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Halbleiterindustrie AMD-Aktie als langfristes Investment zu teuer

14.07.2005 ·  Der ewige Zweite im Prozessormarkt AMD hat im zweiten Quartal bessere Ergebnisse erzielt, als erwartet worden war. Doch in die Bewertung muß der Wert erst einmal hereinwachsen.

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Der Prozessorkrieg ist vorbei, Intel hat gewonnen. Die Konkurrenten Advanced Micro Devices (AMD) und Transmeta müssen sich mit den Krumen zufrieden geben, die ihnen der Gigant Intel übrigläßt. Im Falle AMD können diese aber auch lecker schmecken.

Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres hat AMD jedenfalls mit einem Nettogewinn von drei Cents je Aktie die Erwartungen der Analysten übertroffen. Diese hatten im Mittel mit einem Verlust von fünf Cents je Anteilsschein gerechnet. Insgesamt fiel ein Nettogewinn von 11,3 Millionen Dollar an. Der Umsatz blieb mit 1,26 Milliarden Dollar nahezu unverändert und fiel etwas höher aus, als von Analysten im Schnitt erwartet.

Den Ergebnisanstieg verdankt AMD nach eigenen Angaben durch Rekordumsätze von 767 Millionen Dollar im starken Geschäft mit Mikroprozessoren für Server und Notebooks und Personal-Computer (PC). Diese hätten die Probleme im Bereich Speicherchips für Handys und andere elektronische Geräte mehr als wettgemacht, wo der Umsatz um 31 Prozent absackte. Im ersten Quartal hatte der Chiphersteller wegen Problemen in der Flash-Speicherchip-Sparte einen Nettoverlust von 17,4 Millionen Dollar bzw. vier Cents je Aktie verbucht.

Frischer Wind für die Aufholjagd zu Intel

Für das laufende dritte Quartal erwartet das Unternehmen einen weiteren Anstieg der Umsätze bei Mikroprozessoren. Die Zunahme werde in den drei Monaten per Ende September höher ausfallen als für ein drittes Quartal üblich. Die Umsätze fallen im dritten Quartal meist stark aus, da PC-Hersteller noch einmal aufstocken, bevor ihr Jahresendgeschäft einsetzt.

Man werde dementsprechend bei den Marktanteilen weiter zum Marktführer Intel aufschließen. „Ausgehend von unserem niedrigen Marktanteil können wir nur nach oben blicken.“, sagte AMD-Marketing-Vizepräsident Henri Richard. Derzeit liegt AMDs Anteil am PC-Mikroprozessor-Markt bei etwa zehn Prozent. Es sei entscheidend, daß AMD hier zulege, damit sich die kostspielige neue Produktionsfabrik in Dresden, die im kommenden Jahr eröffnet werden solle, bezahlt mache, sagte Analyst Michael McConnell von Pacific Crest Securities.

Im dritten Quartal 2004 hatte AMD mit Mikroprozessoren einen Umsatz von rund 673 Millionen Dollar erzielt. AMD-Chef Hector Ruiz zeigte sich sehr optimistisch: „Unser Prozessorengeschäft wächst nicht nur, vielmehr beschleunigt sich das Wachstum“.

Intel hält etwa 80 Prozent am Weltmarkt. AMD hat den Marktführer jüngst wegen Wettbewerbsbehinderung verklagt. Im Zuge eines EU-Wettbewerbsverfahrens gegen Intel waren am Dienstag europaweit Büros des weltgrößten Chipherstellers durchsucht worden.

Wieder in der Spur

Dennoch sah die Situation im Vorjahr günstiger aus. Bei einem praktisch unveränderten Halbjahresumsatz von 2,5 Milliarden Dollar (2,07 Milliarden Euro), fielen bislang insgesamt rote Zahlen von 6,1 Millionen Dollar oder zwei Cents je Aktie an. Dagegen hatte im Vorjahr der Halbjahresgewinn 77,3 Millionen Dollar oder 21 Cents je Aktie betragen.

Ursächlich für den geringeren Gewinn sind erhöhte Ausgaben sowohl im Entwicklungs- als auch im Vertriebsbereich im Zusammenhang mit den Problemen in der Flash Memory-Sparte. Dieser Bereich ist in der Tochter Spansion zusammengefaßt und soll an die Börse gebracht werden.

