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Halbleiter Intel zeigt: Halbleiter-Aktien weiter unbeständig

20.07.2005 ·  Der Halbleiter-Markt bleibt weiter schwierig. Intel erfüllte im vergangenen Quartal seine Pflicht, Novellus dagegen muß kleinere Brötchen backen.

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Nach dem vor wenigen Tagen der zweitgrößte Prozessoren-Hersteller AMD recht brauchbare Ergebnisse für das zweite Quartal des Jahres vorgelegt hatte, hat am Dienstag abend der marktbeherrschende Gigant Intel nachgezogen. Wie von Unternehmen diesen Gewichts kaum anders zu erwarten, bleiben Überraschungen aus.

Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 15 Prozent auf 9,2 Milliarden Dollar und lag damit in der vom Unternehmen prognostizierten Spanne von 9,1 bis 9,3 Milliarden Dollar sowie nahezu punktgenau auf dem Niveau, das Analysten erwartet hatten.

Der Quartalsgewinn stieg um 16 Prozent auf zwei Milliarden Dollar oder 33 (gegenüber 27 im Vorjahresquartal) Cents je Aktie - mehr oder weniger auch das, was die Experten erwartet hatten.

Umsatz mit niedrigeren Preisen erkauft

Insbesondere das Geschäft mit dem Notebook-Chip Centrino sei besonders gut gelaufen. Hier verbuchte Intel erheblich höhere Gewinnmargen. Jedoch konnte der Konzern insgesamt auch damit nicht die fallenden Margen in anderen Bereichen ausgleichen. Bei den Mikroprozessoren wurde der Rekordabsatz durch niedrigere durchschnittliche Verkaufspreise erreicht. Schuld daran war nicht zuletzt die Microsoft-Spielekonsole Xbox, für die Intel im vergangenen Quartal verstärkt Prozessoren lieferte.

Auch im Bereich der Flash-Memory-Chips für Handys und andere elektronische Geräte stieg wurde ein Rekordumsatz mit niedrigeren durchschnittlichen Verkaufspreisen erkauft. Das hinterließ deutliche Bremsspuren in der Bruttomarge. Standen im Vorjahresquartal noch 59,4 Prozent zu Buche, hatte das Unternehmen bereits nur noch 57 Prozent vorhergesagt. Am Ende waren es nur noch 56,4 Prozent.

Preiskrieg im reifenden Markt

Das dritte Quartal soll in dieser Hinsicht wieder besser werden, auf das Gesamtjahr gesehen aber könnte die Bruttomarge laut Unternehmensprognose leicht schwächer ausfallen als bisher geplant. Insgesamt seien die Zahlen sehr optimistisch, kommentierte Apjit Walia von RBC Capital die Prognose.

Denn in der Halbleiter-Industrie herrscht ein Preiskrieg. Die Intel-Bilanz weist nur leichte Spuren auf, einfach weil der Konzern in einer Führungsposition liegt, agieren kann und nicht reagieren muß. Gerade im Flash-Memory-Bereich kämpft Intel sehr aggressiv um Marktanteile und hat andere Hersteller wie die AMD-Fujitsu-Tochter Spansion oder Samsung Electronics unter Druck gesetzt. Das geht nicht ohne Abstriche.

Denn der Halbleiter-Markt hat längst nicht mehr die expansive Kraft früherer Zeiten. Wachstum ist praktisch nur noch in Asien möglich. Im Mai steigen die Halbleiter-Umsätze gegenüber dem Vorjahr weltweit um 4,1 Prozent, in Asien mit Ausnahme Japans allein aber um 11,1 Prozent. Dort schrumpften sie deutlich und bleiben in Amerika und Europa praktisch unverändert.

Ähnlich verhält sich der Drei-Monats-Schnitt. Im Quartal März bis Mai stiegen die Umsätze weltweit um 0,3 Prozent. Einem Anstieg von 4,7 Prozent in Asien (außer Japan) standen Schrumpfungen in Europa und Japan um 5,6 bzw. 4,5 Prozent gegenüber.

Der Markt ist geschrumpft

Das reflektiert auch die Intel-Bilanz. Während der Umsatz auf dem amerikanischen Kontinent und in Europa stagnierte, legte er im asiatisch-pazifischen Raum (ohne Japan) um knapp sieben Prozent auf 4,7 Milliarden Dollar zu. Das sind bereits 51 Prozent des Gesamtumsatzes - deutlich mehr als die 45 Prozent des Vorjahres und liegt damit sogar über dem Anteil des Raumes am Weltmarkt.

Das ist wiederum ein Zeichen, daß der Gigant Intel auf dem schwierigen Weltmarkt sich richtig positioniert hat. Denn dieser wird auch künftig nicht einfacher werden. Im Gegenteil: Betrachtet man die weltweiten Halbleiter-Umsätze waren die vergangenen Monate gute Monate. Mit monatlichen Umsätzen von rund 18 Milliarden Dollar, lagen diese nach einem tiefen Einbruch endlich wieder auf dem Niveau des zweiten Halbjahres 2000. Doch ihren Gipfel hatte die Aufwärtsbewegung bereits im November 2004 erreicht - seitdem sind die Umsätze praktisch Monat für Monat gefallen.

Für die Zukunft erwartet der amerikanische Halbleiterverband SIA eine Abschwächung der durchschnittlichen Wachstumsrate der Industrie auf zehn gegenüber den 17 Prozent, derer sich der Sektor in früheren Jahrzehnten erfreute. „Diese Wachstumsraten reflektieren den Reifungsprozeß der Branche“, sagt SIA-Präsident George Scalise und sieht die große Herausforderung für Chiphersteller und Zulieferer den Innovationen weiter voranzutreiben ohne sich gegenseitig zu ruinieren.

Prognose: wieder aufwärts

Indes hat der Reifeprozeß auch seine positiven Seiten. Der Einbruch des Jahres 2001 war vor allem ein Resultat der Überhitzung, in der rapide Lagerbestände aufgebaut wurden, die erst 2003 wieder auf ein normales Niveau gesunken waren. Überschüssige Lagerbestände wurden laut SIA auch im dritten Quartal 2004 aufgebaut. Doch diesmal habe die Branche erheblich schneller reagiert und so sei der Überschuß nur auf ein Zehntel des Niveaus des Jahres 2000 gestiegen. Diese seien bereits zum Großteil wieder abgebaut.

Das spricht dafür, daß die optimistischern Prognosen der Prozessorenhersteller anderer Unternehmen in diesem Sektor durchaus eine gewisse Berechtigung haben. Indes kommt einiges darauf an, wie sich der Preiskampf bei den Flash-Memory-Chips weiter entwickelt. Denn dieser Bereich gilt als der Treibsatz für das Branchenwachstum: Chips für Handys, digitales Fernsehen und Digitalkameras.

Ausrüstungshersteller bleiben vorsichtig

Das sollte sich auch in den Bilanzen der Hersteller von Ausrüstung zur Chipherstellung niederschlagen. Novellus meldeten am Dienstag für das vergangene Quartal einen deutlichen Umsatz- und Gewinnrückgang von 2,6 bzw. zwölf Prozent. Grund sei die Repositionierung der Chiphersteller von industriellen Anwendungen auf das Segment der Unterhaltungselektronik. Diese hätten in den vergangenen Jahren groß eingekauft und warteten jetzt auf ein Anziehen der Nachfrage. Daher gab sich Novellus auch in Bezug auf das dritte Quartal zurückhaltend.

Doch laut des internationalen Branchenverbandes SEI haben die Aufträge im zweiten Quartal von Monat zu Monat zugelegt. Allerdings lagen sie auch im Juni noch um ein Drittel unter dem Vorjahresniveau. Das dürfte auch der Grund sein, warum sich auch Konkurrent Applied Materials zurückhaltend gibt. Das zweite Quartal sei bei den Aufträgen das Schwächste gewesen, doch die Trends stabilisierten sich. Die aktuellen Daten zeigten „inkrementelle Verbesserungen“.

Hoch bewertete Aktien ohne Richtung

Die Börsen reagierten eigentümlich. Intel-Aktien fielen im nachbörslichen Handel um 4,4 Prozent auf 27,45 Dollar. Offenbar wurde mehr als Pflichterfüllung erwartet. Die Ansprüche an den Prozessoren-Hersteller sind eben hoch, hoch wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das vor dem Kursrückgan bei 23 lag und immer noch bei 19,3 liegt.

Zu verdienen gab es in den vergangenen Jahren mit der Aktie langfristig ohnehin wenig. Seit 1997 hat die Aktie im Bereich von 15-20 Euro einen Boden. Die Ausschläge nach oben werden geringer. Das Niveau des Jahres 2000 von rund 75 Dollar ist aktuell weit entfernt. Das letzte Hoch mit 34,24 Dollar resultiert aus dem Januar 2004 und dürfte seit Dienstag wieder in die Ferne gerückt sein.

Novellus gaben nachbörslich rund zwei Prozent nach und setzten damit ihren fünfjährigen Abwärtstrend fort, der die Aktie schon von ihrem Hoch bei 68,438 Dollar bis auf zuletzt 27,27 Dollar herabgeführt hat. In nächster Zeit besteht auch hier keine Hoffnung, darauf daß es aufwärtsgeht. Anders sehen das offenbar die deutschen Anleger. Prognose übererfüllt, egal wie schlecht scheint das Motto zu sein, nach dem die Anleger die mit einem KGV von fast 30 teure Aktie am Mittowch 0,8 Prozent nach oben kauften.

Insgesamt schlägt sich das uneinheitliche Bild des Halbleitermarktes (vgl. auch Chip-Industrie im Tal) auch in den Aktienkursen nieder. Momentan findet ein Kampf um die Plätze im Rennen statt und solange dieser anhält ist bei nahezu allen Aktien in diesem Sektor Vorsicht angesagt. Wer auf zukünftige Aufwärtsbewegungen setzen will, kann sich antizyklisch positonieren. Doch auf welches Pferd man dabei setzen soll, ist eine andere Frage.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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