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Glasindustrie Vetropack profitiert von Glasboom und hofft auf die Fußball-EM

03.09.2007 ·  Ausgerechnet mit Glas sein Geld zu verdienen, scheint nicht unbedingt attraktiv zu sein. Doch gelegentlich steckt gerade in anscheinend langweiligen Industrien die bessere Rendite - siehe das Beispiel des Schweizer Herstellers Vetropack.

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Spannende Börsengeschichten sehen anders aus. Ausgerechnet mit Glas sein Geld zu verdienen, das scheint nicht unbedingt attraktiv. Doch gelegentlich steckt gerade in anscheinend langweiligen Industrien die bessere Rendite - siehe das Beispiel des Schweizer Herstellers Vetropack.

Das Unternehmen zählt zu den führenden Verpackungsglasherstellern in Europa. Es beschäftigt in sechs Glaswerken mit insgesamt 13 Schmelzwannen 2.600 Mitarbeiter und verfügt über eine Produktionskapazität von mehr als 2.000 Tagestonnen Verpackungsglas. Damit ist die Firma Marktführer für Glasbehälter in der Schweiz und Österreich - und seit Jahren auch in osteuropäischen Ländern wie Tschechien, Slowakei und Kroatien.

Früher Stagnation, jetzt Expansion

Freilich: Über Jahre war die Glasbranche vor allem von einem geprägt - von Stagnation. Das macht nichts deutlicher als die Tatsache, dass die Produktion in der Glashütte Bülach, dem Standort der Firmenzentrale von Vetropack, 2002 nach 111 Jahren eingestellt wurde.

Heute jubeln die Experten wieder. „Der Glasmarkt floriert“, konstatiert die Schweizer Bank Vontobel. Die zusätzliche Nachfrage sei breit abgestützt. Der Trend gehe hin zu hochwertigeren Verpackungsmaterialien. Außerdem gebe es vor allem in Osteuropa einen erhöhten Konsum.

Tatsächlich ist im gerade veröffentlichten Halbjahresbericht von Vetropack die Rede von Lieferengpässen, die die gesamte Industrie nicht vollständig habe auffangen könne. Vetropack selbst musste auf Lagerbestände zurückgreifen. Dank der hohen Nachfrage konnten die Hersteller dabei schon mal die Preise erhöhen, ohne dass der Absatz zurückging.

Kapazitäten abgebaut - jetzt fehlen die Flaschen

Schon im vergangenen Jahr wies die Glasindustrie sehr deutliche Zuwachsraten aus. Alleine in Deutschland kletterten die Umsätze der 470 Betriebsteile der Branche nach deutlichen Rückgängen in den Vorjahren um mehr als acht Prozent auf 8,27 Milliarden Euro. Das war der anziehenden Baukonjunktur in Deutschland zu verdanken, die die Nachfrage ankurbelte.

Aber auch Verpackungsglas war und ist in diesen Tagen überdurchschnittlich gefragt. Im Frühjahr klagten Winzer, bestimmte Flaschen für Bocksbeutel- oder Bordeaux-Weine seien schwer zu beschaffen. Die Firmen hatten unter anderem auf Nachfragerückgänge im Zusammenhang mit der Einführung des Einwegpfands mit Kapazitätsabbau reagiert. Aus heutiger Sicht muss man wohl sagen: überreagiert.

Denn im kommenden Jahr dürfte die Fußball-Europameisterschaft die Nachfrage nach Bierflaschen insbesondere in der Schweiz und Österreich „markant ankurbeln“, erwarten Fachleute. Bei Vetropack sind schon jetzt alle Werke voll ausgelastet, wie das Unternehmen feststellt. Damit lässt sich zwar der Umsatz im zweiten Halbjahr im Vergleich nicht mehr steigern; allerdings könne die Holding für das Gesamtjahr mit einem „Ergebnis über dem Vorjahr“ rechnen, erläutert Verwaltungsratspräsident Hans R. Rüegg.

Kursziel von 1.800 auf 2.500 Franken erhöht

Alles Faktoren, die für Anleger einen Blick auf die Vetropack-Aktie nahelegen. Die Bank Vontobel hat ihr Kursziel für Vetropack jetzt von 1.800 Franken auf 2.500 Franken erhöht und die jüngst vorgelegten Halbjahreszahlen überschwenglich gelobt. So stieg der Bruttoumsatz im Halbjahresvergleich um 22 Prozent auf 346 Millionen Franken, das Ebit schoss um 152 Prozent auf 58,5 Millionen Franken nach oben. Die Umsatzmarge von rund 17 Prozent soll sich bis 2009 als „nachhaltig erweisen“, schätzen die Analysten.

Dies würde das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 2007 an auf Werte um zehn drücken. Die Aktie wäre mithin alles andere als teuer. Im Vergleich mit Schweizer Industriewerten notiert Vetrapack mit einem Abschlag um rund ein Viertel. Und last but not least macht auch der Chart einen guten Eindruck. Seit 2005 weist der Langfristtrend beständig nach oben. „Ein Substanzwert mit externer Wachstumsphantasie“, resümiert Vontobel.

Charttechnisch verzeichnet die Aktie seit nun mehr über vier Jahren einen kontinuierlichen Aufwärtstrend, der allerdings in der jüngsten Konsolidierung einen Dämpfer erhielt. Seitdem aber hat sich die Notierung gefangen und strebt im derzeit freundlicheren Börsenumfeld ihrem Mitte Juli erreichten Allzeithoch von 2018 Franken wieder entgegen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @tih
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