01.07.2010 · Die ersten sechs Monate dieses Jahres sind an den Finanzmärkten durchaus turbulent gewesen. Die Sorgen um die hochverschuldeten südeuropäischen Länder schlugen hohe Wellen, in Griechenland eskalierte die Schuldenkrise.
Von Kerstin PaponDie ersten sechs Monate dieses Jahres sind an den Finanzmärkten durchaus turbulent gewesen. Die Sorgen um die hochverschuldeten südeuropäischen Länder schlugen hohe Wellen, in Griechenland eskalierte die Schuldenkrise.
Immer wieder gab es weltweite Wachstumssorgen. Infolgedessen schwankten nicht nur viele Aktien- und Anleihekurse stark, sondern auch die Wechselkurse und die Rohstoffpreise. Der Auswahlindex Dax bewegte sich in einer Spanne von rund 900 Punkten. Unter dem Strich hat sich das führende deutsche Marktbarometer seit Jahresbeginn allerdings kaum verändert.
Mongolische Aktienmarkt ist der beste des ersten Halbjahres
Doch es geht auch anders. Besonders gut schnitt im ersten Halbjahr in Euro gerechnet der Aktienmarkt der Mongolei ab. Der dortige Auswahlindex MSE Top 20 hat sich unter rund hundert größeren Aktienindizes auf der ganzen Welt mit einem Plus von rund 85 Prozent am besten entwickelt. Mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet rund 470 Millionen Euro ist der mongolische Aktienmarkt gleichwohl klein. Allein der deutsche Windanlagenbauer Nordex kommt auf eine Marktkapitalisierung von etwa 500 Millionen Euro, der kleinste Dax-Konzern ist derzeit die Deutsche Lufthansa mit ungefähr 5,25 Milliarden Euro.
Die Liste der weiteren führenden Aktienindizes im ersten Halbjahr liest sich nicht minder exotisch, wohingegen die klassischen Schwellenländer in der Kursentwicklung eher zurückgeblieben sind. Kräftige Gewinne gab es zudem in Sri Lanka und in Bangladesch, aber auch auf dem afrikanischen Kontinent, an den Börsen in Nigeria, Kenia oder Ghana. Generell ist der Aktienhandel an solch exotischen Börsenplätzen meist noch gar nicht richtig entwickelt. Er gilt als intransparent und extrem illiquide, was große Preissprünge begünstigt. Nicht selten gelten Zugangsbeschränkungen für Investoren. Oft werden nicht einmal Zertifikate oder börsengehandelte Fonds (ETF) angeboten, die Anlagen in diese Länder überhaupt ermöglichen. Dies gilt beispielsweise für die Mongolei oder Bangladesch. Die Produktpalette wächst jedoch wie zurzeit vor allem für Afrika. Die Kosten vorhandener Finanzprodukte sind häufig vergleichsweise hoch.
Ein wesentlicher Renditebringer in den Portfolios der europäischen Anleger war der schwächere Euro. Zum amerikanischen Dollar hat Europas Gemeinschaftswährung seit Jahresbeginn 17 Prozent an Wert verloren, zum japanischen Yen fast ein Viertel. Für Investoren bedeutet dies, das sich dadurch die Rentabilität von Auslandsanlagen stark verändern kann. Kursgewinne in der jeweiligen Landeswährung verstärken sich, Verluste werden abgefedert. Auch auf Investments in Rohstoffe wirkt sich dies aus, da diese vor allem in Dollar gehandelt werden.
Breites Spektrum der Wertentwicklung weltweit
Daher haben sich für europäische Anleger auch der Kauf von Gold und damit die Suche nach Sicherheit ausgezahlt. Der Preis dieses Edelmetalls ist in Euro gerechnet fast um ein Drittel gestiegen. Aus 100000 Euro zu Jahresbeginn wurden zum Halbjahr 132170 Euro. In Dollar hat der Goldpreis lediglich um 13 Prozent zugelegt. Ähnliches gilt für die Euro-Preise anderer Rohstoffe wie Silber oder Rohöl. Anleger können über zahlreiche Fonds und Zertifikate auf Rohstoffe setzen und überdies physisches Gold oder Silber in Form von Münzen oder Barren kaufen.
Durch den schwächeren Euro haben sich auch zahlreiche Aktienanlagen im Ausland gelohnt. So hat der amerikanische Leitindex Dow Jones in den ersten sechs Monaten dieses Jahres in Dollar 5 Prozent an Wert verloren. In Euro gerechnet beläuft sich das Plus auf 11 Prozent. Ähnlich in Japan: Aus einem Minus von 11 Prozent für den Nikkei-225 in Yen wird in Euro ein Kursplus von 9 Prozent. Gegen den Währungseinfluss nicht gesicherte Fonds und Zertifikate geben diesen Effekt an die Anleger weiter.
Auffällig in diesem Jahr ist, dass die Spannweite selbst bei den großen Aktienindizes der Welt vergleichsweise groß ist. In Europa hat sich das deutsche Börsenbarometer mit seinem Nullsummenspiel vergleichsweise gut gehalten. Experten führen dies angesichts der Unsicherheiten um einige hochverschuldete Länder im Euro-Raum vor allem auf die Suche der Anleger nach Sicherheit und den schwächeren Euro zurück, welcher der deutschen Exportindustrie zugute kommt. Im krisengeschüttelten Südeuropa ergibt sich ein ganz anderes Bild: Gemessen am Gesamtindex der Börse Athen sind von 100000 Euro in Griechenland nur noch 66830 Euro übrig geblieben. In Spanien sieht es etwas besser aus, aber auch in Frankreich und europaweit liegen die Aktienindizes tief im Minus.
Angesichts der weithin extrem niedriger Leitzinsen auch im Euro-Raum erbringen klassische Zinsanlagen wie das Sparbuch fast keine Rendite mehr. Zieht man dann noch die Inflationsrate von zuletzt 0,9 Prozent in Deutschland ab, haben Anleger mit solchen Investments im ersten Halbjahr sogar Verlust gemacht.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |