17.01.2007 · Ein rekordverdächtiges Jahr hat der Chipausrüster ASML hinter sich. Auch der Ausblick ist besser als erwartet, obwohl die besten Zeiten vorbei sein könnten. Vor allem aber könnte die Marke von 20 Euro sich als unüberwindbar herausstellen.
Chipaktien haben seit Jahresbeginn zu den Gewinnern gehört. Mittlerweile könnte man anfangen zu fragen, warum eigentlich. Nach Gewinnwarnungen von Motorola, Nextel und AMD gab auch Intel am Dienstagabend einen eher trüben Ausblick, basierend auf Geschäftszahlen, die zwar nicht so schlecht waren wie befürchtet, aber keineswegs als gut bezeichnet werden können.
Ein bisschen besser sieht es da beim niederländischen Chipausrüster ASML aus, der seine Geschäftszahlen am Mittwoch vor Börseneröffnung präsentierte. ASML ist der größte Hersteller von Belichtungsautomaten für die Halbleiterindustrie und konkurriert dabei mit Firmen wie Nikon und Canon. In dem lithografischen Verfahren wird die Oberfläche der Siliziumscheiben (Wafer) mit einer lichtempfindlichen Schicht und einer Art Schablone bedeckt. Durch Beleuchtung mit hochfrequentem Licht werden dann mikroskopische kleine Strukturen in den Wafer geformt, aus dem schließlich in einem aufwendigen Prozess Mikrochips werden.
Ein gutes Jahr 2006
ASML hat im vierten Quartal den Gewinn kräftig steigern können. Für das abgelaufene Quartal weist der Konzern einen Nettogewinn von 206 Millionen Euro oder 42 Cent je Aktie aus - nach nur 52 Millionen vor Jahresfrist. Analysten hatten lediglich mit 179 Millionen gerechnet. Auch der Umsatz lag mit einem Plus von 95 Prozent auf 1,068 Milliarden Euro über den Erwartungen.
Im Gesamtjahr stieg der Umsatz um 42 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 3,6 Milliarden Euro. Der Reingewinn legte um 101 Prozent auf 625 Millionen Euro zu. Das Unternehmen profitierte dabei von einem starken Marktwachstum, das Vorstandschef Eric Meurice auf 34 Prozent bezifferte. Zudem konnte das Unternehmen den Durchschnittspreis für neue Systeme im vierten Quartal um 6,5 Prozent auf 14,7 Millionen Euro steigern.
Leichte Wölkchen am Horizont
Indes erscheint fraglich, ob sich die starke Entwicklung durchhalten lässt. Die in der Branche stark beachtete Zahl der Auftragseingänge fiel auf 84 Maschinen nach 95 vor Jahresfrist. Analysten hatten indes nur 69 erwartet. Zudem fiel der durchschnittliche Verkaufspreis je System gegenüber dem Stand von Anfang Oktober um 6,4 Prozent auf 12,1 Millionen Euro und für neue Systeme auf 13 Millionen Euro. Indes ist der Auftragsbestand im vierten Quartal noch einmal von 151 auf 163 Systeme gestiegen, während Analysten mit einem Rückgang auf 149 System gerechnet hatten.
Meurice bekräftigte angesichts der Aussichten der Halbleiterbranche sowie des derzeitigen Auftragsbestands die mittelfristige Wachstumsprognose. So will das Unternehmen 2010 einen Umsatz von fünf Milliarden Euro erzielen. Indes scheint das Unternehmen dabei vor allem auf das erste Quartal zu setzen. Obgleich konkrete Auftragseingänge schwer zu prognostizieren zu seien, so soll doch ein „gesunder Auftragseingang im ersten Quartal“ den Wachstumsausblick für 2007 unterstützen.
