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Hardware Sun-Aktie längerfristig auf schwerem Weg

 ·  Der erste Gewinn seit sechs Jahren lässt die Aktie von Sun Microsystems nachbörslich stark steigen. Doch auch wenn Sun wieder zurück ist - ein Anknüpfen an einstige Glanzzeiten bleibet weiter schwierig.

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Es gibt Unternehmen und Aktien, die haben vor allem ein glorreiche Vergangenheit und das ist auch der Grund, dass sie bekannter sind, als es ihre tatsächliche Wertentwicklung rechtfertigt. Als das Internet jung war und Server ein Wachstumsfeld, waren auch die großen Zeiten von Sun Microsystems.

Fast fünf Jahre lang war der Aktienkurs des amerikanischen Computer- und Software-Konzerns in den Jahren 1990 bis 1994 zwischen 50 Cents und 1,26 Dollar gependelt, bevor ihm 1995 der Ausbruch aus der Handelsspanne gelang. Es folgte ein Höhenflug bis auf 64,31 Dollar, danach ein Absturz auf 2,42 Dollar, die im Herbst 2002 erreicht wurden.

Zwischen Hoffen und Bangen

Danach pendelte die Kurs wieder wie einst, nur diesmal zwischen drei und sechs Dollar. Grund war, dass das Unternehmen nach den guten Jahren auf eine Durststrecke geraten war und einfach aus der Verlustzone nicht herauskam.

Anfang des Jahres sah es so aus, als ob dies ein Ende nehmen würde. Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2006/2007 erzielte Sun einen Gewinn von 126 Millionen Dollar und damit den höchsten Quartalsgewinn seit sechs Jahren. Was folgte war ein Ausbruch des Kurses bis auf 6,64 Dollar.

Doch als sich der Konzern im dritten Quartal mit einem Nettogewinn von 67 Millionen Dollar nur eben noch in die Gewinnzone retten konnte, verschwand die Hoffnung aus dem Kurs, allzumal der Umsatz sichtbar unter den durchschnittlichen Analystenschätzungen von 3,42 Millionen Dollar zu liegen kam. Der Kurs fiel im April wieder unter sechs und zuletzt auf 4,89 Dollar.

Glänzendes Abschlussquartal

Doch am Montagabend war die Aktie im nachbörslichen amerikanischen Handel wieder stark gefragt. Die Papiere des Serverherstellers zogen um zehn Prozent auf 5,39 Dollar an. Denn dank deutlich gesenkter Betriebskosten übertraf der Sun-Gewinn im vierten Geschäftsquartal die Markterwartung. Mit 9 Cents je Aktie lag das Ergebnis deutlich über der Durchschnittsprognose von 5 Cents und mit 3,84 Milliarden Dollar übertraf auch der praktisch unveränderte Umsatz leicht die Erwartung des Marktes von 3,83 Milliarden Dollar.

Dem Nettogewinn von 329 Millionen Dollar steht ein Verlust von 301 Millionen Dollar im Vorjahresquartal gegenüber. Die Gesellschaft konnte in der abgelaufenen Periode die operativen Kosten um fast 500 Millionen Dollar auf insgesamt 1,49 Milliarden Dollar herunterfahren.

Erster Gewinn seit sechs Jahren

Damit konnte Sun Microsystems im Geschäftsjahr 2006/2007 zum ersten Mal seit dem Geschäftsjahr 2000/2001 wieder einen Gewinn verbuchen. Die Gesellschaft verdiente 473 Millionen Dollar oder 13 Cent je Aktie gegenüber roten Zahlen von 864 Millionen Dollar oder 25 Cent je Aktie im Geschäftsjahr 2005/2006. Der Jahresumsatz stieg um 6,2 Prozent auf 13,9 Milliarden Dollar (10,1 Milliarden Euro) und damit ebenfalls auf den höchsten Wert seit 2000/2001. Dabei legte der Umsatz mit Dienstleistungen zu, während Geschäfte mit Hardware schlechter liefen.

Dem guten Ergebnis liegt eine ansprechende operative Gewinn-Marge von 8,5 Prozent zugrunde, die damit fast den Wert des sechs Jahre zurückliegenden Geschäftsjahres von 8,73 Prozent erreichte. Sun hatte zunächst lediglich „mindestens vier Prozent“ in Aussicht gestellt.

Von Margen wie 17,8 Prozent im Jahr 1999/2000 ist das Unternehmen dennoch noch weit entfernt und es ist unwahrscheinlich, dass es diese je wieder erreichen wird. Sun ist zwar einer der weltgrößten Server-Anbieter, befindet sich aber in hartem Wettbewerb mit IBM, Hewlett-Packard und Dell.

Zurückhaltung beim Ausblick

Das Unternehmen hatte zuletzt seine Produktpalette umgekrempelt, die Chiplieferanten gewechselt und die Streichung von 5.000 Stellen angekündigt. Diese Schritte hatten sich schon in den vergangenen Monaten auf die Erfolgsrechnung ausgewirkt.

Sun-Chef Jonathan Schwartz erklärte, die Entwicklung im abgelaufenen Quartal sein ein großer Schritt hin zu dem Ziel einer operativen Gewinn-Marge von mindestens zehn Prozent für das Geschäftsjahr 2009. Für das Geschäftsjahr 2007/08 erwartet der Vorstandsvorsitzende ein Umsatzwachstum im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich und rechnet mit einer Bruttomarge zwischen 43 Prozent und 46 Prozent, die damit leicht über dem Wert des abgelaufenen Geschäftsjahres läge.

Analysten äußerten sich durchaus angetan und das auch mit Recht. Ob indes Sun diese Erfolge noch wird ausbauen können, ist eine andere Frage. Kostensenkungen sind ein per se begrenztes Mittel zur Verbesserung der Profitabilität, solange dadurch nicht neue Marktanteile erobert werden können und nach einem durchschlagenden Erfolg in dieser Hinsicht sieht es nicht aus.

Charttechnischer Impuls fehlt

Sun hat gezeigt, dass mit dem unternehmen auf dem Server-Markt weiter zu rechnen ist - ein Siegeszug ist dies nicht. Und so ist das für das kommende Geschäftsjahr von den Analysten im Durchschnitt angelegte Kurs-Gewinn-Verhältnis von 25 auch recht hoch, zumal es eine Gewinnsteigerung je Aktie von über 50 Prozent voraussetzt.

Für das Geschäftsjahr 2008/2009 gehen Analysten im Durchschnitt von einem KGV von 15,3 und einem neuerlichen Gewinnplus von 61 Prozent aus, was die Bewertung der Aktie angesichts so hoher Erwartungen auch nicht günstiger macht.

Charttechnisch ist zunächst einmal schmerzlich, dass mit dem Anstieg auf 5,37 Dollar im nachbörslichen Handel die Möglichkeit vertan wurde, den Widerstand bei 5,40 Dollar zu durchbrechen, der im Mai und Juli markiert wurde. Damit fehlt ein längerfristiges Kaufsignal, allzumal zwischen 5,90 und 6,60 Dollar weitere Widerstände warten.

Zwar sind die Zahlen ein positives Signal, aber ob ihre Durchschlagskraft ausreicht, um die Aktienkursentwicklung an die goldenen Zeiten von einst wenigstens erinnern zu lassen, ist darob fraglich. Gelingt indes der Durchbruch durch die Marke von 5,40 Dollar, so sind weitere Kursgewinne möglich. Und die Erfahrungen der vergangenen Monate lehren, dass die Börsianer positive Zahlenausweise oft genug ohne Rücksicht auf die fundamentale Bewertung honoriert haben.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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