17.01.2007 · Als gut sind Intels Ergebnisse für das vergangenen Geschäftsjahr kaum zu bezeichnen, auch wenn sie besser als erwartet waren. Doch der Margendruck im Preiskampf mit AMD hält an. Das geht zulasten beider Aktien.
Der Aktie von Intel konnte FAZ.NET in der Vergangenheit selten viel Positives abgewinnen (vgl. Aktie von Intel drängt sich nicht auf, Intel-Aktie dürfte im zyklischen Trend bleiben, Intel zeigt: Halbleiter-Aktien weiter unbeständig). Daran hat sich auch nach Vorlage des Ergebnisses für das Geschäftsjahr 2006 nichts geändert.
Zwar übertraf der weltgrößte Chiphersteller die Prognosen, doch lag das eher an einem verstärkten Pessimismus der Analysten, denn an einer großartigen Entwicklung der Unternehmenszahlen, von der keine Rede sein kann.
Neuer „Chip War“ schadet beiden Parteien
Zu schaffen macht Intel das Wiederaufflammen des „Chip War“ mit dem Konkurrenten AMD. Dieser hatte in den Neunzigern schon einmal zum Angriff auf den Marktführer geblasen und seinerzeit eine heftige Niederlage erlitten. Im Jahr 2005 begann nun die zweite Attacke, wobei der Angreifer zunächst erhebliche Geländegewinne verzeichnen konnte.
Doch mittlerweile hat der Platzhirsch zurückgeschlagen. In der Folge musste AMD am vergangenen Freitag eine Gewinnwarnung herausgeben, wonach das Betriebsergebnis im abgelaufenen vierten Quartal zwar positiv, aber „substanziell niedriger als im dritten Quartal“ sein werde. Die durchschnittlichen Preise für Mikroprozessoren seien stark gefallen. AMD hatte bereits im vergangenen Quartalsbericht für eine Enttäuschung gesorgt und rückläufige Margen gemeldet.
Aber die Offensive war auch für Intel verlustreich. Im Schlussquartal und im Gesamtjahr 2006 hat das Unternehmen einen starken Gewinnrückgang verbucht. Der Jahresumsatz fiel signifikant um 8,7 Prozent auf 35,4 Milliarden Dollar. Der Jahresgewinn sackte noch deutlicher um 43 Prozent auf fünf Milliarden Dollar oder 0,86 Dollar je Aktie nach 1,40 Dollar im Vorjahr ab.
Intel vor allem in Europa unter Druck
Dabei wäre das Ergebnis wohl noch schlechter ausgefallen, wenn Intel-Konzernchef Paul Otellini nicht auch mit kräftigen Kostensenkungen und Personaleinsparungen reagiert hätte. Intel hatte zum Jahresende nur noch 94.100 Beschäftigte gegenüber 102.500 im zweiten Quartal 2006. Unter Ausklammerung von Restrukturierungskosten will der Konzern im laufenden Jahr eine Ausgaben- und Betriebskosten-Ersparnis von zwei Milliarden Dollar verbuchen.
Intel verdiente im vierten Quartal nur noch 1,5 Milliarden Dollar oder 39 Prozent weniger als im vierten Quartal 2005. Unter Ausklammerung von Sonderfaktoren verdiente Intel 30 Cent je Aktie, während die Wall Street auf dieser Basis von 25 Cent je Aktie ausgegangen war. Der Quartalsumsatz schrumpfte allerdings nur um fünf Prozent auf 9,7 Milliarden Dollar, womit der Chip-Branchenprimus die Schätzungen der Analysten ebenfalls übertroffen hat.
Besonders schlecht schnitt der Branchenprimus in der Region Europa/Naher Osten/Afrika ab, wo der Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um 17 Prozent auf 1,9 Milliarden Dollar absackte. Im asiatisch-pazifischen Raum (ohne Japan) fiel er um fünf Prozent auf 4,9 Milliarden Dollar. In Japan stagnierte der Umsatz. Nur in Nord- und Südamerika verbuchte man im vierten Quartal eine Umsatzsteigerung.
Starker Einbruch der Bruttomarge
Die Bruttogewinnmarge lag bei 49,6 Prozent. Und genau das missfiel den Anlegern am meisten, zeigen sich hier doch die deutlichsten Spuren des Preiskampfs. Im Vorjahr hatte die Marge nämlich noch bei 61,8 Prozent gelegen. Dabei sprach Otellini von einem starken vierten Quartal mit höheren Verkaufspreisen und Rekordauslieferungen in den am schnellsten wachsenden Marktbereichen. Allerdings wird sich die Bruttomarge wohl kaum verbessern. Das Unternehmen rechnet mit „49 Prozent, plus/minus einigen Punkten“.
Die Intel-Aktien fielen nachbörslich dementsprechend um 4,35 Prozent auf 21,33 Dollar. Darin machte sich Enttäuschung deutlich. Offenbar hatte sich in den vergangenen Wochen die Ansicht durchgesetzt, dass Intel den „Chip War“ schon gewonnen habe. Jedenfalls stieg der Kurs der Aktie seit Jahresbeginn um fast zehn Prozent und ließ sich auch durch die schlechten Zahlen von AMD nicht beeindrucken.
Mit dem Sturz auf 21,33 Dollar sind zwar nicht alle Kursgewinne wieder dahin geschmolzen. Die Erholungsbewegung aber ist abgebrochen, nachdem sie schon nicht über das Novemberhoch von 22,33 Dollar hinausgeführt hatte.
Vor neuen Tiefständen?
Die einzige Frage, die sich bezüglich der Intel-Aktie derzeit stellt, ist wie stark sie konsolidieren wird. Nach den aktuellen Analystenprognosen ist die mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGV) für 2007 von 19,7 und für 2008 von 14,7 bewertet. Das ist nicht gerade preiswert.
Entscheidend für die weitere Entwicklung ist zunächst, ob das Dezembertief von 20,80 Dollar hält oder nicht. Hält es nicht, könnte die Aktie bis auf das Junitief von 16,86 Dollar fallen. Von dort ist es nur ein kleiner Schritt zum Tief des Jahres 1998 bei 16,48 Dollar.
Nicht wesentlich besser sieht es bei AMD aus. Mit KGVs von 19 und 12,4 ist die Aktie dabei sogar noch etwas günstiger. Derzeit droht der Kurs bei aktuell 18,13 Dollar aber bereits unter das Julitief von 17,39 Dollar zu fallen. Das könnte schon am Mittwochnachmittag geschehen. Dann könnte ein Test des 2005er-Tiefs bei 14,16 Dollar bevorstehen.
Prozessor-Aktien im Negativtrend
Alles in allem zeigt sich wieder einmal, dass die Aktien der Prozessorhersteller zyklisch getrieben sind. Derzeit scheinen sie wieder einmal in einer Rückbildungsphase zu sein. Dies wird erst ihren Abschluss finden, wenn im neuen „Chip War“ keine Seite mehr neue Marktanteile gewinnen oder wieder zurückerobern kann. Dann dürfte der Preiskrieg schwächer werden und die Unternehmen wieder besser verdienen. Das kann aber durchaus noch einige Monate dauern.
Zudem sind die Ergebnisse aus der Chipbranche momentan insgesamt nicht gerade überzeugend. In den vergangenen Tagen haben bereits der Mobilfunknetzbetreiber Sprint Nextel sowie der Handy-Hersteller Motorola die Märkte auf niedrigere Ergebnisse eingestellt und wurden dafür mit deutlichen Kursverlusten bestraft.
Intel könnte obendrein Ungemach von Seiten der EU-Kommission drohen. Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes liegt nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ (WSJ) eine Empfehlung vor, wonach der amerikanische Konzern seiner Marktposition bei Halbleitern missbraucht habe. AMD hatte bereits im Oktober 2000 bei der EU eine Beschwerde gegen Intel wegen angeblicher unzulässiger Wettbewerbsmethoden eingereicht.
Kroes muss laut dem Bericht nun gegen Intel vorgehen oder die bereits rund sechs Jahre andauernden Untersuchungen einstellen. Die Kommissarin werde mit Blick auf den ebenfalls seit Jahren schwelenden Streit mit dem Computerhersteller Microsoft eher vorsichtig vorgehen, hieß es aber laut WSJ von den informierten Personen. Der Fall Intel könnte sich als ähnlich komplex und kontrovers erweisen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |