21.01.2010 · Konservative Strategie für 2010, Teil II / Die technische Analyse / Von Achim Matzke
FRANKFURT, 21. Januar. Auch wenn die internationalen Aktienmärkte die sehr ausgeprägten Kursgewinne seit dem März 2009 im neuen Jahr nur sehr schwer wiederholen können, bieten die europäischen und deutschen Standardwerte weiterhin attraktive Chancen für Anleger. Da im Laufe des Jahres die Diskussion über steigende Leitzinsen der Notenbanken zunehmen sollte und leicht steigende Renditen bei den Staatsanleihen nicht überraschen würden, war als konservative Strategie für 2010 ein gleichgewichteter Aktienkorb aus Euro-Stoxx-50-Standardwerten mit einer hohen Dividendenrendite und einem attraktiven technischen Gesamtbild empfohlen worden (F.A.Z. vom 11. Dezember). Neben den bereits besprochenen Werten Deutsche Telekom und Total sollen diesmal die anderen Werte des Aktienbaskets - Iberdrola, Munich Re, RWE und Vivendi - im Detail besprochen werden.
Der spanische Versorger Iberdrola war nach der Bilderbuch-Hausse der Jahre 2002 bis 2007 mit einem Kursanstieg von 2,86 Euro auf 12 Euro im Zug der Gesamtmarkt-Baisse kräftig unter Druck gekommen. Der Kurs fiel bis März 2009 auf 4,36 Euro. In den Folgemonaten war die Aktie bei einer hohen Schwankungsintensität zumindest aus dem Baisse-Trend zur Seite herausgelaufen, so dass die Etablierung einer Bodenformation auf der Tagesordnung steht.
Diese Bodenformation wird durch die gestaffelte Widerstandszone von 6,80 bis 6,90 Euro begrenzt. Zwar konnte auch Iberdrola von der ausgeprägten Kurserholung in den Gesamtmarktindizes profitieren, jedoch war es im Jahr 2009 nicht gelungen, diese Bodenformation bereits nach oben zu verlassen. Iberdrola, die ihre Dividenden halbjährlich ausschüttet und zum Jahresende 2009 bereits eine Zwischendividende gezahlt hat, weist für 2010 bei einer geschätzten Gesamtdividende von 34 Cent eine geschätzte Dividendenrendite von etwa 5 Prozent auf.
Da die technische Gesamtlage bei Iberdrola für das Jahr 2010 mehrere Versuche zum Verlassen der Bodenformation - mithin also einen Sprung über die Widerstandszone von 6,80 bis 6,90 Euro - andeutet, liegt eine attraktive Gesamtkombination vor. Trotz dieser Situation sollte eine Iberdrola-Position mit einem strategischen Sicherungsstopp bei 4,30 Euro belegt werden. Am Donnerstag kostete eine Aktie 6,50 Euro.
Die Munich Re war ausgehend von einem Kursniveau von 142,80 Euro im Juni 2007 in eine Baissebewegung hineingelaufen. Diese wird durch einen bis zuletzt intakten, zentralen Baissetrend, der aktuell bei 110 Euro liegt, begrenzt. Trotz der zwei kurzfristigen Abwärtsrallys im Oktober 2008 und im März 2009 mit Kursen von unter 80 Euro hat die Munich Re nur eine moderate Baisse durchlaufen. Nach den beiden Abwärtsrallys konnte die Aktie auch von der verbesserten Gesamtmarktstimmung profitieren, jedoch reichte dies zunächst nur, um die Aktie in eine Bodenformation mit einer Seitwärtspendelbewegung um die waagerecht verlaufende 200-Tage-Linie im Bereich um 100 Euro zu führen. In den vergangenen Wochen verbesserte sich bei der Munich Re, bei der auch im Jahr 2010 wieder eine Dividendenzahlung von 5,50 Euro erwartet wird, die mittelfristige technische Lage.
