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Halbleiter Umsatzwarnung schickt AMD-Aktie in den Keller

07.07.2006 ·  Intel senkt aggressiv die Preise, AMD muß deshalb seine Umsatzprognose senken. Die Analysten senken ihre Gewinnschätzungen für die Chip-Werte. Keine gute Zeit also für ein Investment in Halbleiterwerte.

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Wieder mal schlechte Nachrichten von der Halbleiter-Front: Der amerikanische Chiphersteller Advanced Micro Devices (AMD) muß seine Umsatzprognose für das zweite Quartal deutlich nach unten schrauben. Der Schuldige ist ausgemacht: Es ist der Konkurrent Intel mit seinen durchaus aggressiven Preissenkungen.

Im Vergleich zum ersten Quartal würden die Erlöse voraussichtlich um neun Prozent fallen, teilte AMD am Donnerstag nach Börsenschluß in den Vereinigten Staaten mit. Bisher ging der Konzern davon aus, daß der Umsatz in diesem Vergleichszeitraum unverändert bleiben oder aber nur wenig abnehmen würde. Den Schätzungen nach werden nun 1,22 Milliarden Dollar erwartet. Das sind zwar 52 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Von Reuters befragte Analysten hatten dieses Mal aber im Schnitt mit 1,31 Milliarden Dollar gerechnet.

Intel senkt die Preise um 60 Prozent

Klar, daß diese Ankündigung auf die Kurse wirkt: AMD-Aktien (Isin: US0079031078) verlieren im frühen Frankfurter Handel mehr als 4,5 Prozent. Intel-Titel (Isin: US4581401001) zeigen sich fast unverändert, die Infineon-Aktie (Isin: DE0006231004) dagegen verliert 1,25 Prozent.

Hintergrund der Umsatzwarnung: Intel hatte seinen Kunden versprochen, die Preise in diesem Monat um etwa 60 Prozent zu senken. Damit will der AMD-Rivale Kunden zurückgewinnen. 2005 war Intels Marktanteil für PC-Mikroprozessoren nämlich erstmals seit vier Jahren unter 80 Prozent gefallen. „Der Preiskrieg zwischen Intel und AMD eskaliert“, beschreibt John Lau, Analyst von Jefferies & Co., die Situation.

AMD-Marktanteil bei Server-Prozessoren steigt

Immerhin konnte AMD vermelden, daß sich der Opteron-Chip für Server sehr gut verkauft, der in Konkurrenz zu Intels Xeon steht. Damit hat das Unternehmen in diesem Sektor wohl weiteren Boden gutgemacht.

Im ersten Quartal hatte AMD bei Server-Prozessoren einen Marktanteil von 22 Prozent erreicht. Vor zwei Jahren seien es noch fünf Prozent gewesen, zitiert Bloomberg aus einer Marktstudie. Die Prozessoren für einfache und mittelgroße PC hätten dagegen rückläufige Umsätze verzeichnet, hieß es bei AMD.

Intel und AMD auf Talfahrt

Am 20. Juli legt AMD seinen Quartalsbericht vor - bisher gab das Unternehmen keine Hinweise darauf, wie sich der sinkende Umsatz auf den Gewinn auswirkt. Klar scheint, daß er zumindest nicht steigen wird. Die Börse sieht den Wert jedenfalls skeptisch: Die AMD-Aktien sind in diesem Jahr in New York um 22 Prozent gefallen.

Intel wird am 19. Juli berichten, also einen Tag früher. Analysten rechnen damit, daß das Unternehmen dann den größten Gewinn- und Umsatzrückgang seit 2001 vermelden muß. Die Intel-Aktie war mit einem Minus von 24 Prozent seit Jahresbeginn bisher der schlechteste von 30 Werten im Dow Jones Industrial Average.

Die Analysten senken ihre Prognosen

Die Intel-Aktie wird auf Basis der durchschnittlichen Analystenschätzung derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 20,83 für dieses und 16,10 für das kommende Jahr bewertet. Allerdings ist zu betonen, daß nach Bloomberg-Informationen in den vergangenen vier Wochen zehn Analysten ihre Gewinnschätzung für dieses Jahr nach unten korrigierten - und kein einziger die Prognose anhob. Die Durchschnittsbildung könnte das KGV darum günstiger darstellen, als es nach den jüngsten Schätzungen gerechtfertigt wäre.

Ähnlich sieht es bei AMD aus. Sieben Analysten senkten ihre Prognose in den vergangenen vier Wochen, immerhin zwei hoben sie an. Das KGV beträgt 16,31 für dieses und 13,43 für das kommende Jahr. Demnach scheint die AMD-Aktie etwas günstiger zu sein als das Intel-Papier. Doch je nachdem, wie die endgültigen Quartalszahlen ausfallen, könnte sich das schnell ändern.

Kein guter Zeitpunkt, um Chip-Aktien zu kaufen

Die Charts von Intel und AMD zeigen, daß diese Papiere nichts für nervöse Anleger sind. Die Aktie von Intel kostete im Jahr 2000 noch fast 75 Dollar, derzeit ist sie nur noch ein Viertel wert. Bei AMD ist es kaum anders: Vor sechs Jahren kosteten die Titel zeitweise fast 50 Dollar, dann brachen sie bis auf gut drei Dollar ein. Ende Januar dieses Jahres war die Aktie zeitweise wieder etwa 42 Dollar wert, am Donnerstag gingen sie bei nur 23,83 Dollar aus dem Handel.

Die volatile Kursentwicklung liegt nicht nur an vergangener oder neu aufgeblühter Technologie-Phantasie, sondern ist vor allem mit der enorm schwankenden Gewinnentwicklung der Chip-Hersteller zu erklären. AMD und Intel vermeldeten im Sommer 2000 Rekordergebnisse. Dann ging es zwei Jahre bergab - AMD rutschte sogar in die roten Zahlen und konnte erst 2004 wieder ein Plus melden. Nach guten Zahlen in den jüngsten Quartalen scheint jetzt wieder eine Diät angesagt zu sein. Kein guter Zeitpunkt also, um Chip-Aktien zu kaufen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @bemi
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