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Hintergrund Insider in Amerika stehen weiter auf der Verkäuferseite

19.04.2004 ·  Die Unternehmensinsider in Amerika verkaufen per saldo weiter mehr Aktien als sie kaufen. Da dies nicht auf viel Zuversicht hinsichtlich der Kursaussichten der eigenen Aktien schließen läßt, ist das ein Warnsignal.

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Im ersten Quartal haben amerikanische Manager so viele Aktien verkauft wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr. Insgesamt trennten sich die Insider von Aktien im Wert von 14,3 Milliarden Dollar, zeigen Daten vom Washington Service. Einige Investoren sehen das als Warnsignal, daß der seit dreizehn Monate anhaltenden Rally am Aktienmarkt bald die Puste ausgeht. Unter anderem haben Führungskräfte von EBay Inc. und dem Bauunternehmen Toll Brothers Inc. Aktien veräußert.

„Das ist ein Warnzeichen", sagt Wayne Reisner, Fondsmanager bei Carret & Co. in New York. „Für einige Insider sind die Kurse hoch genug, und wir sollten dem Beachtung schenken." Das letzte Mal haben Manager im dritten Quartal 2000 mehr Aktien verkauft, zu Anfang des drei Jahre andauernden Bärenmarktes.

In der Vorwoche ruderten die Aktienmärkte bereits etwas zurück, nachdem die Gewinne bei Technologieunternehmen nicht über den Erwartungen der Analysten lagen. In dieser Woche stehen bei rund einem Drittel der im Benchmarkindex Standard & Poor's 500 enthaltenen Unternehmen Quartalszahlen an.

Verkäufe steigen schon seit einigen Quartalen

Seit dem ersten Quartal 2003 sind die Insiderverkäufe jedes Quartal gestiegen. Gleichzeitig hat der S&P 500 trotzdem um 42 Prozent zugelegt. In den ersten drei Monaten 2003 haben Insider Aktien für 3,9 Milliarden Dollar abgestoßen, im zweiten Quartal waren es 11,8 Milliarden Dollar, im dritten 11,9 Milliarden und im vierten Quartal 13,1 Milliarden Dollar.

Die Käufe von Insidern sind weniger schnell gestiegen. In den ersten drei Monaten dieses Jahres haben Insider für jeweils 40 Dollar an Aktien, die sie abgestoßen haben, einen Dollar in Aktien investiert, zeigen Daten von Thomson Financial. Das ist die größte Diskrepanz seit Thomson vor zehn Jahren mit dem Datenvergleich begann. „Die Insider scheinen zu zögern, sich auf eine Kaufstrategie einzulassen, aber sie sind begierig darauf, Verkaufsmöglichkeiten zu nutzen", erläutert Kevin Schwenger, Analyst bei Thomson.

Insider kein absolut verläßlicher Indikator

Nicht jedes Mal, wenn Insider Aktien verkaufen, bedeutet das das Ende einer Rally. Im letzten Juni beispielsweise kauften Insider so wenig Aktien wie seit 1997 nicht mehr. Trotzdem ist der S&P in der zweiten Jahreshälfte 2003 um 13 Prozent geklettert. Dementsprechend sehen einige Anleger die Verkäufe in letzter Zeit nicht als Anzeichen, daß Aktien überbewertet sind. Ihrer Auffassung nach sichern sich Insider die Kursgewinne nach dem Bärenmarkt und investieren in andere Anlagen.

Dämpfend auf die Aktienkursentwicklung dürften sich jedoch die in dieser Woche anstehenden Quartalszahlen unter anderem von Coca-Cola Co., General Motors Corp., Merck & Co. und Qualcomm Inc. auswirken. „Wir sind definitiv in einer Periode, wo die Erwartungen von Investoren ein bißchen zu hoch sind", sagt Michael Vogelzang, als Chief Investment Officer bei Boston Advisors Inc. für die Investments verantwortlich.

Verkäufe betreffen auch die Ebay-Aktie

Fondsmanager Reisner beobachtet die Zahl der Insider, die Aktien einer bestimmten Firma verkaufen, und wie stark sie ihre Position reduzieren. Nach diesen Kriterien macht ihm beispielsweise Toll Brothers, Anbieter von Luxus-Eigenheimen in Amerika, Sorgen. Vice Chairman Bruce Toll, Präsident Zvi Barzilay und zwei andere Manager haben im ersten Quartal insgesamt 247.644 Aktien für rund 10,8 Mio. Dollar verkauft. „Vielleicht sagt mir das etwas darüber, wie sie das Geschäft in Zukunft beurteilen", so Reisner. Der Kurs der Toll-Brothers-Aktie ist von einem Hoch bei 47,74 Dollar im März zwölf Prozent gefallen. Bruce Toll besitzt 6,5 Millionen Aktien und "hält weiter einen bedeutenden Anteil seines persönlichen Vermögens in Toll-Brothers-Aktien", erklärt Frederick Cooper, Sprecher für Toll Brothers. Die drei anderen Führungskräfte haben Aktien abgestoßen, nachdem sie Optionen ausgeübt haben, die in diesem Jahr abgelaufen sind, führt er aus.

Bei Ebay haben Insider sich von 3,8 Millionen Aktien im Wert von 258 Mio. Dollar getrennt. Das größte Paket, drei Millionen Aktien, kam von Chairman Pierre Omidyar. "Alle unsere Führungskräfte und Aufsichtsratsmitglieder verkaufen nach einem vorher festgelegten Plan je nach ihren Bedürfnissen oder Investmentplänen", erklärte dazu Ebay-Sprecher Hani Durzy.

Die Insiderverkäufe dürften mit ein Grund sein, warum der S&P 500 von einem Hoch am 11. Februar zwei Prozent gefallen ist. Ein weiterer Grund dürften die etwas bescheidener werdenden Gewinnprognosen sein. Für das erste Quartal rechnen Analysen laut einer Umfrage von Thomson bei den Unternehmen im S&P 500 mit einem Gewinnsprung von 19 Prozent. Für das zweite Quartal liegt die Prognose bei 16 Prozent und für das dritte Quartal bei zwölf Prozent.

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