Home
http://www.faz.net/-gv7-ny7n
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Halbleiter ASML zeigt desaströse Lage für Chip-Aktien

15.01.2009 ·  Um rund 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr wird der Umsatz des Chip-Ausrüsters ASML im ersten Quartal fallen. Eine Erholung ist nicht absehbar. Wer auf Chip-Aktien setzt, braucht derzeit einen sehr langen Atem.

Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (0)

Dass die Chipindustrie in einer Krise steckt, sollte spätestens die jüngste Prognosekorrektur des Prozessorgiganten Intel klar gemacht haben (vgl. Intel zeigt den Weg nach unten). Dennoch glauben immer wieder Anleger, sich für den nächsten Boom positionieren zu müssen.

Aber der könnte noch etwas auf sich warten lassen. Das meint auch Eric Meurice, Vorstandsvorsitzender des niederländischen Maschinenbauers ASML, der Anlagen für die Chip-Herstellung baut und der am Donnerstag Geschäftszahlen für das vergangene Jahr vorlegte.

Prognosesenkungen am laufenden Band

Im vierten Quartal verzeichneten die Niederländer einen Verlust von 88 Millionen Euro, der auf Kosten für Umstrukturierungen und Wertberichtigungen in Höhe von 138 Millionen Euro zurückzuführen ist. Im selben Zeitraum des Vorjahres hatte ASML noch einen Gewinn von 192,5 Millionen Euro verbucht. Es ist dies der erste Quartalsverlust des Unternehmens seit dem dritten Quartal des Jahres 2003.

Der Umsatz betrug 494 Millionen Euro. Im Dezember hatte das Unternehmen seine Umsatzprognose bereits auf 450 bis 500 Millionen Euro gesenkt, nachdem man im Oktober noch 530 Millionen Euro prognostiziert hatte. Schon im Juli hatte ASML die Prognose für das Gesamtjahr kassiert und erklärt, dass der Umsatz im Gesamtjahr vermutlich über 20 Prozent niedriger als im Vorjahr ausfallen werde. Und schon davor hatte der Konzern mit einem Umsatzrückgang von zehn Prozent gerechnet. Tatsächlich betrug der Umsatzrückgang nunmehr 21,6 Prozent.

Der Jahresüberschuss halbierte sich auf 332 Millionen Euro. Dennoch will ASML eine Dividende von 20 Cents zahlen. Der Auftragseingang fiel um 84 Prozent auf 127 Millionen Euro.

Abstürzender Halbleiter-Markt

„Es ist unsicher, wann die Nachfrage nach Chip-Endprodukten wieder anzieht und wie lange die Umstrukturierung und Konsolidierung der Speicherchip-Branche dauert. Es ist unmöglich vorherzusagen, wann eine Erholung eintritt“, sagte Meurice. Das Forschungsinstitut Gartner prognostiziert für das laufende Jahr einen Rückgang des Halbleiter-Umsatzes um 16 Prozent. Noch im November war das Institut von einem Minus von 2,2 Prozent ausgegangen.

Aufgrund der beispiellosen Mischung aus rückläufiger Halbleiter-Nachfrage, niedrigen Chip-Preisen und begrenztem Kapitalzugang der Kunden hatte ASML im Dezember schon Stellenstreichungen sowie einen vierwöchigen Produktionsstopp jeweils im ersten und zweiten Quartal angekündigt.

Sturz in die Neunziger

Auch im ersten Quartal des laufenden Jahres wird ASML Verluste verbuchen, kündigte Finanzvorstand Peter Wennink an. Der Umsatz werde sich auf 180 bis 200 Millionen Euro belaufen. Die ist nur wenig mehr als die Hälfte des Umsatzes, den ASML im ersten Quartal 2003 erzielt hatte und nur rund 20 Prozent des Umsatzes des Vorjahresquartals. Seit Beginn der Quartals-Berichterstattung im Jahr 2003 hat ASML keinen niedrigeren Quartalsumsatz verzeichnet. Das Umsatzniveau entspricht in etwa dem Niveau des Jahres 1997.

Wenn es noch eines Belegs bedurft hätte, dass die Lage in der Chip-Industrie desaströs ist, so ist es gewiss diese Prognose des Konzerns.

Keine neuen Rekorde vor dem nächsten Abschwung

Analysten, die den Verlust des vierten Quartals 2008 überschätzt hatten, rechnen derzeit im laufenden Jahr durchschnittlich mit einem Umsatz von 1,66 Milliarden Euro, mithin dem niedrigsten Jahresumsatz seit 2001 als dieser gegenüber dem Vorjahr um 40 Prozent eingebrochen und auf das Niveau des Jahres 1999 zurückgefallen war.

Sie gehen von einem leichten Jahresverlust aus, glauben aber dass sich Umsatz und Ertrag 2010 wieder erholen werden. Dann soll der Umsatz mit 2,69 Milliarden Euro wieder das Niveau der Jahre 2004 und 2005 erreichen, aber immer noch unter den Rekordergebnissen von mehr als 3,5 Milliarden zurückbleiben, die die Jahre 2006 und 2007 gebracht hatten. Ein ähnlich hohes Niveau soll erst 2012 wieder erreicht werden, 2013 rechnen die Experten aber schon wieder mit dem nächsten Abschwung.

Langer Atem von Nöten

Ähnliches gilt für den Nettogewinn. Glaubt man dem längerfristigen Erholungsszenario, so ist die Aktie dennoch mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16,8 für das Jahr 2010 immer noch recht hoch bewertet.

Der Umstand, dass der Handel in der Aktie in Amsterdam am Morgen zunächst fester eröffnete, war der Tatsache geschuldet, dass die Analysten einen höheren Quartalsverlust erwartet hatten und der schwache Ausblick nicht unerwartet kommt. Nichtsdestoweniger gilt: Wer jetzt Chip-Aktien kauft, braucht einen langen Atem. Auch der Kurs der ASML-Aktie rutschte dann doch rasch knapp 2 Prozent ins Minus und steuert damit wieder in Richtung der Marke von zehn Euro, bei der das Tief des Jahres 2004 und mithin das Fünf-Jahres-Tief liegt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
25.05.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.339,94 +0,38%
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
TecDAX 752,47 +0,08%
MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
Bund Future 144,35 € +0,25%