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Holzwerkstoffe Pfleiderer schreckt feindlich gesinnte Investoren ab

17.01.2008 ·  Der Holzverarbeiter Pfleiderer pocht auf seine Eigenständigkeit. Zwar bestätigte Unternehmenschef Hans Overdiek Gespräche mit Finanzinvestoren. Gegen eine feindliche Übernahme will er sich jedoch wehren und notfalls zurücktreten.

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Pfleiderer liefert gerade eine noch etwas hölzerne, aber bald vielleicht filmreife Story. Erst bricht der Kurs nach und nach ein, obwohl das Management doch gerade an einer rosigen Zukunft mit einem neuen, größeren Konzernprofil bastelt. Versteht die Börse nicht, wie toll das wird? Man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, dass der Kurseinbruch natürlich die Akteure im Unternehmen ein wenig nervös werden lässt. Schließlich verschlechtern sich durch solcherlei nicht nur die Finanzierungsbedingungen.

Der Finanzvorstand wird gefeuert

Wie es dann oft so kommt: Der Kursverfall bringt Übernahmeinteressenten auf den Plan. Mit denen redet der Finanzvorstand, was ja eigentlich auch seine Aufgabe ist. Offenbar in diesem Fall aber zunächst ein wenig zu heimlich. Und das finden der Chef des Vorstandes und Vorsitzende des Aufsichtsrates gar nicht gut. Sie entziehen ihrem Finanzchef kurzerhand das Vertrauen und werfen ihn kurzerhand raus.

Das klingt dann offiziell am Montag dieser Woche so: „Derrick G. Noe, Finanzvorstand der Pfleiderer AG, Neumarkt, scheidet nach heute erfolgter Beschlussfassung des Aufsichtsrats der im MDAX notierten Pfleiderer AG mit Wirkung zum 14.01.2008 aus dem Vorstand der Pfleiderer AG aus.“

Heimlich mit Investoren geredet

Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Noe und den anderen Vorständen und dem Aufsichtsrat sei nicht mehr möglich gewesen, nachdem Noe Gespräche mit einem Finanzinvestor initiiert habe, beschreibt Vorstandschef Hans Overdiek dies - ohne Details zu nennen. Aber hinter vorgehaltener Hand wird offenbar weitergereicht, dass Noe Gespräche mit Finanzinvestoren ohne Wissen des Vorstands und des Aufsichtsrats geführt habe.

Nun ist der Finanzvorstand zwar weg, doch was tun mit den Finanzinvestoren? Die beäugen den Hersteller von Holzwerkstoffen offenbar immer noch sehr interessiert, wie das Unternehmen am Mittwoch sogar offiziell zugibt. Im Wortlaut: Die Pfleiderer AG teilt mit, dass sie konkret von Finanzinvestoren angesprochen worden ist, die an einem Einstieg in das Unternehmen interessiert sind. Die Pfleiderer AG bestätigt, mit verschiedenen Finanzinvestoren diesbezüglich Gespräche geführt zu haben.“

Finanzinvestoren wollen Pfleiderer übernehmen

Das allein sollte der Aktie doch eigentlich gut tun, vor allem wenn es mit dem Satz verbunden wird: „Der Vorstand der Pfleiderer AG kann sich grundsätzlich weitere finanzstarke Kerninvestoren neben der Familie Pfleiderer vorstellen und hat dies Finanzinvestoren auch mitgeteilt.“ Doch der Haken an der Geschichte kommt dann im nächsten Satz: „Einer der Finanzinvestoren hat dem Vorstand der Pfleiderer AG mitgeteilt, dass er über die Unterbreitung eines Übernahmeangebots nachdenkt.“

Genau daran sind die Großaktionäre von Pfleiderer nicht interessiert. Und das machte Vorstandschef Hans Overdiek am Donnerstag dann auch höchstpersönlich in einer Telefonkonferenz klar.

Vorstandschef will gegen feindliche Aufkäufer kämpfen

Finanzstarke Anteilseigner seien für ein Unternehmen immer gut, um wachsen zu können, sagte er. Allerdings steht er einem Buy-out oder einer Komplettübernahme durch einen Investor kritisch gegenüber. Dies könne das Unternehmenswachstum behindern, sagte Overdiek. Er ziehe die Unabhängigkeit von Pfleiderer vor. Zudem habe auch die Pfleiderer-Familie signalisiert, ihren etwa Elf-Prozent-Anteil nicht verkaufen zu wollen. 20 Prozent der Aktien sind zudem im Besitz von Privatanlegern, rund 70 Prozent in der Hand institutioneller Investoren.

Und Vorstandschef Overdiek zeigte sich kämpferisch: Gegen eine feindliche Übernahme werde sich das Pfleiderer-Management wehren. Sollte es dennoch zu einer feindlichen Übernahme kommen, dann werde er als Unternehmenschef zurücktreten, drohte er zugleich. Was sicherlich ein harter Schlag wäre, weil Overdiek der Konstrukteur und Motor der neuen Pfleiderer AG ist. Trotz seines schweren Unfalls im vergangenen Jahr und seines wochenlangen Ausfalles sprüht er offenbar wieder nur so vor Energie und Tatendrang.

Aktien verlieren wieder

Kein Wunder also, dass die Aktien nach den Äußerungen von Overdiek erst mal im Tagesverlauf wieder verlor und zwar um zeitweise mehr als sieben Prozent auf 12,75 Euro. Im Tageshoch waren sie vor der Telefonkonferenz bis auf 14,75 Euro geklettert.

„Pfleiderer hat die jüngste Übernahmefantasie gedämpft“, begründete ein Händler die starken Verluste. Womöglich wolle Overdiek auch mit der Veröffentlichung des Interesses von Investoren diese abschrecken, mutmaßte er. Bereits am Vortag hatten Börsianer skeptisch auf die Bestätigung der Verhandlungen reagiert. Sie hatten die Mitteilung als „unseriöse Preistreiberei“ bezeichnet, die die Preisverhandlungen für beide alle Parteien erschwerten.

Analyst sieht Pfleiderer gut positioniert

Analyst Carsten Kunold von Merck Finck bestätigte, dass Overdiek offenbar nicht an einer Übernahme durch Finanzinvestoren interessiert sei. Grund seien Sorgen um eine ausufernde Verschuldung durch eine fremdfinanzierte Übernahme, die weitere Expansionsbestrebungen von Pfleiderer beschränkten. Aus Sicht des Analysten sei Pfleiderer allerdings ohnehin in seinen verschiedenen Märkten sehr gut positioniert und sollte mit und ohne Investor gutes Wachstum zeigen. Kunold bewertet Pfleiderer-Aktien mit „Buy“ und dem Ziel 27 Euro.

Overdiek bestätigte noch einmal Gespräche mit mehreren Investoren über einen Einstieg beim Hersteller von Spanplatten und Laminatböden. Die „Financial Times Deutschland“ hatte Mittwoch berichtet, dass der Pfleiderer-Vorstand mit den Finanzinvestoren Allianz Capital Partners und One Equity Partners verhandele. Dies wollte der Pfleiderer-Chef allerdings nicht bestätigen. Auch wollte er keine Details nennen.

Overdiek bestätigt Umsatz- und Gewinnziele für 2008

Die Ziele für das laufende Geschäftsjahr würden von den Verhandlungen nicht beeinflusst, sagte Overdiek. Pfleiderer will 2008 mehr als zwei Milliarden Euro umsetzen und vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) mindestens 300 Millionen Euro erzielen. Ob er Geld braucht, um weiter zu expandieren, blieb unklar.

.“Ein starker Finanzinvestor ist immer gut und kann helfen.“ Pfleiderer habe aber keinen dringenden Bedarf nach zusätzlichen Mitteln. Investitionen in den nächsten sechs bis zwölf Monaten könnte die Firma über bestehende Kreditlinien und aus der gut gefüllten Kasse alleine stemmen. Overdiek will vor allem in Osteuropa weiter zukaufen, wo das Geschäft mit Möbeln derzeit boomt.

Optisch ist die Aktie günstig

Vergleicht man dies mit dem Börsenwert von gut 730 Millionen Euro deutet dies schon die Unterbewertung der Aktie an. Mit Blick auf die kommenden Jahre wird die Aktie derzeit mit einem einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnis gehandelt. Darin mag sich zum Teil die Krise am Immobilienmarkt in Amerika widerspiegeln. Doch Pfleiderer schätzt die Auswirkungen offenbar nicht so dramatisch ein wie die Börse im Moment.

Der Chart wirkt angeschlagen

Das zeigt ja deutlich die Kursentwicklung. Der Chart wirkt äußerst angeschlagen, und auch die vielfältigen Aktionen in dieser Woche haben daran nichts geändert. Vielleicht kehrt nun jedoch etwas Ruhe ein, damit sich das Unternehmen auf das Geschäft und die Börse auf die Zahlen konzentrieren kann. Die nächste Bilanz sollte Aufschluss darüber geben, ob Pfleiderer seine Pläne umsetzen kann und soviel Gewinn erzielt, wie Overdiek nun gerade wieder bestätigt hat.

Eines kann der Vorstandschef aber nicht ändern: Die Wachstumsabschwächung in Amerika und die entsprechenden Auswirkungen auf den dortigen Konsum und die Entwicklung der Baubranche. Gegen die Aktie spricht zudem die Tatsache, dass die Börse derzeit Nebenwerte schnell abstraft und eher vernachlässigt.

Noch keine Trendwende in Sicht

Für antizyklisch orientierte Investoren eröffnen sich dadurch viele Chancen. Die Bewertung der Aktie liefert zwar Einstiegssignale, auch der Optimismus des Vorstandschefs. Nur der Chart mahnt weiter zur Vorsicht. Die Trendwende ist noch nicht sichtbar. Wer also bereits heute einsteigt, geht ein recht hohes Risiko ein. Denn noch ist die Basis der Aktie recht wackelig.

Equinet hat die Pfleiderer-Aktie vor der Telefonkonferenz übrigens bereits mit „Buy“ und einem Kursziel von 16 Euro bestätigt. Es sei durchaus möglich, dass der Holzwerkstoff-Spezialist eine Kapitalerhöhung zwecks Schuldenreduzierung und Erhöhung der Marktkapitalisierung in Erwägung ziehe, um ein Übernahmeangebot dadurch etwas zu erschweren, schrieb Analyst Ingbert Faust in einer Studie am Donnerstag.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.

Quelle: @stt mit Agenturmaterial von dpa-AFX, Reuters, vwd, Dow Jones
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