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Im Gespräch: Frank Gerstenschläger, Vorstand Kassamarkt der Deutsche Börse AG „Das Börsenparkett wird bestehen bleiben“

16.04.2009 ·  Die Deutsche Börse will den Handel in großen europäischen Aktien auf ihr System Xetra lenken. Frank Gerstenschläger, Vorstand der Deutschen Börse, erklärt, wie das gehen soll und warum der Börsenhändler wohl bald überflüssig sein könnte.

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Die Deutsche Börse will den Handel in großen europäischen Aktien auf ihr System Xetra lenken. Frank Gerstenschläger, Vorstand der Deutschen Börse, erklärt, wie das gehen soll und warum der Börsenhändler wohl bald überflüssig sein könnte.

Herr Gerstenschläger, bisher werden die meisten Aktien fast ausschließlich an der jeweiligen Heimatbörse gehandelt. Sie wollen das ändern und den Handel mit großen europäischen Aktien künftig auf das Xetra-System der Deutschen Börse holen. Wie soll das gehen?

Bisher musste eine ausländische Aktie, wenn sie auf Xetra gekauft wurde, eine ganze Kette von Wertpapierverwahrern durchlaufen, bis sie endlich ihre Lagerstelle im Heimatland erreicht hat, wo sie sich befinden muss, um zum Beispiel dividendenberechtigt zu sein. Alle diese Unterverwahrer haben Kosten verursacht. Nun wollen wir bis zum vierten Quartal ein System auf die Beine stellen, das den Anlegern die gleiche Qualität im Handelsprozess bietet, wie wenn sie eine deutsche Aktie kaufen.

Warum soll es dann besser sein, die Aktie auf Xetra zu kaufen und nicht an der Heimatbörse?

Gerade für kleinere institutionelle Anleger ist es viel zu teuer, sich an alle Börsenplätze, an denen sie handeln wollen, anschließen zu lassen. Für die wird es über Xetra weitaus günstiger, und diejenigen, die an die Auslandsbörsen angeschlossen sind, müssen rechnen, ob sich dieser Börsenanschluss noch lohnt oder ob unser Angebot nicht günstiger ist.

Welche Umsätze erwarten Sie sich?

Konkrete Zahlen kann ich nicht nennen. Wir starten aber zunächst mit den größten europäischen Aktien, und alleine das ist ein riesiger Markt.

Warum kommt diese Initiative erst jetzt?

Handelsumsätze können Sie als Börse nur generieren, wenn das Gesamtpaket aus Handel, Abwicklung und Verwahrung stimmt. Bisher war grenzüberschreitend die Abwicklung noch zu kompliziert. Das Problem haben wir aber nun gelöst. Außerdem haben die alternativen Handelsplattformen gezeigt, dass die Nachfrage nach einem paneuropäischen Handelssystem da ist.

Die Handelsplattformen, die Ihnen das Leben schwer machen.

Wir machen auf Xetra weiterhin gute Geschäfte. Im vergangenen Jahr haben wir fast 400 Millionen Euro erlöst und erwirtschaften eine vernünftige Marge.

Die der Anlass für die Dumping-Konkurrenz ist.

Die Motivation der alternativen Handelsplattformen sind nicht nur die Gebühren. Sie bieten eine Technologie an, die schnell ist, und sie sind nicht an einen Handelsplatz gebunden, sondern ermöglichen europaweiten Handel.

Ein attraktives Angebot...

Technologisch stehen wir den Handelsplattformen in nichts nach, und mit unserem neuen Angebot Xetra International Marktet sind wir auch im europäischen Handel in der Lage mitzuziehen. Sie dürfen aber nicht vergessen, dass sich die alternativen Handelsplattformen nur die einfachsten Dinge heraussuchen. Sie bieten nur Eigenhandel und wenden sich nicht an ein breites Publikum. Sie konzentrieren sich auf wenige, große Aktien, und sie machen keine eigene Preisfindung, sondern orientieren sich an den jeweiligen Heimatbörsen. Ohne die etablierten Börsen könnten die alternativen Handelsplattformen gar nicht existieren.

Den „Algo-Tradern“, die binnen Millisekunden durch computergesteuerte Handelssignale Aktien handeln, räumen Sie schon Rabatte von 80 Prozent und mehr ein. Können Sie damit überhaupt noch Gewinne erwirtschaften?

Alle Geschäfte auf Xetra sind profitabel. Zudem sorgen die Algo-Trader für eine sehr viel höhere Liquidität im Xetra-Handel, was allen Marktteilnehmern zugutekommt.

Fast die Hälfte aller Handelsumsätze generieren mittlerweile Algo-Trader. Wo ist hier die Grenze?

Warum sollte es da eine Sättigungsgrenze geben? Vorstellbar wäre sogar, dass alle Handelsteilnehmer ihre Aufträge von Algorithmen abarbeiten lassen.

Sehen Sie in dem rein von Computersignalen gesteuerten Handel nicht ein Risiko für die Systemstabilität?

Nein, alle Anbieter haben ausgefeilte Systeme für ihre Risikosteuerung. Außerdem sind Algo-Trader meist sehr risikoavers und handeln vergleichsweise kleine Positionen, behalten diese nur wenige Sekunden und stellen sich abends glatt, behalten also keine Positionen über Nacht.

Als etwas antiquiert im Gegensatz dazu gilt der Parketthandel. Nun berät der Börsenrat über seine Abschaffung. Was halten Sie davon?

Wir sind Betreiber des Parketthandelssystems Xontro und des elektronischen Handelssystems Xetra. Wir können mit der jetzigen Aufteilung gut leben und verhalten uns in der Sache neutral.

Wäre eine Abschaffung des Parketthandels denn überhaupt denkbar?

Technisch und funktional würde es gehen, juristisch hätte dies allerdings eine Vorlaufzeit von bis zu drei Jahren.

Was würde die Abschaffung bedeuten?

Wir würden dann nicht mehr zwei Handelssysteme betreiben, sondern nur noch eines, nämlich Xetra. Den Börsenhändler, oder Skontroführer, wie er heute heißt, gäbe es dann nicht mehr.

Das würde aber doch nicht ohne erhebliche Widerstände über die Bühne gehen?

Alle Beteiligten sitzen im Börsenrat und diskutieren die Thematik - sehr viel weniger emotional als früher.

Das Frankfurter Börsenparkett hätte dann endgültig ausgedient?

Das in jedem Falle nicht. Das Börsenparkett wird es auch in vielen Jahren noch geben. Die Menschen, die dort arbeiten, werden nur womöglich anderen Tätigkeiten nachgehen und an anderen Systemen arbeiten.

Was sie aber auch in einem ganz normalen Büro tun könnten.

Ja, wir haben aber viel Geld in das historische Gebäude gesteckt und sind stolz darauf. Der große Handelssaal ist unser Schaufenster, dort kommen viele Besucher hin, um sich über die Börse zu informieren. Das alles wird bestehen bleiben.

Das Gespräch führte Daniel Mohr.

Quelle: F.A.Z.
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