Home
http://www.faz.net/-gv7-6xoxh
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Hoffen auf 2012 Die Rückversicherer wecken Interesse

 ·  Trotz hoher Schadenbelastung haben sich Munich Re, Hannover Rück und andere beachtlich geschlagen. Die Börse hofft aber auf deutlich höhere Prämieneinnahmen.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Es gab Zeiten, da waren Rückversicherer fast schon Ladenhüter an der Börse. Eine echte Wachstumsstory hatten sie nicht mehr zu bieten. Im sogenannten weichen Markt, in dem die Preise sinken, mussten sie ungünstige Vertragsbedingungen hinnehmen. Der einstige Weltmarktführer Swiss Re hatte sich zudem noch mit Kreditausfallversicherungen verhoben. Im vergangenen Jahr aber schnitten seine Aktien mit einem Zuwachs von 0,5 Prozent deutlich besser ab als der Schweizer Aktienindex SMI, der 7 Prozent an Wert verlor. Der deutsche Wettbewerber Hannover Rück ließ die anderen Unternehmen aus dem M-Dax hinter sich. Zwar verloren seine Aktien 4,5 Prozent an Wert, damit war er aber weit besser als der Index mit einem Minus von 12 Prozent.

Inzwischen halten einige Analysten die Aktie der Hannover Rück im Branchenvergleich für zu teuer. Dazu gehört die Bank UBS, die ihr Kursziel am Dienstag auf 41 Euro anhob (Kurs: rund 42 Euro). Dennoch beeindruckt die meisten der Jahresgewinn von 600 Millionen Euro, den der Konzern am Vortag ankündigte. „Die Rückversicherer stehen insgesamt ganz gut da“, sagt Thomas Noack, Versicherungsanalyst der West LB. Preissteigerungen von 3 bis 6 Prozent bei der Hannover Rück und von mehr als 2 Prozent beim französischen Wettbewerber Scor - das sei nur eine Momentaufnahme der Vertragserneuerung im Januar. „Schon in anderen Vertragsrunden war es ähnlich, und jetzt soll es sich auch im April und Juli so fortsetzen“, sagt Noack.

Weniger stark von Naturkatastrophen betroffen als die Konkurrenz

Dennoch sind die großen börsennotierten Rückversicherer Munich Re, Scor und Hannover Rück mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen zwischen 7,1 und 7,6 Prozent noch schwächer bewertet als die Versicherungsbranche, die im Durchschnitt auf eines von 8 kommt. Nur die Swiss Re sticht mit einem Wert von 8,8 etwas heraus. Dies ist neben Währungseffekten das Ergebnis einer Gesundung, die mit der klaren Fokussierung auf das Rückversicherungsgeschäft unter dem scheidenden Vorstandsvorsitzenden Stefan Lippe zu tun hat. Nachdem der Konzern in der Finanzkrise von Warren Buffetts Gesellschaft Berkshire Hathaway gestützt werden musste, hat er sich darauf konzentriert, das Kapital wieder zu stärken. Quittiert wurde das im vergangenen Herbst mit der heißersehnten Heraufstufung der Bonität von Standard & Poor’s auf die Stufe „AA“, die für viele Geschäftskunden der Schweizer von großer Bedeutung ist.

„Hinzu kommt ein Vorteil gegenüber den Konkurrenten“, sagt Michael Huttner von JP Morgan: „2013 kann die Swiss Re um ein Viertel wachsen, ohne neue Risiken zu zeichnen.“ Hintergrund ist eine Vereinbarung zur Quotenteilung mit Berkshire, die in einem Jahr ausläuft. Die Risiken, die die Schweizer dann ins Buch nehmen, kennen sie schon - nur müssen sie dann keinen Teil des Geschäfts mehr an Buffetts Unternehmen abtreten.

Ähnlich wie West-LB-Analyst Noack sieht auch Huttner für alle vier Rückversicherer gute Aussichten. Weil sie für eigene Absicherungen am Kapitalmarkt (Retrozessionen) mehr Prämie zahlen müssten, könnten sie auch gegenüber ihren Erstversicherungskunden höhere Preise durchsetzen. Zudem waren Europas Rückversicherer weniger stark von den Naturkatastrophen in Japan (Tsunami), Neuseeland (Erdbeben) und Thailand (Flut) betroffen als die Konkurrenz von den Bermuda-Inseln. Der Hannover Rück gelang es, ihren Bruttoschaden der ersten drei Quartale von 1,4 Milliarden Euro durch Retrozessionen auf 740 Millionen Euro zu drosseln. Ähnlich vorsichtig agierte Scor. 2011 verloren die Scor-Aktien 5 Prozent an Wert.

Hohe Erwartungen an die Lebensrückversicherung

Beide Unternehmen seien inzwischen sehr gut darin, die Versicherungszyklen zu managen, sagt Noack. Das zeige sich etwa in der Kreditrückversicherung. Hier habe die Hannover Rück zu sehr hohen Raten viele Risiken gezeichnet. Jetzt da die Raten aber zurückgingen, ziehe sie sich wieder stärker zurück. Hohe Erwartungen knüpfen die Analysten zudem an die Lebensrückversicherung, wo von Wachstumsraten zwischen 7 und 8 Prozent auszugehen sei. „Langlebigkeitsrisiken von Erstversicherern haben sie bislang ja noch zurückhaltend gezeichnet. Das aber ist im Kommen“, sagt Noack.

Wenig spektakulär entwickelt sich mal wieder das alte Schlachtross Munich Re. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Aktie ein Kursminus von 16,5 Prozent. Seit Anfang des Jahres hat sie mit 12,6 Prozent etwas weniger zugelegt als der Dax. Michael Huttner hält sie trotz des hohen Gewinns der Hannover Rück sogar für den interessanteren Wert. Trotz der rekordhohen Schadenbelastung weist das Unternehmen einen Gewinn von mehr als 700 Millionen Euro aus, hält seine Dividende auf dem unverändert hohen Niveau. Und Huttner hofft darauf, dass die Münchener die Eigenmittel, die in ihrer Tochtergesellschaft Ergo gebunden sind, stark reduzieren könnten.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Emittenten-News
Anzeige
Für die Inhalte sind die Emittenten verantwortlich
Weitersagen

Jahrgang 1977, Redakteur in der Wirtschaft.

Jüngste Beiträge

Aktienmärkte
Name Wert Änderung
  FAZ-INDEX --  --
  DAX --  --
  Dow Jones --  --
  Nikkei225 --  --
  Hang Seng --  --
  FAZ-Euro-Index --  --
  Eurostoxx 50 --  --
  S&P500 --  --
  Nasdaq 100 --  --
  M-Dax --  --
  Tec-Dax --  --
  SDAX --  --
  Dax Future --  --
Wertpapiersuche