12.02.2007 · Karstadt-Quelle fusioniert Thomas Cook mit My Travel. Das sorgt für Phantasie. Doch eine Renditeperle hat sich Thomas Middelhoff nicht gekauft. Und die Karstadt-Aktie ist schon ambitioniert bewertet.
Diese Nachricht tut den Karstadt-Quelle-Aktien gut: Der Handelskonzern fusioniert seinen Touristikkonzern Thomas Cook mit dem britischen Pauschalreiseanbieter My Travel. Damit entstehe eines der weltweit führenden Unternehmen der Branche mit einem Umsatz von rund zwölf Milliarden Euro, teilte Karstadt-Quelle am Montag mit. Die Aktie gewann im frühen Handel etwa 4,1 Prozent auf 27,28 Euro (Isin DE0006275001). Die My-Travel-Titel legten in London sogar etwa 30 Prozent zu und kosteten 309 Pence (GB00B06BLB41).
Der neue Konzern, an dem Karstadt-Quelle mit 52 Prozent die Mehrheit halten wird, soll Thomas Cook Group plc heißen und an der Londoner Börse notiert werden. Alle Schlüsselpositionen wie Vorstandsvorsitzender, Aufsichtsratschef und Finanzvorstand werden mit Managern von Karstadt-Quelle besetzt. Der Essener Handelskonzern wird die neue Thomas Cook Group auch voll in seiner Bilanz konsolidieren.
Unternehmen kann Verlustvortrag nutzen
Für Karstadt-Quelle entsteht durch die Übernahme nach eigener Darstellung kein zusätzlicher Finanzierungsbedarf. Das Unternehmen könne einen steuerlichen Verlustvortrag von 1,2 Milliarden Euro bei My Travel nutzen. Die beiden Touristikkonzerne erhoffen sich aus der Fusion jährliche Kosteneinsparungen von 75 Millionen Pfund vor Steuern.
Schon im Juni soll der Zusammenschluss vollzogen sein. Allerdings muss die Transaktion noch von den Kartellbehörden und den Aktionären von My Travel plc genehmigt werden. Auch müsse Karstadt-Quelle erst noch den angekündigten Kauf von 50 Prozent der Thomas-Cook-Anteile von der Deutschen Lufthansa AG abschließen. Diesem Kauf muss der Lufthansa-Aufsichtsrat noch zustimmen. Karstadt-Quelle kauft diese Anteile für 800 Millionen Euro von der deutschen Airline.
Eigenkapitalquote soll auf 25 Prozent steigen
„Die Fusion wird das operative Geschäft des Karstadt-Quelle-Konzerns diversifizieren und internationalisieren“, hieß es in der Mitteilung des Konzerns. „Der neu formierte Karstadt-Quelle-Konzern erreicht durch diese Transaktion einen Umsatz in Höhe von rund 21 Milliarden Euro bei einem Auslandsanteil von rund 50 Prozent. Die Eigenkapitalquote soll auf 25 Prozent steigen. Der Konzern bleibt - unter Einbeziehung der geplanten Veräußerung des Anteils an der Immobiliengesellschaft Highstreet - weiterhin finanzschuldenfrei.“
Das klingt alles sehr positiv. Nach dem dritten Quartal des vergangenen Geschäftsjahres betrug die Eigenkapitalquote noch 16,6 Prozent. 2005 hatte sie sogar nur 3,2 Prozent betragen.
Tui könnte der Verlierer sein
Die Fusion könnte sich in Großbritannien negativ auf den Branchenführer Tui auswirken. Der Druck auf die Margen könnte steigen, da Thomas Cook und My Travel auf Grund von Synergieeffekten sehr preissensitive Angebote machen könnten, sagte ein Analyst, der namentlich nicht genannt werden wollte, am Montag gegenüber Dow Jones Newswires. Bei den Margen sei nicht mit einer Entspannung zu rechnen.
Durch diese Fusion konsolidiere sich der britische Markt, sagte der Analyst weiter. Diese Konsolidierung habe aber erst einmal keine direkte Auswirkung auf Tui, sondern gehe an Europas größtem Reiseveranstalter vorbei. Die Tui-Aktien starteten am Montag deutlich im Minus, konnten im frühen Handel aber einen Teil der Verluste wettmachen.
Bewegte Kurshistorie
Am Aktienkurs von Karstadt-Quelle lässt sich die bewegte Geschichte des Handelskonzerns nachvollziehen: Anfang 2002 kosteten die Titel noch mehr als 35 Euro, in nur einem Jahr fiel der Kurs dann unter zehn Euro. 2004 ging es noch weiter runter - zeitweise waren weniger als sieben Euro für die Aktie zu zahlen. Im Geschäftsjahr 2004 musste der Konzern einen Nettoverlust von 1,4 Milliarden Euro verbuchen.
Wer damals einstieg, bewies das richtige Timing: Am Freitag gingen die Aktien bei 26,20 Euro aus dem Handel. Wenige Tage zuvor hatte der Kurs bei 26,50 Euro sogar ein neues 52-Wochen-Hoch erreicht. Hält die Notiz am Montag ihr Niveau, ist das ein neues Jahreshoch.
Gewinnschätzungen gehen auseinander
Anleger müssen bedenken, dass die Aktie alles andere als günstig bewertet ist. Die Marktkapitalisierung von Karstadt-Quelle beträgt inzwischen mehr als sechs Milliarden Euro und beträgt damit fast zwei Fünftel der 2005 erreichten Umsätze. Zum Vergleich: Bei Metro beträgt dieses Verhältnis nicht einmal ein Drittel.
Die Analysten sind sich mit ihrer Gewinnschätzung alles andere als einig: Die Spanne der Schätzungen für dieses Jahr reicht von minus 39 Cents bis plus 96 Cent je Aktie. Für 2008 rechnen die Analysten mit 0,72 Euro bis 1,96 Euro je Aktie. Im Schnitt ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 47,1 für dieses und 21,5 für das kommende Jahr - das darf alles in allem als recht ambitioniert gelten.
My Travel gerade so wieder in den schwarzen Zahlen
Die Frage ist nun, in welchem Umfang die Analysten ihre Gewinnprognosen anpassen werden. Sie müssen berücksichtigen, dass My Travel erst im vergangenen Geschäftsjahr wieder schwarze Zahlen schreiben konnte. Der Umsatz sank von 2,9 auf 2,8 Milliarden Pfund. Unter dem Stich blieb ein Gewinn von 26,6 Millionen Pfund, das entspricht einer Umsatzrendite von nicht einmal einem Prozent. Im Jahr zuvor musste das Unternehmen noch einen Verlust von 40,7 Millionen Pfund verbuchen.
Operativ schrieb das Unternehmen im Heimatmarkt im vergangenen Geschäftsjahr noch rote Zahlen. „Wir peilen weiterhin eine operative Marge von 3,5 Prozent im Vereinigten Königreich an, aber nur eine deutliche Verbesserung der Marktbedingungen wird uns erlauben, dieses Ziel 2007 zu erreichen“, heißt es in einer Präsentation des Unternehmens vom Dezember.
Kurs ist der Entwicklung vorausgeeilt
Darum wird abzuwarten sein, was die Integration des neuen Konzernteils für Karstadt-Quelle bedeutet. Eine Renditeperle holt sich Karstadt-Chef Thomas Middelhoff jedenfalls nicht ins Haus. Interessant ist, dass das Unternehmen sich künftig nicht mehr als Handelskonzern mit Touristiksparte wird definieren können, denn die Touristik dürfte den Handel beim Umsatz sogar übertreffen.
Ohne Frage ist der Aktienkurs der operativen Entwicklung des Konzerns ein gutes Stück vorausgeeilt. Die Ziele sind löblich, außerdem ist unbestritten, dass Middelhoff mit dem Konzernumbau gut und schnell vorankommt. Ob so viel Vorschusslorbeer gerechtfertigt ist, ist aber fraglich. Das Management darf jedenfalls nicht enttäuschen, sonst wird die Aktie zu den Verlierern gehören.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |