02.06.2008 · Alarmierende Ausblicke und Kapitalerhöhungen belasten die Aktienmärkte in Großbritannien. Vor allem Bankaktien starteten schwach in die Woche. Das ging auch internationalen und deutschen Banken ähnlich.
Von Bettina Schulz, LondonDie Aktienmärkte haben zum Wochenauftakt einen deftigen Dämpfer verkraften müssen. Vor allem Bankaktien führten das Feld der schwächeren Dividendentitel an, nachdem die britische Hypothekenbank Bradford & Bingley eine alarmierende Gewinnwarnung, Berichte über steigende Kreditausfälle und eine Kapitalerhöhung bekanntgab. Der Aktienkurs der Hypothekenbanken brach am Montag um 24 Prozent ein und riss die Kurse anderer Banken und Hypothekenbanken mit nach unten. Nicht nur die Konkurrenten HBOS und Alliance & Leicester mussten Kursverluste von 10 und 5 Prozent verkraften. Auch die Kurse internationaler Großbanken und deutscher Banken waren auf dem Rückzug. Im deutschen Aktienindex Dax standen die Bankaktien auf der Verliererseite. Die Titel der Commerzbank verloren gut 3 Prozent, die der Deutschen Bank knapp 2 Prozent. Auch der Kurs der Allianz-Aktien war etwa 2 Prozent im Minus.
Die Hoffnung, Bankaktien könnten nach der Finanzmarktkrise zu einem nachhaltigen Aufschwung an den Aktienmärkten führen, ist bisher nicht aufgegangen. Im Gegenteil: die Furcht der Marktteilnehmer vor der Finanzmarktkrise, die kontinuierlich hohen Abschreibungen in der Bankenbranche und die Auswirkungen der sich abzeichnenden Konjunkturabschwächung lasten auf Finanztiteln. Die meisten Bankaktien waren nach etwas besseren Notierungen im April am Wochenbeginn wieder auf ein Niveau gefallen, das nahe an oder sogar unter den Tiefständen vom März lag.
Der Unmut ist groß
Die Zurückhaltung der Investoren mit Blick auf Bankaktien erschwert es den Instituten, Kapitalerhöhungen an der Börse durchzuziehen. Das ist jedoch für einige Institute dringend notwendig, um ihre Kapitalbasis aufzufrischen. Gerade in schwierigen Konjunkturzeiten und in Phasen höherer Kreditausfälle - wie sie jetzt in Großbritannien beginnen - müssen Banken nach den Eigenkapitalvorschriften von Basel II höheres Risikokapital vorhalten als in wirtschaftlich ruhigeren Zeiten. Nicht alle Banken sind derzeit ausreichend mit Kapital gepolstert, vor allem wenn sie ihr Geschäft auf schwierige Marktsegmente konzentriert haben wie die Hypothekenbank Bradford & Bingley, oder sie sich große Übernahmen aufgehalst haben wie die Royal Bank of Scotland (RBS).
Letztere kämpft um eine Kapitalerhöhung, deren Zeichnungsfrist am Freitag ausläuft. Der Aktienkurs der Royal Bank of Scotland ist mit 222,50 Pence unangenehm nah an das Niveau der verkündeten Kapitalerhöhung von 200 Pence gefallen. Um das Kapital aufzufrischen, versucht RBS unabhängig von der Kapitalerhöhung ihren Versicherungsarm abzugeben, ihr Leasinggeschäft an Babcock & Brown und seine fünfzigprozentige Beteiligung an Tesco Personal Finance an die Supermarktkette Tesco zu verkaufen. Großaktionäre sind darüber verärgert, dass RBS im vergangenen Jahr die Übernahme der ABN Amro forcierte, die Aktionäre jetzt aber mit einer Kapitalerhöhung zahlen müssen und gleichzeitig Finanzgeschäfte von RBS verkauft werden. Der Unmut ist so groß, dass hinter den Kulissen in der City über eine neue Besetzung des Verwaltungsrates, ein Auswechseln des Verwaltungsratsvorsitzenden Sir Tom McKillop und langfristig gar eine Ablösung des Vorstandsvorsitzenden Sir Fred Goodwin gesprochen wird.
Banken sind schlecht vorbereitet
Der Vorstandsvorsitzende Steven Crawshaw von Bradford & Bingley trat am Wochenende aus gesundheitlichen Gründen zurück. Die Aktionäre waren erzürnt darüber, dass es im April von der Geschäftsführung noch hieß, die Bank brauche ihr Kapital nicht aufzustocken. Dennoch wurde im Mai eine Kapitalerhöhung von 300 Millionen Pfund angekündigt. Am Montag gab die Hypothekenbank bekannt, dass die amerikanische Private-Equity-Gesellschaft TPG, ehemals Texas Pacific Group, für 179 Millionen Pfund eine Beteiligung von 23 Prozent an der Bank eingehe. Dies wurde am Markt als Zeichen gewertet, der Tiefpunkt der Bankenkrise sei erreicht.
Bradford & Bingley strich jedoch die Konditionen seiner bevorstehenden Kapitalerhöhung zusammen: Die Bank offeriert nun 19 und nicht mehr nur 16 neue Aktien je 25 alte Aktien, und zwar zu einem Preis von 55 und nicht mehr 82 Pence je Aktie. Damit schrumpft die Kapitalerhöhung um fast 50 Millionen Pfund auf 250 Millionen Pfund. Bradford & Bingley ist trotz jüngster Schwierigkeiten nicht mit dem Fall Northern Rock zu vergleichen. Die Ratingagentur Moody's warnte Ende vergangener Woche, dass die Finanzmarktkrise immer noch zu deutlichen Abschreibungen bei größeren britischen Banken und Refinanzierungsschwierigkeiten bei kleineren Instituten führe. Die relativ niedrige Kapitalausstattung nach der Krise lasse die Banken schlechter vorbereitet in die Konjunkturschwäche gehen als zuvor.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |