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Halbleiter Einiges spricht für die HP-Aktie

23.08.2006 ·  National Semiconductor hat am Dienstag abend die Prognosen für das ablaufende Geschäftsquartal gesenkt. Dies scheint die Einschätzung eines sektoralen Abschwungs zu bestätigen. Künftig spricht daher viel für HP.

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Halbleiter sind und bleiben ein extrem zyklisches Geschäft. Und derzeit müssen sich Anleger wohl auf den Beginn eines neuen Abwärtstrends gefaßt machen. Nachdem bereits vor einigen Tagen der Computer-Bauer Dell schlechte Zahlen vorgelegt hat, trug am Dienstag abend National Semiconductor dazu bei, die Stimmung in der Branche zu dämpfen.

Der amerikanische Halbleiterhersteller, der Schaltkreise für die Stromversorgung vor allem in Mobiltelefonen, Display-Treiber, Verstärker, Interfaces und Datenkonvertierungslösungen herstellt, korrigierte die Umsatzprognose für das laufende erste Quartal, das am Sonntag endet, nach unten.

Prognoseverfehlung nicht erwartet

In den ersten drei Monaten des Geschäftsjahrs 2006/2007 würden die Erlöse voraussichtlich sechs Prozent unter denen des Vorquartals liegen, teilte das Unternehmen am Dienstag nach Börsenschluß mit. Zuletzt hatte der Konzern einen Rückgang von lediglich zwei bis drei Prozent in Aussicht gestellt. Grund der Prognosesenkung sei vor allem eine geringere Nachfrage seitens der Mobiltelefon-Hersteller.

Etwa 30 Prozent des Umsatzes macht National Semiconductor mit Handybauern wie Motorola und Nokia. „Die Leute haben Schwäche erwartet, aber nicht daß sie in diesem Quartal ihre Prognosen verfehlen.“, sagt Robert Burleson, Analyst bei ThinkEquity Partners. Der Umsatz wird etwa 538 Millionen Dollar betragen, was gegenüber dem Vorjahresquartal immer noch einer Umsatzsteigerung von rund neun Prozent entspricht.

Für Beobachter könnte das ein Vorbote sein, daß die Umsätze des Unternehmens nach einem ununterbrochenen Anstieg von 21 Monaten Dauer jetzt nachgeben und daß generell die Nachfrage nach Mobiltelefonen zurückgeht. Daher zogen die schlechten Nachrichten nicht nur die Aktie von National Semiconductor im nachbörslichen Handel 4,2 Prozent in die Tiefe, sondern auch die Kurse von Motorola um 1,4 Prozent und von Texas Instruments um 2,1 Prozent.

Vorbote eines Abschwungs?

Die Prognosesenkung bestätigt den Eindruck, den die am vergangenen Donnerstag vom Branchenverband Semiconductor Equipment and Materials International (SEMI) veröffentlichte vorläufige Book-to-Bill-Ratio für die Ausrüster der Halbleiterindustrie in Nordamerika hinterließ. Diese ist im Juli auf 1,06 nach 1,14 im Vormonat gesunken. Eine Book-to- Bill-Ratio von 1,06 bedeutet, daß für je 100 Dollar Umsatz neue Aufträge in Höhe von 106 Dollar eingegangen sind.

Der Auftragseingang im Dreimonatsdurchschnitt lag bei 1,75 nach 1,78 Milliarden Dollar im Vormonat. Der entsprechende Umsatz betrug 1,65 Milliarden Dollar nach 1,56 Milliarden im Vormonat. Verbandspräsident Stanley Myers erklärte, daß die Umsätze ihr höchstes Niveau seit April 2001 erreicht hätten. Hingegen seien die Auftragseingänge leicht zurückgegangen. Trotzdem befinde sich der weltweite Ausrüstermarkt weiterhin auf gutem Weg, 2006 ein Wachstum von rund 20 Prozent zu erreichen.

Nichtsdestoweniger könnte die geringere Book-to-Bill-Ratio auf einen zyklischen Abschwung hindeuten, in dem zwar die Auftragslage noch gut ist, aber das höchste Niveau überschritten ist und die Aufträge zurückgehen.

Kampf bei Prozessoren und Servern

Dagegen spricht auch nicht, daß am Vortag die Aktien von AMD um 6,3 Prozent auf 24,88 Dollar stiegen. Denn auslösender Faktor war die Ankündigung des Unternehmens bis 2008 einen Marktanteil von etwa 30 Prozent erringen zu wollen. Gelingen soll dies über einen Zuwachs bei Geschäftskunden mit über 1.000 Angestellten, erklärte Marty Seyer, Vizepräsident des Bereichs Commercial Business.

Derzeit beträgt der Marktanteil auf Basis des Umsatzes unter zwanzig Prozent. Bei Servern liegt der Marktanteil in Stück weltweit bereits im oberen Zwanziger-Bereich, sagte der Manager unter Berufung auf Daten der Marktforschungsunternehmen IDC und Mercury Research. Hier strebe AMD bis 2009 eine Erhöhung auf vierzig Prozent an. Dies müßte zwangsläufig zulasten von Intel gehen, da der Markt schon lange nicht mehr ein entsprechendes Wachstum bietet.

Hart umkämpft ist vor allem der Server-Markt. „Der Markt verlangsamt sich und jeder Dollar wird hart erkämpft werden müssen“, prognostiziert Jed Scaramella, Analyst bei IDC. „Es geht nicht mehr so sehr um niedrige Preise“. Daher rechnet er Sun Microsystems die besten Chancen aus - besser zum Beispiel als Dell, die derzeit zu kämpfen haben. Die Kunden wollten eine Komplettlösung und Sun habe „alle Teile zur Verfügung“, während Dell nur standardisierte Komponenten biete.

Viel spricht für HP

Sun Microsystems hatten nun zwei Quartale hintereinander die größten Umsatzzuwächse unter den vier großen Server-Herstellern und hat sich vor Dell auf Platz drei geschoben. Der Umsatz im zweiten Quartal ist bei Sun um 16 Prozent gewachsen und konnte als einziges Unternehem der vier großen seine Marktanteile ausbauen, während die Umsätze bei IBM, Hewlett-Packard und Dell sanken.

Auch der offenbar intensiver werdende Wettbewerb bei Servern und Prozessoren deutet auf einen zyklischen Abschwung hin. das könnte so mancher hoch bewerteten Aktie zum Nachteil gereichen.

Unter Bewertungsaspekten gefällt die Aktie von Hewlett-Packard am besten. Dem Unternehmen scheint mittlerweile die Wende zu gelingen, die nach dem Ausscheiden der langjährigen Firmenchefin Carly Fiorina eingeleitet wurde. Sun Microsystems dagegen holt noch die Verluste der Vergangenheit auf, wohingegen die Geschäftsperspektiven von National Semiconductor, Intel und IBM nicht im besten Licht erscheinen.

Dies kommt bei diesen Aktien auch in einer schwachen charttechnischen Entwicklung zum Ausdruck, die nur noch vom Absturz der Dell-Aktie unterboten wird. AMD haben die Chance sich weiter zu erholen, nachdem die Aktie aufgrund einer Umsatzwarnung während des Kurseinbruchs im Frühsommer deutlich nachgegeben hatte. Allerdings ist sie immer noch recht großzügig bewertet. Auch charttechnisch spricht daher viel für das HP-Papier, das erst vor wenigen tagen bei 35,52 Dollar ein neues Fünf-Jahres-Hoch aufstellte.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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