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Hess-Insolvenz : Debakel für Sparkassen und Kunden

Größte deutsche Landesbank: Die Landesbank Baden-Württemberg (im Bild die Zentrale in Stuttgart) Bild: AP

Die LBBW war federführend beim Börsengang des Leuchtenherstellers Hess vor vier Monaten und prüft nun die Einstellung des IPO-Geschäftes. Die Kunden der örtlichen Sparkassen erhielten eine volle Aktienzuteilung.

          Die Insolvenz des Leuchtenherstellers Hess nur vier Monate nach dem Börsengang ist auch ein Schlag für die Sparkassenorganisation. Denn federführend an die Börse begleitet wurde das Unternehmen aus dem Schwarzwald von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), die den Sparkassen, dem Bundesland Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart gehört. Zudem gingen ungewöhnliche 9,2 Prozent aller Hess-Aktien im Wert von im Oktober 3 Millionen Euro an Privatkunden. Allein 4,2 Prozent der angebotenen Aktien, so wurde von Hess damals stolz mitgeteilt, kauften Privatkunden der Sparkasse Schwarzwald-Baar in Villingen-Schwenningen und der Ostsächsischen Sparkasse Dresden. Diese Sparkassen, in deren Geschäftsgebiet Hess 350 Mitarbeiter beschäftigt, hatten ihre Kunden zum Börsengang mit dem Versprechen der bevorrechtigten Zuteilung gelockt.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nun versuchen die Sparkassen den Schaden klein zu reden. Die Sparkasse Schwarzwald-Baar teilte mit, sie habe momentan rund 100.000 Kunden. „Aktien der Firma Hess AG haben dabei lediglich eine zweistellige Anzahl von Kunden gezeichnet. Das Gesamtvolumen an Kunden der Sparkasse hat sich im niedrigen 6-stelligen Bereich bewegt.“ Und von der Ostsächsischen Sparkasse ist zu erfahren: Nur zehn von insgesamt 600.000 Privatkunden haben insgesamt 1400 Hess-Aktien für 21.000 Euro gekauft. Nach der Mitteilung von Hess zum Börsengang aber kauften Kunden beider Sparkassen zusammen Aktien für 1,4 Millionen Euro. Die Lücke zwischen den Zahlen von vor vier Monaten und heute konnte oder wollte am Donnerstag niemand erklären.

          Ein mehrfaches Debakel

          Die Wut der Anleger etwa in Foren im Internet ist groß. Schließlich erhielten alle Privatkunden alle Hess-Aktien, die sie vor dem Börsengang auch bestellt haben. Die Aktien wurden zu 15,50 Euro ausgegeben. Ursprünglich waren sie sogar in einer Spanne von 20 bis 23 Euro angeboten worden. Nun sind Hess-Aktien vier Monate nach dem Börsengang zu einem Papier für Zocker verkommen. Am Donnerstag, einen Tag nachdem der Vorstand sowohl wegen Zahlungsunfähigkeit als auch wegen Überschuldung und fehlender Fortführungsperspektive des Unternehmens den Gang zum Insolvenzgericht angetreten hatte, kletterte der Kurs um 9 Prozent auf 0,83 Euro. Aktionäre der ersten Stunde beklagen immer noch 93 Prozent Verlust in nur vier Monaten.

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          Die hohen Verluste von Sparkassenkunden sind auch unangenehm für Georg Fahrenschon. Der frühere bayerische Finanzminister und heutige Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes stärkt gerade die Deka als Wertpapierhaus der Sparkassen. Vor drei Wochen sagte Fahrenschon: „Die Marktvoraussetzungen für eine Renaissance des Wertpapiergeschäfts sind gut. Angesichts der Niedrigzinsphase und Euro-Turbulenzen sucht der Markt nach Anlagen, wo mehr als die erwartete Inflation von 2,5 Prozent in Deutschland zu verdienen ist. Deshalb steigt das Interesse an Realwerten - Immobilien, Rohstoffen und Aktien.“ Die Forderung dahinter: Sparkassen sollten ihren Privatkunden mehr Aktien verkaufen und mehr Chefs mittelständischer Unternehmen etwa mit ungeklärter Nachfolge zum Börsengang raten.

          Somit ist die Insolvenz von Hess ein mehrfaches Debakel für die Sparkassengruppe. Gerne rühmen sich Sparkassen ihrer Nähe zum Kunden. Die Sparkasse Schwarzwald-Baar muss sich nun ebenso wie die Wirtschaftprüfer fragen, wie ihr entgehen konnte, dass die Bilanzen von Hess offenbar über Jahre geschönt wurden. Und die LBBW, größte deutsche Landesbank, stellt nach dem Debakel mit Hess nun sogar ihr Geschäft mit Börsengängen (IPO) auf den Prüfstand. „Ob und in welchen Fällen wir künftig für IPO-Begleitungen zur Verfügung stehen, werden wir auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse entscheiden“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Ein Sprecher verweigert eine Auskunft zur Höhe der für die Aktienplazierung erhaltenen Provision. Üblich sind für den Konsortialführer 3 bis 5 Prozent des Emissionsvolumens.

          Quelle: F.A.Z.

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