen könnte? Übrigens haben wir auch in Deutschland eine vorbildliche Zusammenarbeit mit der Bundesbank, mit der EZB und auch mit dem Finanzministerium.

Warum können eigentlich Banken wie die IKB und die Sachsen LB, die kein Einlagengeschäft mit Privatkunden haben und für das System gar nicht so groß sind, nicht einfach abgewickelt werden?

Wenn Sie unter abwickeln verstehen, dass man die Aktiva liquidiert und auf den Markt bringt: Das hat ja zum Teil jetzt bei Fonds und auch zum Teil bei Banken stattgefunden. Das führt aber dazu, dass der Druck auf die Märkte noch größer wird, und damit eben diese Spirale nach unten, die ich schon angesprochen habe, nicht gestoppt werden kann. Deshalb ist es in einer schwierigen Situation auch das Gebot der Stunde zu schauen, dass Aktiva nicht in großer Zahl auf die Märkte kommen. Da gibt es aus Gründen der Finanzmarktstabilität die Notwendigkeit, gewisse Aktiva einmal zu halten und für Stabilität zu sorgen.

Aber wenn man die Aktiva hält, gibt es keinen Handel und auch keine Preise.

Das ist ein entscheidender Punkt. Heute gibt es nur Angebotspreise und die entsprechen nicht dem eigentlichen Wert. Es muss eben ein Gleichgewichtspreis gefunden werden, und dazu bedarf es auch einer ausreichenden Nachfrage. Sonst haben sie eine Entwicklung der Preise, die weit unter das geht, was eigentlich vom inneren Wert des Produktes her als Preis erwartet werden könnte.

Es ist immer die Rede davon, dass die Banken sich misstrauen. Gibt es Banken, mit denen die Deutsche Bank heute keine Geschäfte mehr macht?

Wir sind uns der Verantwortung gegenüber dem Gesamtsystem sehr bewusst. Aber wenn Sie Produkte ansprechen, die wir selbst kaufen können, dann sind wir genauso wie andere natürlich auch in einer Situation, wo man sich fragt: Ist jetzt der Tiefpunkt erreicht? Ich sage immer, auf mittlere Sicht sind viele Produkte bereits heute außerordentlich attraktiv bewertet. Auch wenn wir kurzfristig noch Korrekturen sehen sollten. Und deshalb noch einmal mein Aufruf, dass wir alle, auch die Banken, Mut zeigen bei ihren Engagements und der Zusammenarbeit untereinander. Erforderlich ist das Zusammenwirken aller Akteure zum Wohle des Ganzen in einer ganz konkreten Situation. Darum find ich alle zu puristisch ordnungspolitisch geführten Diskussionen zwar richtig, aber es gilt jetzt, das Problembewusstsein für die Komplexität der Krise zu schaffen und entsprechend pragmatisch vorzugehen.

Was passiert, wenn die Banken als Folge der Krise zusätzliches Eigenkapital brauchen? Wo sollte das herkommen, wenn eine Finanzierung über die Börse nicht gelingt? Von Staatsfonds, von Regierungen?

Natürlich kann man sich solche Szenarien unendlich weiter ausmalen. Auch wenn es richtig ist, dass einige Banken neues Eigenkapital aufnehmen mussten, ist es aber bei den meisten anderen Banken kein Thema. Schließlich haben die Banken in den vergangenen Jahren gut verdient und Reserven gebildet.

Wie beurteilen Sie die Politik der EZB und der Fed?

Sie haben zwei unterschiedliche Wege eingeschlagen. Die Fed musste die Zinsen senken, wegen der Sorgen um die Konjunktur und Erwartungen der Märkte. Die EZB sieht demgegenüber wegen des robusten Wachstums gewisse Inflationsgefahren und hält deshalb an einer auf Preisstabilität ausgerichteten Geldpolitik fest.

Wie hoch ist das Risiko, dass die Krise auf die Weltwirtschaft überspringt?

Ich gehe davon aus, dass wir in der zweiten Jahreshälfte eine Normalisierung der Realwirtschaft in Amerika sehen werden. Das würde aber auch heißen, dass die Auswirkungen auf die reale Wirtschaft in Europa begrenzt sind.

Im Herbst haben Sie den Totalverlust für das Finanzsystem auf 400 Milliarden Dollar geschätzt. Wo liegen wir heute? Haben die amerikanischen Banken genügend Eigenkapital, um das aufzufangen?

Der Internationale Währungsfonds veranschlagt die Zahl heute doppelt so hoch. Man muss aber unterscheiden zwischen Erträgen und Preiskorrekturen im Markt. Vieles, was wir als Übertreibungen nach unten aufgrund der Marktbewertung mitmachen, kann sich natürlich innerhalb kurzer Zeit, wenn das Vertrauen zurückkommt, wieder nach oben korrigieren. Ich habe nicht die geringsten Zweifel an der Stabilität des amerikanischen und internationalen Bankensystems.

Die Deutsche Bank hat bislang die Krise gut gemeistert. Wird das so bleiben?

Hierzu haben wir ausführlich auf unserer Bilanzpressekonferenz vor einem Monat Stellung genommen. Über das erste Quartal informieren wir, wie geplant, am 29. April.

Das Gespräch führten Gerald Braunberger, Benedikt Fehr und Holger Steltzner.

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