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Goldminenaktien Kurse folgen dem Goldpreis bislang nur halbherzig

05.11.2009 ·  Der Amex Gold Bugs-Index, genannt HUI, der die Kurse von Goldminenaktien widerspiegelt, liegt noch immer deutlich unter seinem historischen Hoch. Südafrikanische Minengesellschaften leiden unter hausgemachten Problemen.

Von Gerald Braunberger und Claudia Bröll
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Die Kurse vieler Goldminenaktien steigen, aber mit der aktuellen Hausse des Goldpreises können sie nicht mithalten. Das zeigt ein Vergleich des Goldpreises mit dem Amex Gold Bugs-Index, der auch unter der Bezeichnung HUI bekannt ist. Während der Preis für eine Unze Gold am Mittwoch einen weiteren historischen Höchststand erreicht hat, notiert der HUI rund 20 Prozent unter seinem Rekord aus dem vergangenen Jahr.

Lange Jahre war der im Jahre 1996 an der Börse in Philadelphia eingeführte HUI, auf den es in Deutschland zahlreiche Optionsscheine und Zertifikate gibt, daneben eine deutlich schlechtere Anlage als der Deutsche Aktienindex (Dax). Erst im Verlauf der jüngsten Finanzkrise näherte sich der Verlauf der beiden Indizes deutlich an.

Nachholpotential

Besitzer von Goldminenaktien haben dabei seit gut einem Jahr einiges mitgemacht. Nach seinem Höchststand im Sommer 2008 brach der HUI im Anschluss an den Untergang von Lehman Brothers fürchterlich ein. Seitdem hat er sich wieder deutlich erholt. Die Kurse mancher Minenwerte haben sich seit dem Frühjahr verdoppelt oder gar verdreifacht, was die Anleger nach Ansicht von Fondsmanagern vorsichtig stimmen sollte.

„Die Aussichten für den Sektor insgesamt bleiben gut, sofern der Goldpreis weiter steigt. Da die Aktienkurse in den vergangenen zwei Wochen deutlich korrigiert haben, besitzen sie gegenüber dem Goldpreis Nachholpotential“, sagt Manuel Tenekedschijew, Fondsmanager bei der DWS. Denn der HUI hatte in den vergangenen beiden Wochen eine deutliche Korrektur hingelegt, die manche technische Analysten sogar an der Dauerhaftigkeit des längerfristigen Aufwärtstrends zweifeln ließ. Aus technischer Sicht ist der Aufwärtstrend so lange nicht gefährdet, wie er die Marke von 380 Punkten nicht unterschreitet. Aktuell notiert der Index auf rund 430 Punkten.

Branchenriesen marschieren

In den vergangenen beiden Tagen hat sich der Index jedoch wieder stark gezeigt und Hoffnungen auf neuerliche Kursgewinne geweckt. Zu den namhaften Befürwortern von Goldminenaktien gehört seit längerer Zeit Edmond Carmignac, der Gründer und Präsident der erfolgreichen französischen Fondsgesellschaft Carmignac.

Der HUI besteht aus 15 Aktien von Minenunternehmen, die zumindest einen Teil ihrer künftigen Produktion über Termingeschäfte verkaufen. Der Index besteht aus Unternehmen mit sehr unterschiedlicher Größe und Güte. Branchenriesen wie Barrick Gold oder Goldcorp haben nach den Beobachtungen Tenekedschijews für das dritte Quartal Resultate vorgelegt, die in etwa den Erwartungen der Analysten entsprachen. Dafür wurden ihre Aktien überwiegend mit Kursgewinnen belohnt.

Kleine enttäuschen

Eine Reihe kleinerer Unternehmen, deren Aktien über mehr Phantasie verfügen und die von der Börse sehr hoch bewertet wurden, enttäuschten mit ihren Quartalsergebnissen. Da sie versprochene Produktionssteigerungen nicht liefern konnten, wurden ihre Aktien abgestraft. Zu diesen „gefallenen Engeln“ zählen die Papiere von Agnico-Eagle und Kinross.

Ebenfalls im HUI befindet sich die derzeit wohl am höchsten bewertete Aktie eines etablierten Goldminenproduzenten: Im Kurs von Randgold Resources schlägt sich nicht zuletzt das Vertrauen in die erprobte Führung um den Vorstandsvorsitzenden Mark Bristow nieder. Das in Schwarzafrika tätige Unternehmen wird in den kommenden Quartalen exzellente Ergebnisse liefern müssen, wenn seiner Aktie das Schicksal des Papiers von Agnico-Eagle oder Kinross erspart bleiben soll.

Katerstimmung in Südafrika

Südafrika war lange Zeit das mit weitem Abstand wichtigste Goldförderland der Welt. Heute rangieren die größten südafrikanischen Minengesellschaften wie Anglogold Ashanti oder Harmony Gold in einer internationalen Rangliste unter ferner liefen. In den Konzernzentralen von Südafrikas Goldschürfern jedoch herrscht Katerstimmung. Drastisch gestiegene Stromkosten und die starke Landeswährung lassen die Unternehmen kaum von dem höheren Goldpreis profitieren.

