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Heftige Kursschwankungen : Wieso spielt die Apple-Aktie verrückt?

„Die Ära des Smartphones hat gerade erst begonnen“, glaubt Apple-Chef Tim Cook. Bild: AP

Der Börsenkurs von Apple schwankt heftig. In den vergangenen Tagen haben auch die Aktien von Amazon, Facebook und Google Verluste hinnehmen müssen. Droht eine Wiederholung des Börsencrashs um die Jahrhundertwende?

          Zu Beginn der vergangenen Woche gab Apple-Chef Tim Cook dem Nachrichtensender Bloomberg eines seiner seltenen Interviews. Cook erzählte im Plauderton und ohne Details zu verraten, dass sein Unternehmen an der Entwicklung eines Elektroautos arbeite, er philosophierte über Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz. Der Apple-Vorstandsvorsitzende gab sich gelassen und cool und entsprach dabei ganz dem Bild, das der iPhone-Konzern gerne in der Öffentlichkeit von sich zeichnet.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nur an einer einzigen Stelle im Gespräch verlor er kurzfristig die Beherrschung – und zwar, als die Interviewerin ihn fragte, wann Apple seinen Kunden endlich wieder ein wahrhaft revolutionäres iPhone vorstelle. Cooks Antwort klang barsch: „Es geht uns nicht darum, die Ersten zu sein. Nein, wir wollen die Besten sein. Die Ära des Smartphones hat gerade erst begonnen.“

          Doch es scheint so, als seien davon längst nicht alle Anleger überzeugt. Denn innerhalb von nur wenigen Tagen hat die Apple-Aktie kräftig an Wert verloren. In den vergangenen sechs Handelstagen betrug das Minus rund acht Prozent. Von einem Kursabsturz zu sprechen wäre übertrieben, aber der Rückgang dürfte auch manch deutsche Aktionäre beunruhigen. Denn in den Depots deutscher Anleger kommt keine andere ausländische Aktie auf einen höheren Anteil als Apple. Und der eine oder andere erinnert sich noch gut daran, dass auch der Börsencrash im Jahr 2000 zunächst mit kleinen Verlusten begann, bevor die Kurse fielen, als gäbe es kein Morgen. Droht nun, 17 Jahre später, etwa eine Wiederholung?

          Kaum Parallelen zur Zeit um die Jahrtausendwende

          Wenig spricht dafür. Was allerdings nichts daran ändert, dass die nächsten Monate für die Apple-Aktie von großer Bedeutung sein werden. Zunächst jedoch gilt es, einen Irrtum zu korrigieren. Weil in den vergangenen Tagen nicht nur die Apple-Aktie, sondern auch die Aktien von Amazon, Facebook und Google Verluste hinnehmen mussten, war in manchen Marktkommentaren gleich wieder von der nächsten Internetblase die Rede. Vergleicht man die heutige Situation mit der Zeit um die Jahrtausendwende, zeigt sich aber: Es gibt kaum Parallelen. Damals erzielten viele Firmen keine Gewinne und zuweilen kaum Umsätze – trotzdem kamen wichtige Börsenkennziffern wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf sehr hohe Werte jenseits von 50.

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          Heute benutzt alle Welt Facebook, Google und Apple, es sind die führenden Unternehmen unserer Zeit. Derart hohe Gewinne wie sie erzielen nur die wenigsten Firmen. Obwohl ihr Kurs-Gewinn-Verhältnis zuletzt gestiegen ist, ist es mit einem durchschnittlichen Wert von weniger als 20 mit den Werten zur Zeit der Internetblase nicht zu vergleichen. In der Sprache der Börsen ausgedrückt: „Die Aktien mögen teurer geworden sein, aber eine Überbewertung erkenne ich nicht“, sagt Sebastian Thomas, der für Allianz Global Investors einen Technologieaktienfonds steuert. Nach Ansicht vieler Analysten hat der jüngste Kursrückgang bei Apple darum einen recht banalen Grund: Viele Profi-Anleger haben nun die gute Entwicklung der vergangenen Monate genutzt, um Gewinne mitzunehmen.

          Diese Entwarnung lässt jedoch nicht automatisch den Schluss zu, dass Anleger die Apple-Aktie jetzt kaufen sollten. Denn obwohl Apple ständig in einem Atemzug mit den anderen Technologieunternehmen des Silicon Valley genannt wird, unterscheidet sich der iPhone-Konzern doch deutlich von ihnen. Streng genommen handelt es sich nämlich nicht um eine Internetfirma, sondern um ein Unternehmen, das vor allem Hardware herstellt – in erster Linie natürlich das iPhone, das für zwei Drittel des Apple-Umsatzes von zuletzt mehr als 200 Milliarden Dollar im Jahr verantwortlich ist. Dies bringt eigene Gesetzmäßigkeiten mit sich. „Apple ist vom Produktzyklus des iPhone abhängig“, sagt Fondsmanager Markus Golinski von Union Investment.

          Enorme Erwartungen an das neue iPhone

          Es fügt sich, dass voraussichtlich im September ein mit Spannung erwarteter Termin ansteht. Dann will Apple der Öffentlichkeit ein neues iPhone präsentieren. Die Erwartungen sind enorm, denn ein Jubiläum steht an: Zehn Jahre ist es her, dass der legendäre Apple-Gründer Steve Jobs der Welt das erste iPhone vorstellte. Findet Apples Jubiläums-Smartphone nicht genügend Anhänger, würde dies den Aktienkurs sicher kräftig fallen lassen – allen anderen Produkten wie der Apple-Watch oder dem jüngst vorgestellten intelligenten Lautsprecher Homepod zum Trotz. Dies ist das größte Risiko, dem Apple-Aktionäre derzeit ausgesetzt sind.

          Die Wahrscheinlichkeit, dass das neue iPhone ein Flop wird, ist aus Sicht der meisten Experten jedoch gering. Fast 800 Millionen iPhone-Besitzer gibt es auf der Welt – selbst wenn nur ein Bruchteil von ihnen auf das neue Gerät umsteigt, zahlt sich die Sache für Apple aus. Mit Blick auf die Zahlen kann es ohnehin kaum ein anderes Unternehmen der Welt mit Apple aufnehmen. Allein im ersten Quartal erzielte man einen Nettogewinn von elf Milliarden Dollar.

          Für seine Aktionäre tut der Konzern überdies eine Menge. So hat das Unternehmen unlängst die Dividende angehoben, auch regelmäßige Aktienrückkäufe stützen den Kurs. Mit mehr als 250 Milliarden Dollar an Bargeld ist Apple außerdem für nahezu jede Art von Unbill gerüstet. Zwar müssen deutsche Anleger das Wechselkursrisiko beachten, weil die Aktie in Dollar notiert. Aber solange Tim Cook und seine Leute im Herbst nicht völlig enttäuschen, spricht alles dafür, der Apple-Aktie weiter die Treue zu halten.

          Quelle: F.A.S.

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