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Hardware Palm-Aktie enttäuscht schon wieder

22.09.2006 ·  Das neue Vorzeigeprodukt von Palm, das Smartphone Treo, verkauft sich schlechter als erwartet. Die Produkte der Konkurrenten dagegen starten durch. Der Gewinn sinkt, der Umsatz wächst nur noch langsam: Keine guten Aussichten für die Palm-Aktie.

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Erst Anfang September hatten die Aktionäre des Taschencomputerherstellers Palm einiges zu verdauen: Das Unternehmen aus Sunnyvale (Kalifornien) mußte schon zum zweiten Mal eine schlechter als erwartete Umsatzprognose für das gerade abgelaufene Quartal abgegeben. Verantwortlich für die nach unten korrigierte Prognose war eine schwache Entwicklung beim Vorzeigeprodukt Treo, einem sogenannten Smartphone, einer Kombination aus Taschencomputer, Mobiltelefon und drahtlosem E-Mail-Gerät.

Am Donnerstag dann verfehlte Palm mit einem Gewinnrückgang im Quartal die Markterwartungen. Der Nettoertrag im ersten Geschäftsquartal bis 1. September habe bei 16,5 Millionen Dollar oder 16 Cent je Anteilsschein gelegen, erklärte das Unternehmen nach Börsenschluß in den Vereinigten Staaten. Im Vorjahr lag der Gewinn noch bei 18,2 Millionen Dollar oder 18 Cent je Aktie. Analysten hatten auch für das abgelaufene Quartal mit 18 Cent je Aktie gerechnet.

„Wir müssen besser werden“

Die Aktie hatte den New Yorker Handel mit mehr als sieben Prozent im Minus bei 14,50 Dollar beendet. Nachbörslich kletterten die Aktien dann wieder um 96 Cent oder 6,6 Prozent auf 15,46 Dollar. Das mag damit zu erklären sein, daß das Unternehmen Aktienrückkäufe für 250 Millionen Dollar ankündigte. Das wären zum Schlußkurs vom Donnerstag 17 Prozent der Aktien (Isin US6966431057).

Der Umsatz im Quartal stieg um vier Prozent auf 355,8 Millionen Dollar. Das ist das geringste Gewinnwachstum seit drei Jahren. „Es ist wirklich ein unglaublich umkämpfter Markt zur Zeit“, sagte Palm-Chef Ed Colligan gegenüber Analysten. „Wir müssen besser werden.“

Die Konkurrenz eilt davon

Das mögen sich die Aktionäre auch denken. Sie sehen, was die Konkurrenz schafft: Motorola hat im ersten Monat nach der Markteinführung im Juni schon 150.000 seiner neuen „Q“-Geräte ausgeliefert, das Handy- und E-Mail-Funktionen vereint. Nokia hat sein Smartphone namens „E61“ im April eingeführt. Anfang September legte Research In Motion ein neues Blackberry-Gerät nach, das auch eine Kamera hat und Musik abspielen kann.

Einer Studie von FTN Midwest Securities zufolge hatte Research In Motion im vergangenen Jahr bei Smartphones einen Marktanteil von 75 Prozent. Palm kam auf 20 Prozent, Nokia und Motorola jeweils auf ein Prozent. Bis 2010 könnte der Marktanteil von Motorola jedoch auf 15 und der von Nokia auf 21 Prozent steigen, so die Analysten.

Wahres Massaker an der Börse

Zu Hochzeiten wurde Palm eine glanzvolle Zukunft bescheinigt. Manche sahen bereits das Ende des klassischen Computers auf und unter dem Schreibtisch gekommen. Der tragbare Computer für die Hand ist untrennbar mit dem Namen des Unternehmens verknüpft: Palm heißt Handfläche. Leider kam alles anders. Nach einem Rekordumsatz von über einer halben Milliarde Dollar im zweiten Quartal 2001 brachen die Erlöse binnen eines halben Jahres auf 165 Millionen Dollar ein. Gleichzeitig rutschte das Unternehmen in die Verlustzone.

Ein wahres Massaker gab es an der Börse: Ging das Papier bereinigt um Aktiensplits am ersten Börsentag mit 950 Dollar aus dem Handel, fiel die Notiz bis April 2003 auf ein Allzeittief von 4,54 Dollar. Im April dieses Jahres war die Aktie wieder bei 24 Dollar angekommen, das ist ein neues Mehrjahreshoch. Doch seither geht es wieder bergab: Anfang August waren die Papiere nur noch 13,99 Dollar wert, das ist ein Minus von mehr als 40 Prozent in vier Monaten.

Aktie ist immer noch nicht billig

Die jüngsten Enttäuschungen spiegeln sich auch in den Analystenerwartungen wider. In den vergangenen vier Wochen senkten fünf Analysten ihre Prognose für das laufende und acht für das kommende Geschäftsjahr. Heraufstufungen gab es keine. Auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzung ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 15,3 für das laufende und 14,2 für das kommende Geschäftsjahr bewertet. Günstig ist die Aktie also auch nach den jüngsten Kursverlusten nicht.

Noch immer ist manche strategische Frage zur Zukunft von Palm unbeantwortet. Taschencomputer, mit denen man nicht zugleich auch telefonieren kann, will niemand mehr. Mobiltelefone, die zudem ein Taschencomputer sind, bieten inzwischen aber viele an. Research In Motion hat sich mit seinen Blackberry-Produkten eine starke Marktstellung erarbeitet, die Palm das Leben alles andere als leicht macht - vor allem weil der Konkurrent jetzt vermehrt im Palm-Revier der Privatkunden wildert und sich nicht mehr vor allem an Geschäftskunden richtet. Die Palm-Aktie ist also nur etwas für Anleger mit starken Nerven.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @bemi
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