Eine Entspannung ist nach Angaben der Vorstandsvorsitzenden der drei größten südafrikanischen Produzenten nicht in Sicht. Der Goldminenindex der Johannesburger Börse liegt derzeit niedriger als zu Jahresanfang 2007, als der Goldpreis bei gerade einmal 600 Dollar je Feinunze dümpelte.

An den Rand gerutscht

Goldminenaktien galten lange Zeit als leicht handelbare Alternative für Investoren, die in Gold investieren, aber das gelbe Metall nicht physisch erwerben wollten. Der einst enge Zusammenhang zwischen dem Goldpreis und den Kursen der Minenaktien besteht jedoch zumindest bei den südafrikanischen Papieren nicht mehr. Inländische Einflussfaktoren spielen eine zunehmende Rolle.

Vor allem gehen die leicht ausbeutbaren Goldschätze in Südafrika - jetzt nur noch drittgrößter Goldproduzent der Welt - zur Neige, so dass die Förderer immer tiefer ins Erdinnere vorstoßen müssen. Das treibt die Kosten sowie die Zahl der Unfälle und Betriebsausfälle kräftiger in die Höhe als in anderen Fördernationen. Südafrikas Goldminen arbeiten jetzt schon tiefer in der Erde als die Minen in anderen Teilen der Welt.

„Der Wechselkurs und die Energiekosten sind ernste Herausforderungen für die ganze Branche, die mit Produktionskürzungen und Stellenabbau einher gehen können“, warnt der Chef des nach dem Umsatz größten südafrikanischen Goldminenkonzerns Anglogold Ashanti, Mark Cutifani. Die Landeswährung Rand hat seit Jahresanfang um 25 Prozent gegenüber dem Dollar an Wert gewonnen, so stark wie nur wenige Schwellenländerwährungen.

Damit ging die Goldpreis-Rallye an Südafrikas Produzenten nahezu vorbei. Die Unternehmen erzielen ihre Umsätze auf dem Weltmarkt in Dollar, die Abbaukosten jedoch fallen in Rand an. Im Durchschnitt lag der Rand-Goldpreis im vergangenen Geschäftsquartal sogar niedriger als im Vorquartal. Der Vorstandsvorsitzende von Gold Fields, Nick Holland, rechnet erst nach zwölf bis 18 Monaten mit einem schwächeren Rand.

Drastisch steigende Energiepreise

Neben der Währung setzt den Goldförderern, die lange Zeit die niedrigsten Strompreise der Welt bezahlten, der schlagartige Anstieg der Energiekosten zu. In den kommenden drei Jahren will der staatliche Versorger Eskom die Strompreise um jeweils 45 Prozent jedes Jahr erhöhen. In diesem Jahr sind die Preise bereits um 31 und im vergangenen Jahr um 27 Prozent gestiegen.

Eskom und die Regierung halten die Schritte für unausweichlich, um der chronischen Stromversorgungsnot im Land Herr werden. Anfang vergangenen Jahres mussten die Minenkonzerne wegen Stromausfällen mehrere Tage lang den Betrieb einstellen, was zu einem Milliardenschaden für die Branche und einem schweren Vertrauensverlust bei den ausländischen Investoren geführt hat.

Die Konzernführungen zeigen sich alarmiert, dass ihre Kosten durch die gestiegenen Stromrechnungen um bis zu 25 Prozent in den kommenden drei Jahren in die Höhe schnellen könnten. Derzeit machen Stromkosten 13 Prozent der Gesamtkosten aus. Künftig würden sie ein Viertel zu den Gesamtkosten beisteuern. „Wir müssen härter arbeiten und geschickter agieren. Unser einzige Waffe ist eine erhöhte Produktivität“, sagt der Vorstandsvorsitzende von Harmony Gold, Graham Briggs.

Enttäuschende Zahlen

Die jetzt vorgelegten Quartalsergebnisse der Konzerne fielen entsprechend wenig berauschend aus. Am besten schnitt Anglogold Ashanti ab, die zwar einen Verlust verzeichneten, diesen aber mit der seit langem währenden Auflösung von Hedge-Positionen erklärten. Unabhängig davon sei das Ergebnis gegenüber dem Vorquartal stagniert.

Gold Fields enttäuschte die Analysten mit einem Umsatz- und Gewinnrückgang, während Harmony einen Nettoverlust nach einem Nettogewinn im Vorquartal verzeichnete. Harmony konzentriert sich unter den großen Goldproduzenten noch am stärksten auf Südafrika als Förderland. Bei Anglogold Ashanti stammen nur noch 40 Prozent der Produktion aus Südafrika, bei Gold Fields ungefähr die Hälfte.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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