Die Aktie ist bis an den zentralen Baissetrend herangelaufen. Auch hier sollte es nicht überraschen, wenn die Aktie in den kommenden Wochen und Monaten sowohl die technische Bodenformation als auch den zentralen Baissetrend nachhaltig nach oben verlässt. Dies wäre jeweils bei Kursen von mehr als 116 Euro der Fall. Aktuell kostet eine Aktie 110 Euro. Eine Position in Munich Re sollte mit einem strategischen Sicherungsstopp bei 75 Euro belegt werden.
Der deutsche Versorger RWE hatte in der Baisse von Dezember 2007 bis März 2009 - begleitet von mehreren Verkaufssignalen und mittelfristigen Abwärtsschüben - einen Kursrückgang von 102,50 auf 46,40 Euro hinnehmen müssen. Im Mai 2009 gelang es, mit dem ersten Kaufsignal den zentralen Baissetrend zu verlassen und zumindest in eine Bodenformation mit einem Aufwärtsdreieck unterhalb der Widerstandszone von 60 bis 61 Euro zu gelangen. Nach dem zweiten Kaufsignal im August 2009 durch das Verlassen der Bodenformation hat RWE einen intakten neuen mittelfristigen Aufwärtstrend mit einer Aufwärtstrendlinie bei derzeit 62,60 Euro etabliert. Bei RWE, bei der eine Dividendenzahlung von 3,50 Euro und damit eine Dividendenrendite von gut 5 Prozent erwartet wird, deutet die Gesamtlage ein technisches Kurspotential bis zu Kursen von 75 Euro an. Am Donnerstag wurden für eine RWE-Aktie knapp 69 Euro gezahlt. Wegen dieser attraktiven Gesamtsituation wurde RWE in den Aktienbasket für die konservative Strategie 2010 aufgenommen. Die Position sollte mit einem strategischen Sicherungsstopp bei 45 Euro belegt werden.
Der französische Medien- und Telekommunikationswert Vivendi war nach seinen Höchstkursen im Juli 2007 von 33 Euro zum Jahreswechsel 2007/2008 mit einem ausgeprägten Verkaufssignal aus der alten technischen Top-Formation und einer Seitwärtspendelbewegung oberhalb von 28,20 Euro herausgefallen und in eine Baissebewegung übergegangen. Trotz des zwischenzeitlichen technischen Ausverkaufs ("Sell-Off") im Oktober 2008 mit Kursen um 16,30 Euro dauerte es bis zum April 2009, bis die Aktie den zentralen Baissetrend zur Seite in eine Bodenformation verlassen konnte. Seit dem Jahresanfang 2009 hat sich unterhalb der bereits mehrmals getesteten Widerstandszone um 21,60 Euro eine technische Bodenformation herausgebildet, die den technischen Charakter einer Kopf-Schulter-Kaufformation aufweist.
Deshalb sollte es nicht überraschen, wenn Vivendi, bei denen die geschätzte Dividendenzahlung von 1,40 Euro zu einer Dividendenrendite von deutlich mehr als 6 Prozent führen sollte, im Laufe des Jahres mehrere Versuche unternimmt, die technische Bodenformation nach oben zu verlassen. Eine Vivendi-Position sollte mit einem Sicherungsstopp bei 15 Euro versehen sein. Aktuell kostet eine Aktie knapp 20 Euro.
Der Autor leitet das europäische Index-Research von Commerzbank Corporates & Markets.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.848,03 | +1,42% |
| FAZ-INDEX | 1.526,72 | +1,43% |
| TecDAX | 778,36 | +0,73% |
| MDAX | 10.441,40 | +1,41% |
| SDAX | 5.048,27 | +1,17% |
| REX | 422,26 | −0,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.520,31 | +1,24% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,56 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.949,90 | +0,35% |
| Nasdaq 100 | 2.584,24 | −0,31% |
| S&P500 | 1.361,23 | +0,23% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3138 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 119,95 $ | −0,08% |
| Gold | 1.723,00 $ | +0,58% |
| Bund Future | 138,50 € | −0,16% |