AMD hat zwar nicht die Ertragsstärke des Vorjahres erreicht, doch scheint das Unternehmen auf dem richtigen Weg zu sein, zum einen die Probleme im Flash Memory-Bereich zu lösen und gleichzeitig bei den Mikroprozessoren Marktanteile zu gewinnen. Das ist der Vorteil eines niedrigen Marktanteils. Intel hat es hier weit schwerer. Indes haben die Probleme im Flash Memory-Bereich in der Vergangenheit - wie sich auch im drastischen Umsatzeinbruch zeigt - nicht gerade geholfen, das Image des ewig Zweitbesten abzustreifen.

Uneinige Analysten

Die Analysten von JMP setzen dabei vor allem auf den neuen hochmargigen Turion64-Prozessor und spekulieren auf dessen zusätzlichen Einsatz in Hewlett-Packard- und Lenovo-Notebooks. Aber auch die Umsätze mit dem Opteron-Chip im Server-Markt sollen sich vielversprechend entwickeln.

Die Frage, die sich indes stellt, ist inwieweit sich die aussichtsreiche Unternehmensentwicklung auch in Zahlen niederschlagen wird. Die Analystenzunft hinterläßt diesbezüglich auch einen zerstrittenen Eindruck. Während UBS die Gewinnprognose für das laufende Jahr von 17 auf 22 Cents pro Aktie und JMP ihre Prognose sogar von 15 auf 30 erhöhten, stockten PiperJaffray lediglich von sechs auf neun Cents auf. Offenbar wirken die Prozessorkriege noch immer fort.

Je nachdem, welche Prognosen man zugrunde legt, ergibt sich auch eine andere Bewertung der Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) in einer Spannweite von rund 60 bis über 200 für das laufende Jahr. Für 2006 erreicht das KGV wieder handhabbare Größen von 19 bis 29. Intel erreicht ein KGV von rund 19 für das laufende Jahr.

Hohe Bewertung

Wenn wenn man sich den optimistischen Prognosen anschließt (JMP lagen mit ihrer Prognose für das vergangene Quartal nicht schlecht), annimmt, daß der Börsengang von Spansion erfolgreich verläuft und die Probleme im Flash-Bereich behoben sind und berücksichtigt, daß der Marktanteil relativ leicht ausbaubar ist, läßt sich die aktuelle Bewertung vertreten.

Doch das sind viele positive Annahmen, so daß ein erhöhtes Risiko vorliegt, daß sich Hoffnungen nicht erfüllen. Charttechnisch liegt AMD in einem kurzfristigen Aufwärtstrend der das Papier seit Ende April von 13,16 Dollar bis auf zuletzt 19,25 Dollar geführt hat.

Damit glich die Aktie einen Teil der Kursverluste aus, die seit Mitte Dezember angelaufen waren als die Aktie noch beim Jahreshoch von 22,64 Dollar geschlossen hatte. Dieses Hoch hatte sie wiederum nach einem starken, rund drei Monate währenden Lauf von 10,86 Dollar kommend erreicht.

Kein Langfrist-Investment

Wie sich zeigt, ist das Papier äußerst volatil. Zudem hat es bisher praktisch keine nachhaltige Wertsteigerung gebracht, sondern notiert gerade einmal zehn Prozent höher als am 13. Juli 1995. Indes teilt die Intel-Aktie ein ähnliches Schicksal. Dies stand zwar vor zehn Jahren 40 Prozent tiefer, aber vor sechs Jahren noch rund 16 Prozent höher. Ganz zu schweigen von Transmeta, die im November 2000 mit viel Vorschußlorbeeren und einem Kurs von 45,25 Dollar an die Börse kamen und am Mittwoch 98 Prozent tiefer bei 85 Cents schlossen.

Das Geschäft ist eben zyklisch und wird derzeit an der Börse realistischer betrachtet. Die besten Zeiten der Aktien von Prozessor-Herstellern sind wohl vorbei. Das zeigt sich auch in den uneindeutigen Reaktionen des Marktes. Im nachbörslichen Handel legte die AMD-Aktie am Mittwoch zunächst gut zu, aber gegen Ende begannen die Notierungen wieder leicht zu bröckeln.

Kurzfristig könnte der derzeitige Optimismus die Aktie noch ein wenig weiter nach oben treiben, aber das Sentiment kann sich praktisch täglich wieder drehen. Langfristig drängt sich AMD daher trotz allem nicht auf.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho mit Material von Dow Jones, Reuter, dpa.
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