Auch ING-Analyst Marcel Achterberg bemängelte, dass das Unternehmen keinen klaren Ausblick abgegeben habe, was den erwarteten Auftragseingang im ersten Quartal angehe. Das deute möglicherweise auf zunehmende Unsicherheit innerhalb der Halbleiterindustrie hin. Die Gewinne von ASML im vierten Quartal seien aber in jeglicher Hinsicht über den Erwartungen ausgefallen.
Marktforscher erwarten Rückgang
Eric de Graaf von der Petercam-Bank hingegen sieht im Ausblick einen Hinweis, dass 2007 noch besser ausfallen werde als 2006. Experten hatten im Vorfeld wiederholt die Sorge geäußert, die besten Zeiten für die Chiphersteller könnten zunächst vorbei sein und die Investitionen in die Ausrüstung zur Chipherstellung entsprechend zurückgehen.
Die Marktforscher von Gartner rechnen jedenfalls mit einem Rückgang im Markt für Halbleiterausrüstung, da die Kunden zunächst einmal die neuen Maschinen auslasten müssten und bestrebt sein, ihre Lager zu reduzieren. Sie rechnen mit einem Rückgang des Ausgabevolumens um 0,7 Prozent nach einem Anstieg von 24,9 Prozent im vergangenen Jahr. Allem Anschein nach aber ist der Marktrückgang erst einmal vertagt worden, auch wenn eine gewisse Vorsicht bei ASML bereits zu spüren ist.
Entscheidende 20-Euro-Marke
Die Aktie des Konzerns hat seit Mitte 2004 einen deutlichen Aufwärtstrend verzeichnet und erreichte im November bei 19,99 Euro ein 55-Monats-Hoch. Seitdem lief sie in einer oszillierenden Bewegung um 19 Euro seitwärts.
Die am Mittwoch vorgelegten Zahlen könnten indes soweit positiv aufgenommen werden, dass es der Aktie gelingen könnte, die Marke von 20 Euro in den kommenden Tagen zu überwinden. Am Dienstag hatte sie noch um 2,3 Prozent auf 18,81 Euro nachgegeben. Dies zeigt, dass die Märkte eher mit schwächeren Zahlen gerechnet hatten. Im frühen Handel zieht der Kurs am Mittwoch jedenfalls um 4,9 Prozent auf 19,78 Euro an.
Analysten rechnen derzeit für das Jahr 2007 mit einem stagnierenden Gewinn je Aktie und nur geringfügig wachsenden Umsätzen. Auf dieser Basis wäre die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15,7 bereits nicht mehr unbedingt günstig. Folgt man jedoch den Unternehmensprognosen, so lässt sich mit einem günstigeren KGV kalkulieren. Für 2008 gehen die Prognosen von einer kleinen Gewinnsteigerung aus.
Insgesamt stellt sich ASML damit nicht als eine Aktie dar, die sich zum derzeitigen Zeitpunkt für ein sehr langfristiges Engagement anbietet, da die besten Zeiten sich doch dem Ende zu nähern scheinen. Indes könnte das Papier auf kürzere Sicht noch etwas Potential haben. Entscheidend ist jedoch dabei die Überwindung der Marke von 20 Euro, an der die Notierung schon einmal im November gescheitert ist. Geschieht dies erneut, dürfte ein längerfristiger Seitwärtstrend folgen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.751,96 | −0,09% |
| FAZ-INDEX | 1.505,26 | −0,19% |
| TecDAX | 772,73 | −1,05% |
| MDAX | 10.296,70 | −0,54% |
| SDAX | 4.989,81 | −0,62% |
| REX | 423,38 | +0,51% |
| Eurostoxx 50 | 2.489,35 | −0,18% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,46 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.904,10 | +0,96% |
| Nasdaq 100 | 2.592,29 | +1,42% |
| S&P500 | 1.358,04 | +1,10% |
| Nikkei225 | 9.238,10 | −0,24% |
| EUR/USD | 1,3133 | +0,03% |
| Rohöl Brent Crude | 120,37 $ | +0,27% |
| Gold | 1.713,00 $ | −1,15% |
| Bund Future | 138,72 € | −0,24% |