Die Mitte November gestartete Aufwärtstendenz im Dax hat sich am Donnerstag fortgesetzt. Knapp unter 7555 Punkten erreichte der Leitindex am Vormittag den höchsten Stand seit Juli 2011. Mit plus 1,1 Prozent auf 7534,5 Punkten ging er aus dem Handel. „Bei der guten Jahresentwicklung will kein Investor Ende 2012 unterinvestiert sein, daher werden aktuell die Aktienquoten hochgefahren“, sagte Analyst Marco Günther von der Hamburger Sparkasse. Der M-Dax kam von seinem kurz vor Schluss erreichten Rekordhoch leicht zurück auf 11.887,1 Punkte, was ein Plus von 1,7 Prozent bedeutet. Der Tec-Dax rückte um 0,7 Prozent auf 840,3 Punkte vor. Der marktbreite FAZ-Index ging ein Prozent fester bei 1619,4 Punkten aus dem Handel.
Der gestiegene Optimismus über eine rechtzeitige Lösung des Haushaltsstreites in den Vereinigten Staaten und überraschend gestiegene Auftragseingänge der deutschen Industrie im Oktober stützten. Allerdings warnte Analyst Mario Gruppe von der Nord LB vor verfrühter Euphorie. „Eine Schneeflocke macht noch kein Weihnachtsfest.“ Zur Aussage von EZB-Chef Mario Draghi nach der Leitzinsentscheidung am Nachmittag, dass über eine weitere Senkung nachgedacht werde, sagte Analyst Günther: „Das hat den Markt nicht bewegt, denn das ist bereits in den Kursen eingepreist.“
Bayer an der Dax-Spitze
Die Bayer-Aktien erreichten an der Dax-Spitze bei 73 Euro ein Rekordhoch. Mit plus 3,4 Prozent bei 72,5 Euro gingen sie aus dem Handel und profitierten damit von einem Antrag auf eine weitere EU-Zulassung für die Augenarznei Eylea. Die Anteilsscheine von Thyssen Krupp stiegen um weitere 2,3 Prozent, nachdem sie am Vortag bereits knapp 3 Prozent hinzugewonnen hatten. Nach Korruptionsvorwürfen und hohen Verlusten in Amerika müssen drei der sechs Vorstände den Industriekonzern zum Jahresende verlassen. Ebenfalls überdurchschnittlich nach oben ging es für die Beiersdorf-Papiere mit plus 1,9 Prozent. Der Nivea-Produzent hatte zuvor abermals die Umsatzprognose für das laufende Jahr angehoben.
Zu den schwächsten Dax-Werten zählten neben den defensiven Versorgertiteln die Aktien der Deutschen Telekom, die um 0,5 Prozent nachgaben. Medien hatten zuvor über umfangreiche Stellenstreichungen berichtet, die aber im Tagesverlauf von dem Bonner Konzern dementiert wurden. Nach Börsenschluss reduzierte die Telekom dann ihre Dividendenplanung für 2013 und 2014, was die Aktie laut Händlern am Freitag weiter ins Minus drücken dürfte.
EADS legen stark zu
Die Anteilsscheine der Deutschen Bank schlossen kaum verändert mit einem Abschlag von 0,1 Prozent. Der deutsche Branchenprimus unter den Banken wehrt sich gegen den Vorwurf, in der Finanzkrise hohe Verluste verschleiert zu haben. Die „Financial Times“ hatte zuvor berichtet, dass drei ehemalige Angestellte die Bank beschuldigten, Risiken von 130 Milliarden Dollar schweren Positionen bei speziellen Kreditderivaten nicht korrekt bewertet zu haben. Im M-Dax schossen die EADS-Aktien um knapp 8 Prozent nach oben. Der Autobauer Daimler verkaufte kurz nach der Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich die Hälfte seiner EADS-Aktien und erlöste knapp 1,7 Milliarden Euro. Positiv wertete der Händler zudem den Rückkauf von Aktien durch EADS.
Mit Blick auf die internationalen Börsen schloss der Euro Stoxx 50 um 0,4 Prozent höher bei 2603,4 Punkten. In Paris und London wurden ebenfalls leichte Gewinne verzeichnet. Am deutschen Anleihemarkt fiel die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,09 Prozent am Vortag auf 1,08 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,07 Prozent auf 135,00 Punkte. Der Bund Future gewann 0,50 Prozent auf 145,66 Punkte. Der Kurs des Euro fiel bis zum Abend unter die Marke von 1,30 Dollar auf 1,2969 Dollar. Die EZB hatte den Referenzkurs auf 1,3072 (Mittwoch: 1,3065) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7650 (0,7654) Euro.
Amerikanischer Haushaltsstreit lähmt Wall Street
Die Wall Street hat am Donnerstag kaum verändert eröffnet. Die New Yorker Börsen blieben weiter im Würgegriff des amerikanischen Haushaltsstreits. Finanzminister Timothy Geithner drohte damit, die größte Volkswirtschaft der Welt notfalls von der sogenannten Fiskalklippe stürzen zu lassen. Auf die Frage, ob die Regierung dies zulassen würde, wenn die Republikaner sich beim Zankapfel Steuererhöhung nicht bewegten, sagte Geithner dem TV-Sender CNBC: „Oh, mit Sicherheit“. Der Minister bekräftigte, ohne höhere Abgaben für die reichsten 2 Prozent der Bevölkerung werde es keine Einigung geben. Ohne eine Lösung in den erbittert geführten Verhandlungen drohen den Vereinigten Staaten zum Jahreswechsel automatische Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen in Höhe von etwa 600 Milliarden Dollar. Experten sprechen von einer Fiskalklippe, da dies Amerika in die Rezession stürzen könnte. Daher werden die Verhandlungen an den Märkten mit besonderer Spannung verfolgt. „Der Markt schaut weiterhin auf Neuigkeiten aus Washington. Diese werden die Börsen maßgeblich beeinflussen“, sagte Kim Forrest von Fort Pitt Capital Group. Der Dow-Jones-Index legte im Handelsverlauf nur um 0,1 Prozent zu auf 13.043 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 stieg leicht um 0,2 Prozent auf 1411 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,5 Prozent auf 2990 Punkte.
Bei den Einzelwerten ließen Apple zunächst Federn, drehten dann aber wieder 2,5 Prozent ins Plus. Der Technologiekonzern büßte im dritten Quartal auf dem wichtigen chinesischen Smartphone-Markt kräftig ein. Wegen der heftigen Konkurrenz durch lokale Anbieter sei Apple gleich um zwei Plätze auf Rang sechs nach unten gerutscht, teilten die Marktforscher von IDC mit. Gefragt waren dagegen die Anteilsscheine des Steuerberaters H&R Block, die sich um 2 Prozent verteuerten. Das Unternehmen verringerte infolge von Kostensenkungen seinen Verlust. Auf den Einkaufslisten der Börsianer standen auch die Dividendenpapiere von Garmin. Der Navigationsgerätehersteller wird ab 12. Dezember in den S&P-500-Index aufgenommen. Die Aktie sprang daraufhin mehr als 4 Prozent in die Höhe. Von der Konjunktur kamen ermutigende Nachrichten. In den Vereinigten Staaten fielen die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche stärker als erwartet. Sie seien im Vergleich zur Vorwoche um 25.000 auf 370.000 Anträge gesunken, teilte das amerikanische Arbeitsministerium mit. Volkswirte hatten mit einem Rückgang auf 380.000 gerechnet.