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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Hessen Die Wahlverlierer heißen Fraport und K+S

29.01.2008 ·  Nach der Landtagswahl herrscht in der hessischen Wirtschaft Verunsicherung. Der Stimmenverlust der CDU hat dem Flughafenbetreiber Fraport und dem Düngemittelspezialisten K+S große Kursverluste an der Börse gebracht.

Von Georg Giersberg, Judith Lembke, Hans-Christoph Noack und Michael Psotta
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Für zwei börsennotierte Konzerne hat das schwache Ergebnis der Partei des Ministerpräsidenten Roland Koch bereits konkrete Folgen: Die Kurse des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport und des Kasseler Düngemittel- und Salzspezialisten K+S (früher Kali + Salz) brachen jeweils um rund 5 Prozent ein. Die Kursverluste von Fraport begründeten Börsenbeobachter mit neuen Ungewissheiten über den Flughafenausbau. Auch wenn es unrealistisch sei, dass der Bau der neuen Landebahn noch verhindert werde, dürften die Kursverluste von diesen Sorgen und vor allem denen über die Frage nach künftigen Nachtflügen geprägt sein, hieß es am Markt. Die Fraport AG, als Betreibergesellschaft des Frankfurter Flughafens, sieht dagegen durch den Wahlausgang keine negativen Auswirkungen auf die Ausbaupläne.

„Der Planfeststellungsbeschluss könnte nur noch auf den Klageweg in Frage gestellt werden“, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Er wies darauf hin, dass die Mehrheit der Parteien - auch im neuen Hessischen Landtag - sich für den Ausbau des größten deutschen Flughafens in der Vergangenheit ausgesprochen hätten. Wilhelm Bender, Vorstandsvorsitzender der Fraport AG, hatte den Wahlausgang mit den Worten kommentiert: „Ich freue mich, dass es im Hessischen Landtag weiterhin eine überragende Mehrheit für den Ausbau des Frankfurter Flughafens gibt.“

Streit um salzhaltige Abwässer von K+S

Auch der Kursverlust von K+S wurde an der Frankfurter Börse mit dem Ausgang der Hessenwahl begründet: K+S müsse nun befürchten, dass die Einleitung von Salzlaugen in die Werra blockiert werde und das Unternehmen deshalb eine teure Pipeline zur Nordsee bauen müsse. Die aktuelle Genehmigung läuft 2012 aus. Danach darf der Konzern salzhaltige Abwässer nur noch dann in die Werra einleiten, wenn bestimmte Grenzwerte unterschritten werden. Je nach Zusammensetzung der neuen Regierung könnten diese Grenzwerte gesenkt werden.

Nur wenige von dieser Zeitung befragte Unternehmen zeigten sich so gelassen wie der Bad Homburger Gesundheitskonzern Fresenius. "Wir sind seit mehr als 80 Jahren in Hessen und haben mit verschiedenen Landesregierungen vertrauensvoll zusammengearbeitet", sagte ein Sprecher des Konzerns. Der Ausgang der Landtagswahl habe keine Auswirkung auf unternehmerische Entscheidungen.

Aufatmen in der Sparkassen-Organisation

Enttäuscht äußerte sich Robert Koehler, Vorstandsvorsitzender des international tätigen Graphitherstellers SGL Carbon AG mit Sitz in Wiesbaden. „Mit Roland Koch ist einer der wenigen wirtschaftspolitisch kompetenten Politiker in Deutschland abgewählt worden. Ich finde es sehr schade, dass die politische Tendenz aus Angst vor den Folgen der globalen Entwicklung nach links tendiert. Das wird negative Folgen auf die Arbeitsplätze haben, die Unternehmen werden nämlich noch mehr im Ausland investieren.“ Für den nordhessischen Heizungsbauer Viessmann ist die dringlichste Aufgabe der Landespolitiker, schnell eine handlungsfähige Landesregierung zustande zu bringen. Die neue Landesregierung müsse unabhängig von den sie tragenden Parteien auf den Feldern Infrastruktur, Energie, Bildung und Steuern die Wettbewerbsfähigkeit des Landes erhöhen. Es gelte vor allem, den von der alten Landesregierung forcierten Ausbau der Autobahnen (A 49 Kassel-Marburg, A 44 Kassel-Erfurt und A 4 durch das Siegerland) fortzusetzen und am Ausbau der Flughäfen Frankfurt und Kassel-Calden festzuhalten, sagte ein Sprecher des Unternehmens.

Die meisten befragten Unternehmen wollten sich zu den Konsequenzen der Wahl allerdings nicht äußern, auch im Hinblick darauf, dass die Regierungsbildung noch ungeklärt sei. Vor allem die Akteure am Finanzplatz Frankfurt schienen am Montag regelrecht abgetaucht. Weder die Deutsche Börse noch Deutsche Bank, Commerzbank, Dresdner Bank, BHF-Bank oder Bankhaus Metzler waren zu Kommentaren bereit - offenbar im Bemühen, es sich nicht mit einer neuen, noch unbekannten Regierung zu verscherzen. Mit Aufatmen ist das Wahlergebnis allerdings in der Sparkassen-Organisation aufgenommen worden. Koch hatte stark in die öffentlich-rechtliche Bankengruppe „hineinregiert“. Nach dem von ihm maßgeblich betriebenen Verkauf der Frankfurter Sparkasse (Fraspa) an die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) hatte Koch der Fraspa durch Gesetz gegen den Willen der Eigentümer Stammkapital vorgeschrieben und auch die Satzung erlassen. Zuletzt hatte Koch mit Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers ausgemacht, dass Helaba und West LB Fusionsgespräche führen sollten. Die Helaba versucht gerade, einen Überblick über die wirtschaftlichen Verhältnisse der schwer angeschlagenen West LB zu erhalten. Diese Arbeiten gingen auch nach den Landtagswahlen weiter, hieß es am Montag. Ein offizieller Kommentar war indes auch aus der Sparkassenorganisation nicht zu erhalten.

Quelle: F.A.Z., 29.01.2008, Nr. 24 / Seite 13
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