Im und mit dem Internet lasse sich kein Geld verdienen, heißt es in der Verlagsbranche immer wieder. Was aber ist mit Google, lässt sich dagegen fragen? Denn genau dieses Unternehmen verdient sich mit der Vermittlung ihrer Inhalte eine goldene Nase und kann schon seit Jahren zum Teil deutlich und vor allem profitabel wachsen.
Neuerdings spürt Google zwar auch die Folgen der allgemeinen Krise. Denn im zweiten Quartal des laufenden Jahres konnte das Unternehmen den Umsatz im Vergleich mit dem ersten kaum noch und im Vergleich mit dem Vorjahresquartal um magere 2,9 Prozent auf 5,523 Milliarden Dollar steigern.
Gewinn steigt auch bei stagnierendem Wachstum
Der Gewinn dagegen konnte im Jahresvergleich um 18,4 Prozent von 1,25 auf 1,48 Milliarden Dollar gesteigert werden oder um 18,9 Prozent auf 4,66 Dollar je Aktie. Im Vergleich mit dem ersten Quartal legte der Gewinn je Aktie immerhin noch um 16 Prozent zu. Diese Zahlen „liegen über den Erwartungen“ wie es in den auf Optimismus getrimmten Agenturen so schön heißt. Die nachbörsliche Marktreaktion war jedoch eindeutig: Die Aktie verlor 3,3 Prozent auf 428 Dollar.
„Googles Geschäft scheint sich stabilisiert zu haben“, sagte Konzernchef Eric Schmidt am Donnerstag nach Börsenschluss im kalifornischen Mountain View. Noch sei es aber zu früh zu sagen, wann sich die Wirtschaft erhole. Das klingt nicht so optimistisch, wie Anleger das wohl gerne hätten.
Tatsächlich sind im Rahmen der allgemeinen Wirtschaftskrise auch die Wachstumsraten der Werbeausgaben im Internet deutlich zurückgegangen. Dieser Bereich des Marktes werde im laufenden Jahr sehr wahrscheinlich gerade noch um zehn Prozent wachsen, nach einem Plus von mehr als 20 Prozent noch im vergangenen Jahr, prognostizieren die Auguren. Genau das dämpfe im Moment auch die Wachstumsaussichten für Unternehmen wie Google, erklären daraufhin verschiedene Analysten.
Google selbst teilte mit, die so genannten Klicks auf ihre Werbebanner und -links seien im zweiten Quartal im Vergleich mit dem ersten um zwei Prozent gefallen. Google hat auf das lahmende Geschäft und auch mit Blick auf die zunehmende Konkurrenz durch Microsofts Bing längst reagiert und ein Prozent der Belegschaft abgebaut und Unternehmensteile geschlossen, die keinen oder zu wenig Ertrag brachten.
Aktie inzwischen etwas ambitioniert bewertet
Googles operative Basis ist regional breit diversifiziert. Im zweiten Quartal stammten 53 Prozent der Erlöse aus dem internationalen Geschäft, nach 52 Prozent im ersten Quartal. 3,65 Milliarden Dollar wurden mit den eigenen Webseiten erlöst, 1,68 Milliarden kamen von Partnerseiten.
Google versucht - auch mit Blick auf die Contentanbieter, die ihre Inhalte nur noch ungern unentgeltlich zur Verfügung stellen - seine operative Basis zu verbreitern. Analysten richten ihre optimistischen Hoffungen unter anderem auf erworbene Film- und Videoplattform Youtube und auf die Ausflüge in den Softwarebereich. Ob diese Geschäfte jedoch wirklich werden profitabel wachsen können, wird sich erst noch zeigen müssen.
Nach einem Kursrückschlag im vergangenen Jahr konnten die Aktien des Unternehmens seit Ende November des vergangenen Jahres zwar wieder knapp 72 Prozent zulegen. Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von knapp 21 und 18 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Jahr sind die Aktien angesichts des im Moment sehr schwachen Wachstums schon ambitioniert bewertet. Wer die Aktien hat oder sie sich angesichts des allgemeinen Optimismus ins Depot legen möchte, dürfte sich gegen Kursrückschläge absichern.