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Großbritannien Aktie von Punch Taverns hat mehr Aufmerksamkeit verdient

12.09.2005 ·  Das Pub gilt als inoffzielles Wohnzimmer der Briten. Zwar leidet das Verbrauchervertrauen, doch mit Pubs läßt sich Geld verdienen, wie Punch Taverns zeigt. Die Aktie ist gut gelaufen und aus Analystensicht gleichwohl noch unterbewertet.

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Einzelhändler und Kneipiers in Großbritannien hatten, ebenso wie ihre Kollegen in den Vereinigten Staaten, ein recht leichtes Spiel. Der Grund: Der Anstieg der Immobilienpreise verleitete die Verbraucher dazu, ordentlich Geld auszugeben - und zum Beispiel das eine oder andere Pint im Pub mehr zu trinken als früher.

Allerdings hat sich das Konsumklima im Vereinigten Königreich in den vergangenen Monaten eingetrübt - aufgrund der deutlich abgeflauten Dynamik auf dem Immobilienmarkt und darauf zurückzuführenden Zahlungsschwierigkeiten bei Verbrauchern, die sich in fast durchweg erhöhter Risikovorsorge bei britischen Banken wie HSBC oder Lloyds TSB zeigt.

Gleichwohl: Der Pub bleibt das inoffizielle Wohnzimmer der Briten, und auch wenn Engländer, Schotten und Waliser nun mehr auf den Penny schauen mögen als noch vor kurzem: Mit dem Pub-Geschäft läßt sich Geld verdienen. Dies zeigt Punch Taverns, der zweitgrößte Betreiber von Bierkneipen im Vereinigten Königreich. Punch Taverns hat zuletzt seine Umsätze in mehr als ein Jahr bestehenden Lokalen sogar stärker gesteigert als noch vor Jahresfrist. Hinzu kommt Wachstum durch Zukäufe.

Aktie eilt dem „Footsie“ deutlich voraus

Die Aktie des Unternehmen läuft sogar noch besser als das Geschäft. Binnen Jahresfrist hat sie auf dem Heimatmarkt um fast 61 Prozent zugelegt und auf dem Frankfurter Parkett sogar um mehr als 71 Prozent, worin sich auch Währungsgewinne durch die Stärke des Pfund widerspiegeln. Die Notiz läßt den britischen FTSE 100-Index bisher klar hinter sich. Gleichwohl ist der Titel noch nicht teuer. Und Analysten trauen ihm mehr zu. Die Deutsche Bank hat gerade das Kursziel von 800 auf 950 Pence hochgeschraubt. Am Freitag ging die in Deutschland weitgehend mißachtete Aktie in London mit 817,50 Pence aus dem Handel und steigt am Montag im frühen Handel um rund zwei Prozent auf 835 Pence.

Punch Taverns betreibt nach Angaben von Bloomberg 8.227 der 60.000 britischen Pubs; der Marktanteil beträgt mithin 13,7 Prozent. Das Geschäft besteht darin, Lokale zu mieten und Bier sowie andere Produkte an die Pub-Pächter zu verkaufen. Zudem teilt sich der Konzern zum Teil auch die Einnahmen aus dem Betrieb von Spielautomaten mit den Pächtern. Ebenso wie Mitbewerber wie Enterpreise Inns strebt Punch Taverns weitere Zukäufe an. Auf diesem Wege will der Konzern seine Umsatzbasis verbreitern und seine Verhandlungsmacht gegenüber Brauereien stärken. Im August erwarb er für 219 Millionen Pfund die Avebury Holdings und im vergangenen Jahr die Innspired Group für 335 Millionen Pfund, wie Bloomberg anmerkt.

Im jüngsten Geschäftsjahr hat Punch Taverns seine Verkäufe in den seit mindestens einem Jahr bestehenden Lokalen um 2,9 Prozent gesteigert; im Geschäftsjahr davor hatte der Konzern einen Zuwachs von 2,5 Prozent verzeichnet. Auch der Handel in erst zugekauften Pubs sei „positiv“ gewesen, teilte der Vorstand mit. Die Integration von Avebury sei weiter vorangeschritten als zuerst geplant und solle Mitte Oktober abgeschlossen werden.

Günstiger bewertet als Konkurrent Enterprise

Die Deutsche Bank-Analysten sehen bei Punch Taverns weiter gute Wachstumschancen, und zwar sowohl aus eigener Kraft als auch durch zusätzliche Akquisitionen. Für die nächsten drei Jahre erwarten sie jeweils ein prozentual zweistelliges Gewinnwachstum. Dabei fallen ihre Schätzungen im Vergleich zu den Prognosen anderer Analysten noch zurückhaltend aus: Bei der Deutschen Bank kommen Punch Taverns für 2005 auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,3, der Schnitt liegt bei 13,8; für das nächste Jahr veranschlagt die Deutsche Bank das KGV auf 12,1. Damit ist Punch Taverns etwas günstiger bewertet als Enterprise Inns, die für dieses Jahr mit 14,2 bewertet ist. Dafür ist die erwartete Dividendenrendite mit gut 1,4 Prozent niedriger als bei dem Konkurrenten (1,9).

Der Trend spricht klar für Punch Taverns: Die Notiz bewegt sich nur ganz knapp unter ihrem auf Schlußkursbasis markierten Bestwert von 820 Pence. Da die Chefetage ihr Geschäft zu verstehen scheint, stehen die Chancen auf weitere Kursgewinne gut, solange Punch keine schlechten Nachrichten liefert und die Erwartungen mindestens erfüllt. Die Aktie hat folglich in Deutschland mehr Aufmwerksamkeit verdient. Aus Analystensicht ist das Papier weiter unterbewertet. Die durchschnittliche Schätzung beträgt knapp 866 Pence.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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