http://www.faz.net/-gv6-772hx
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 20.02.2013, 11:30 Uhr

Google 800 Dollar und wie weiter?

Mehr als 800 Dollar werden seit Dienstag für eine Google-Aktie bezahlt. Auch wenn die Rekordfahrt noch weitergehen könnte, wird die Luft allmählich dünner. Apple scheint interessanter.

© AP

Die Google-Aktie läuft derzeit von Hoch zu Hoch. Schon im vergangenen September überstieg der Kurs das Hoch bei 741,79 Dollar. Vor wenigen Tagen wurde das Oktober-Hoch bei 768,05 Dollar übertroffen und am Dienstag nun die Marke von 800 Dollar.

Beim Schlusskurs von 806,85 Dollar ist das Unternehmen nun mit 216 Milliarden Dollar bewertet. Damit ist Google nur nur noch 20 Milliarden billiger als Microsoft.

Mehr zum Thema

Google Shops als Phantasiefaktor

Die Aufwärtsbewegung, die im Trend seit mehr als vier Jahren anhält, wird aktuell von Medienberichten über neue Pläne des Konzerns befeuert. Demnach will Google in den Vereinigten Staaten eigene Läden eröffnen. Morgan-Stanley-Analyst Devitt lobte diese Pläne. Google könne so unter anderem die Verbreitung des Betriebssystems Android und des Internetbrowsers Chrome beschleunigen.

Kunden könnten das Smartphone Nexus vor dem Kauf testen und Google neue Technologien wie etwa die High-Tech-Brille „Google Glass“ vorstellen. Profitieren sollten laut Devitt zudem auch Web-Dienstleistungen wie das soziale Netzwerk Google Plus oder auch Anwendungen wie Google Now, Google Wallet und Google Drive.

Google hatte als Internetsuchmaschinen-Betreiber vor achteinhalb Jahren sein Debut an der Technologiebörse Nasdaq und auch heute kommen noch gut 90 Prozent des Umsatzes und Gewinns aus diesem Geschäftsbereich. Doch inzwischen mischt Google noch in zahlreichen weiteren Bereichen mit und kaufte 2011 etwa den Smartphone-Hersteller Motorola für 12,5 Milliarden Dollar. Das mobile Internet unterstützt das Wachstum des Konzerns.

Gigant mit Anlaufschwierigkeiten

In den Vereinigten Staaten beherrscht Google rund zwei Drittel des Marktes für Suchanfragen. 41 Prozent der Erlöse aus dem Geschäft mit digitalen Anzeigen fließen an Google, im mobilen Internet sind es 53 Prozent und bei suchbasierten Anzeigen sind es 75 Prozent.

Eine reine Erfolgsstory war Google übrigens nicht von Anfang an: So musste vor dem Börsengang im August 2004 etwa der ursprünglich geplante Ausgabepreis von bis zu 135 Dollar je Aktie auf 85 Dollar gesenkt werden. Am ersten Handelstag stieg der Kurs allerdings auf über 100 Dollar und bis Ende 2007 ging es mit der Google-Aktie steil aufwärts. Im Zuge der Finanzmarktkrise fiel diese wieder unter 300 Dollar.

Allmählich teuer

Mit einer Bewertung der Aktie mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 17,7 für das laufende und 15 für das kommende Jahr ist die Google-Aktie derzeit nach Facebook und Yahoo die teuerste Aktie unter den einschlägigen Aktien für den Bereich digitale Anzeigen und mobiles Internet.

Die Fortsetzung der Hausse auf dem aktuellen Rekordniveau ist vorläufig ein gutes Zeichen. Indes wird es mit jedem weiteren Kurshoch schwieriger, den Anforderungen gerecht zu werden. Der Kurs liegt mittlerweile beim 3,7fachen des Buchwerts und knapp dem 16fachen des Mittelzuflusses.

Apple sieht attraktiver aus

Insofern dürfte es für einen Einstieg in die Google-Aktie derzeit eher nicht der richtige Zeitpunkt sein, auch wenn das Geschäftsmodell unbestritten stark ist. Apple erscheint fundamental derzeit mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 10,3 für das laufende und 9 für das kommende Jahr deutlich attraktiver, zumal der Aktienkurs nach der jüngsten Talfahrt bei 440 Dollar jetzt einen Boden gefunden haben könnte.

Daran ändert auch nichts, dass ein amerikanischer Richter dem Hedgefonds-Manager David Einhorn gute Erfolgschancen für seine Klage gegen den Konzern einräumt. Einhorns Hedgefonds Greenlight Capital will durchsetzen, dass Apple die Aktionäre stärker an seinen hohen Geldreserven teilhaben lässt. Apple solle stimmrechtslose Vorzugsaktien mit einer Dividende von 4 Prozent an Bestandsaktionäre ausgeben. Das soll den Aktienkurs aufpäppeln, der seit dem Rekordhoch im vergangenen September um 33 Prozent gefallen ist.

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Aktien-Anlage Diese Aktien gewinnen trotz Brexit-Crash hinzu

Das überraschende Ja der Briten zu einem EU-Austritt hat Anlegern einen schwarzen Freitag beschert. Die Börsenkurse fielen oft im zweistelligen Bereich. Es gibt aber auch Aktien, die an einem solchen Tag gegen den Trend hinzugewinnen. Mehr

24.06.2016, 15:05 Uhr | Finanzen
Nach Brexit-Einbruch Dax und Pfund erholen sich vorerst

Nach den Verlusten infolge des Brexits drehte der Dax zu Handelsbeginn am Dienstag deutlich ins Plus. Auch das Pfund Sterling erholte sich, nachdem es am Montag auf ein 31-Jahres-Tief gefallen war. Mehr

28.06.2016, 12:58 Uhr | Finanzen
Crispin Odey 220 Millionen Pfund Gewinn mit dem Brexit

Viele Anleger haben nach dem Brexit-Votum Geld verloren. Doch Hedgefonds-Manager Crispin Odey macht 220 Millionen Pfund Gewinn – dank einer privaten Umfrage. Er hat den Erfolg dringend nötig. Mehr Von Patrick Bernau

25.06.2016, 17:38 Uhr | Finanzen
Folgen des EU-Referendums Brexit brockt Dax größten Kurssturz seit 2008 ein

An den weltweiten Finanzmärkten hat das britische Votum gegen einen Verbleib des Landes in der EU den schwärzesten Handelstag seit dem Ende des Kalten Krieges ausgelöst. Der Dax brach zeitweise um 10 Prozent ein. Mehr

24.06.2016, 09:50 Uhr | Finanzen
Börsen Vernichtet der Brexit unser Geld?

Die Börsen sind in Aufruhr: Auf einmal fürchten alle den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Es droht der nächste Aktien-Crash. Mehr Von Dennis Kremer

16.06.2016, 12:25 Uhr | Finanzen
Name Kurs %
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
NIKKEI -- --
HANG SENG -- --
F.A.Z. EURO -- --
E-STOXX 50® -- --
S&P 500 -- --
NASDAQ 100 -- --
MDAX ® -- --
TecDAX ® -- --
SDAX ® -- --

Leidende Banken

Von Gerald Braunberger

Europa leidet unter seinen Banken, und die Aussicht auf eine Phase wirtschaftlicher Verunsicherung nach dem britischen Referendum vergrößert die Schmerzen. Mehr 0