23.06.2005 · Die Aktie von Infineon profitiert am Donnerstag von dem Gerücht, der Konzern wolle sein defizitäres Speicherchip-Geschäft an die Börse bingen. Sie setzt ihren Erholungskurs fort. Doch attraktiv ist sie immer noch nicht.
Die Aktie von Infineon wird in täglich publizierten Börsenberichten gerne genannt. Dabei ist die frühere Siemens-Tochter nur einer der kleineren Dax-Werte. Und zu ihrer Wertentwicklung steht die Zahl der Nennungen in gar keinem Verhältnis.
In den vergangenen fünf Jahren hat das Papier gut 90 Prozent an Wert verloren und binnen zwölf Monaten 28 Prozent eingebüßt. Insofern sollten sie Anleger von der Kurserholung der jüngsten Wochen nicht blenden lassen. Freuen kann sich nur, wenn Ende April am Jahrestief bei etwa 6,43 Euro oder früher zu ähnlich niedrigen Kursen gekauft hat.
Am Donnerstag macht das Papier mit einem Kursgewinn von 4,25 Prozent auf 8,11 Euro von sich reden und steht an der Dax-Tagesspitze. Der Grund ist eine Spekulation: Das Unternehmen wolle sein starken Schwankungen unterworfenes und in der Vergangenheit verlustreiches Speicherchip-Geschäft ausgliedern und im Herbst dieses Jahres an die Börse bringen. Der Konzern schweigt zu den Spekulationen. Es gebe immer „Überlegungen zur Optimierung der Unternehmensstruktur“, sagte ein Infineon-Sprecher.
„Zeitpunkt des Börsengangs wäre nicht optimal“
Analysten haben in ersten Stellungnahmen unterschiedlich reagiert, wobei Bedenken dominieren. Die Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) hält die Gerüchte über eine Abspaltung der DRAM-Sparte bei Infineon für wenig plausibel. Gegen einen solchen Schritt sprächen Synergien bei der Herstellung verschiedener Chiparten, die aktuelle Marktlage, die unübliche Produktionstechnik sowie die bisherige Haltung des Managements. Allerdings halte man die Infineon-Aktie auch ohne die Kursfantasie aus einer bevorstehenden Abspaltung der DRAM-Sparte unverändert für einen „Outperformer“ und sehe den fairen Wert bei 8,50 Euro.
Merck Finck bestätigt die Einstufung von Infineon mit „Hold“. Die zeitliche Koordinierung des Börsengangs wäre nicht optimal, da ein zyklischer Abschwung begonnen habe und Infineon folglich nicht die maximal mögliche Summe erhalten würde. Eine Neueinstufung des Unternehmens würde höchst wahrscheinlich aus dem möglichen Börsengang resultieren, da zukünftige Ergebnisse weniger volatil wären.
Fragezeichen auch hinter Handychips
Eine „bearishe“ Stimme kommt von Independent Research. Analyst Zafer Rüzgar würde eine Abspaltung der DRAM-Sparte zwar begrüßen. Denn Infineon wäre einen Verlustbringer los, der bisher für etwa 40 Prozent des Konzernumsatzes steht. „Allerdings sehen wir die Aussichten für einen erfolgreichen Börsengang eher gering, da auch danach die vorhandenen Probleme in der Sparte weiterhin bestehen sollten.“
So seien die Preise der Speicherprodukte, die in Computer eingebaut werden, in diesem Jahr um bis zu 40 Prozent gefallen. Mit Samsung habe Infineon einen potenten Konkurrenten, dem seine Größe und seine Nähe zu Produzenten nütze. Zu FAZ.NET sagte der Analyst: „Wer wird die Aktien des neues Unternehmens zeichnen wollen? Schließlich macht Infineon mit Speicherchips Verluste.“
Dessen ungeachet sei der bayerische Konzern ohnehin in einer unglücklichen Lage. Bisher sei die an BenQ verkaufte Handy-Sparte von Siemens der Hauptkunde von Infineon bei Handychips. Ob BenQ auf Dauer bei Infineon kaufen werde oder lieber bei einem asiatischen Produkten, sei unklar. Drittens seien die Bayern von der Autokonjunktur abhängig.
Wenn sich das Gerücht verflüchtigen sollte...
Angesichts dessen rät Rüzgar weiterhin, Infineon im Depot zu reduzieren, also letztlich zu verkaufen. Das Kursziel hat er bei 6,10 Euro belassen. Folglich ist das Papier aus seiner Sicht zu 32 Prozent überbewertet. Apropos Bewertung: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist angesichts erwarteter Verluste negativ. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt unter 1,0 und ist für einen Technologietitel niedrig. Doch das ist angesichts der schwachen Ertragslage nicht wirklich ein Trost. Etwa positiver stellt sich die charttechnische Verfassung, wenn der Blick nicht allzu weit zurückgeht: Der Titel hat den seit November 2004 ausgebildeten Abwärtstrend verlassen und schickt sich an, den Widerstand bei 8,15 Euro zu überwinden.
Ob er das schafft, wird sich indes weisen. Wenn sich das Börsengang-Gerücht verflüchtigen sollte, dürfte die Notiz wieder leiden. Doch langfristig sieht es desaströs aus. Der Kursverfall spricht für sich. Auf eine dauerhafte Erholung zu wetten, wäre sehr riskant. Zumal Infineon binnen Jahresfrist dreimal Aufwärtstendenzen gezeigt, die der Titel nicht durchhalten konnte. Danach ging es vielmehr stets weiter abwärts.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |