21.07.2006 · Anders als erwartet konnte Infineon das Quartal wieder nicht mit Gewinn abschließen. Das Geschäft ist volatil, die Unternehmensentwicklung unerfreulich, die charttechnische Lage unklar - keine guten Argumente für die Aktie.
Mit einem Minus von 4,7 Prozent auf 8,50 Euro führt die Infineon-Aktie am Freitag in der ersten Handelsstunde die Verliererliste im Dax an (Isin DE0006231004). Der Münchener Halbleiterhersteller mußte mal wieder schlechte Nachrichten verkünden: Im dritten Geschäftsquartal war der Konzern überraschend in den roten Zahlen geblieben.
Bei nahezu stagnierenden Umsätzen von 1,97 Milliarden Euro habe der Verlust in den Monaten April bis Juni 23 Millionen Euro betragen, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Der Gewinn aus dem Börsengang der gemeinsam mit Hynix betriebenen Tochter Inotera von 30 Millionen Euro sei durch Wertminderungen und Konzernumbaukosten aufgezehrt worden. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Periodengewinn von 30 Millionen Euro gerechnet.
Speicherchips legen zu, Logikchips verlieren
Das Betriebsergebnis sei im abgelaufenen Quartal (per Ende Juni) auf 49 (Vorquartal: 28) Millionen Euro angestiegen, was der Chiphersteller vor allem auf Zuwächse in der Speicherchipsparte Qimonda zurückführte. Das Betriebsergebnis Qimondas, die Anfang August an die New Yorker Börse kommen soll, habe sich bei leicht wachsenden Umsätzen auf 100 Millionen Euro nahezu verfünffacht. Der Anstieg sei auf höhere Auslieferungszahlen und bessere Preise auf dem Markt für Speicherchips zurückzuführen, hieß es.
Hingegen hätten die beiden Logikchipsegmente Rückgänge hinnehmen müssen. Das Geschäft mit Chips für die Kommunikationsbranche habe bei einem Umsatzrückgang von 14 Prozent seinen operativen Verlust verglichen mit dem Vorquartal auf 61 Millionen Euro mehr als verdoppelt. In diesem Segment seien die Infineon-Produkte schlechter gelaufen, für zusätzliche Belastungen hätten Wertminderungen sowie Restrukturierungskosten gesorgt.
Dämpfer auch bei Chips für die Autobranche
Infineon ist bislang stark abhängig vom Absatz seines größten Handykunden BenQ Mobile, der stetig Marktanteile verliert. Durch eine breitere Abnehmerbasis soll sich bereits im laufenden Quartal die Umsatz- und Ertragslage wieder verbessern, hieß es.
Das zuletzt florierende Geschäft mit Halbleitern für die Autobranche und die Industrie habe ebenso einen Dämpfer hinnehmen müssen. Bei nahezu stagnierendem Umsatz sei der Betriebsgewinn um knapp ein Viertel auf 57 Millionen Euro zurückgegangen. Das Geschäft habe sich gegenüber dem außerordentlichen starken zweiten Quartal nun wieder normalisiert.
Analysten weiter zuversichtlich
Einige Analysten hatten erst in dieser Woche ihre positive Einstellung zur Infineon-Aktie bekräftigt. Thomas Hofmann von der Landesbank Rheinland-Pfalz sieht das Papier auch nach den enttäuschenden Quartalszahlen unverändert als „Outperformer“ und behält sein Kursziel von elf Euro bis Jahresende bei.
„Der Aktienkurs dürfte heute eher negativ auf die Zahlen reagieren“, schreibt Hofmann in einer Kurzstudie am Freitag morgen. „Darüber hinaus sollte der bevorstehende Börsengang von Qimonda, in Q4 anstehende Verwässerungsgewinne von 42 Millionen Euro aus der Kapitalerhöhung von Inotera sowie der gedämpft optimistische Ausblick weitere Kurssteigerungen ermöglichen.“
Bank erwartet „sektorweite Margenexpansion“
Auch die Deutsche Bank sieht das Kursziel bei elf Euro. In einer Studie über Halbleiterunternehmen bestätigte sie außerdem die Einstufung „Buy“ für die Infineon-Aktie. DRAM-Aktien würden insgesamt positiv gesehen, da sie sich seit Jahresbeginn durchschnittlich um 22 Prozent besser entwickelt hätten als der Philadelphia-Semiconductor-Index, heißt es in der am Dienstag vorgelegten Studie.
„Wir erwarten ein angemessenes positives DRAM-Angebot/Nachfrage-Verhältnis bis in das Jahr 2007 hinein, das zu einer sektorweiten Margenexpansion und wahrscheinlich Prognoseanhebungen nach sich ziehen sollte“, schreibt Analyst Nicolas Gaudois in der Studie.
Der Chart macht nicht glücklich
Die Infineon-Aktie kam von mehr als 90 Euro im Jahr 2000 runter bis auf gut fünf Euro Ende 2002. Einer kurzen Erholung 2003 folgte eine weitere, fast zwei Jahre andauernde Talfahrt. Im Mai erreichte der Kurs mal wieder fast die Zehn-Euro-Grenze, doch die Aktie konnte dieses Niveau nicht halten. Am Donnerstag ging das Papier bei 8,92 Euro aus dem Xetra-Handel.
Charttechnisch ist die Lage einigermaßen unklar. Das Kursbild zeigt sich in einem langsam zulaufenden Trendkanal. Erst wenn die Aktie diesen verläßt, wird man klarer sehen, wohin die Reise geht.
Vieles spricht gegen ein Investment
Auch fundamental kann die Aktie nicht überzeugen. Auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzung für das kommende Geschäftsjahr errechnet sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von stolzen 26,7. Das laufende Geschäftsjahr wird wohl in den roten Zahlen abgeschlossen. Ein Blick auf die Entwicklung wichtiger Kennzahlen in den vergangenen fünf Jahren zeigt, daß Infineon nur 2004 mit einem kleinen Gewinn abschließen konnte. Der Umsatz schwankt, die Eigenkapitalquote ebenso (siehe FAZ.NET-Grafik).
Alles in allem ist bei Infineon also weiterhin Skepsis angebracht. Warum alles besser werden soll, wenn ausgerechnet die Sparte abgespalten wird, die sich jüngst am besten entwickelt hat, erschließt sich auch nicht jedem. Das volatile Geschäft, die unerfreuliche Unternehmensentwicklung in der Vergangenheit und die unklare charttechnische Lage sprechen im Augenblick gegen ein Investment.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |