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Halbleiter Chip-Industrie im Tal

18.07.2005 ·  Halbleiter und Elektronik sind ein zyklisches Geschäft. Das zeigen bisweilen volatile Aktienkurse und Gewinne. Und schlechte Zahlen von Unternehmen wie Philips, LG Electronics und Samsung.

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Vieles im Leben verläuft in Zyklen. Das gilt auch für Branchen und Märkte. Wer vom sonntäglichen Rummel beim örtlichen Media-Markt Der Gewinn des südkoreanischen darauf schließt, daß die Elektronikbranche ein Wachstumssektor ist, täuscht sich. Die Zeiten sind vorbei.

Das hat sich nie deutlicher gezeigt als in den vergangenen Tagen, in denen praktisch ein schlechter Quartalsbericht den nächsten jagte. Am Freitag trieb das koreanische Schwergewicht Samsung Electronics den örtlichen Börsenindex Kospi nach unten. Der Konzern hatte im zweiten Quartal den Periodenüberschuß fast halbiert.

Grund waren vor allem die niedrigeren Preise für Flash-Memory-Chips (autarke Speicherchips, die vor allem in Geräten der Unterhaltungselektronik eingesetzt werden, wie Digitalkameras oder Handys). Auch der Preiseinbruch bei Flachbildschirmen machte dem Konzern zu schaffen. Im Mobilfunktelefon-Bereich verkaufte der weltweit drittgrößte Handy-Hersteller den Angaben zufolge mit 24,4 Millionen Geräten im zweiten Quartal gut 100.000 weniger als in dem vorangegangenen Vierteljahr.

Schlechte Nachrichten aus Korea - Teil II

Am Montag folgte ein zweiter koreanischer Elektronikkonzern mit schlechten Nachrichten nach. LG Electronics hat es noch schlimmer erwischt. Das Unternehmen vermeldet für das zweite Quartal einen Gewinneinbruch um 69,5 Prozent - noch mehr als Samsung und im Gegensatz zu der Nummer Eins des Landes auch in dieser Höhe nicht erwartet. Die Gründe gleichen denen bei Samsung. Niedrigere Preise für Flachbildschirme drückten den Gewinn von umgerechnet rund 400 Millionen im Vorjahresquartal auf 121 Millionen in die Tiefe. Auch der Umsatz fiel um immerhin 6,7 Prozent auf den Angaben zufolge auf umgerechnet rund 4,5 Milliarden Euro.

Chronische Probleme mit den Flash-Memory-Chips hat auch die Nummer Zwei des Prozessor-Marktes AMD. Grund sind die Überkapazitäten auf dem Flashspeicher-Markt, die einen starken Preisverfall bewirkt hat. Insbesondere Intel wird eine aggressive Preispolitik nachgesagt. Dies ergibt durchaus Sinn. Denn auf dem Prozessormarkt ist Intel so fett, daß es fast nur noch von Microsofts Position bei Betriebessystemen übertroffen wird. Das versucht der Gigant bei den Flash-Memory-Chips zu wiederholen und greift dazu in die tiefe Tasche der Prozessorgewinne. Auch viele kleiner Hersteller konkurrieren über den Preis

Mittlerweile visiert AMD für das Flash-Memory-Joint-Venture mit Fujitsu, Spansion, einen Börsengang an. Laut dem Branchendienst EETimes vermuten Analysten, daß sich AMD auf diese Weise verstärkt wieder auf das Prozessorgeschäft konzentrieren will.

Auch in Japan ist's nicht besser

Dem Partner Fujitsu ist es im vergangenen Quartal offenbar nicht besser ergangen. Laut einem Bereicht der gewöhnlich gut informierten japanischen Finanzzeitung „Nihon Keizai Shimbun“ (besser bekannt als „Nikkei“) vom Wochenende hat der Mischkonzern im abgelaufenen Quartal einen operativen Verlust verbucht. Grund: sinkende Preise für Produkte. Und Fujitsu ist nicht allein im Land der aufgehenden Sonne. „Nikkei“ berichtet dasgleiche auch von Hitachi, Toshiba und NEC. Damit hätten vier der fünf großen japanischen Elektronik-Mischkonzerne im abgelaufenen Quartal operativ Verluste gemacht.

Überhaupt NEC: Anfang des Monats revidierte die aus dem Konzern herausgetrennte Tochter NEC Electronics die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr um mehr als die Hälfte und verwies auf rückläufige Umsätze. Am Markt rechnet man allenfalls noch mit einer schwarzen Null, nachdem nach vorläufigen Zahlen im zweiten Quartal ein Verlust von etwa 6,5 Milliarden Yen angefallen ist, nachdem es im Vorjahresquartal noch ein Gewinn von 8,67 Milliarden Yen war.

Philips auf derselben Linie

Wer dies für ein asiatisches Phänomen halten möchte, täuscht sich. Denn in die Reihe schlechter Ergebnisse fügte sich am Montag auch die niederländische Philips ein - wieder einmal möchte man sagen. Der operative Gewinn fiel auf 147 Millionen von 356 Millionen Euro im Vorjahresquartal und verfehlte damit deutlich die Schätzungen von Analysten. Nur dank eines Sondererlöses aus dem Verkauf der Beteiligung am amerikanischen Navigationssystem-Hersteller Navteq gelang eine Steigerung des Reingewinns auf 983 Millionen von 616 Millionen Euro.

Allerdings liegen die größten Probleme bei Philips in anderen Bereichen. Wie das Unternehmen schon im vergangenen Monat gewarnt hatte, macht den Niederländern die schwache Verbrauchernachfrage in Europa zu schaffen, die die Umsätze bei elektronischen Gütern und Haushaltsgeräten belastet. Vor allem die Kernsparten Haushaltsgeräte und Beleuchtungen blieben hinter den Erwartungen zurück, wohingegen der Konzern bei Halbleitern und Verbraucherelektronik die Prognosen traf. Indes räumte Philips-Chef Gerard Kleisterlee ein: „Die Schwäche im Technologiesektor hat uns weiter Schwierigkeiten bereitet“.

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