29.01.2008 · Die am Mittwoch beginnende Quartalssaison der Dax-Konzerne dürfte nach Analystenschätzungen deutlich trüber ausfallen als in den vorangegangenen Jahren. Die Gewinnentwicklung, der wichtigste Treiber für die Aktienmärkte, macht schlapp.
Die an diesem Mittwoch beginnende Quartalssaison der Dax-Konzerne dürfte nach Analystenschätzungen deutlich trüber ausfallen als in den vorangegangenen Jahren. Nur noch gut die Hälfte der Unternehmen werde von steigenden Gewinnen berichten, heißt es in einer Studie der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Ohne Sonderfaktoren seien die Gewinne sogar rückläufig.
"Wir haben beim Gewinnwachstum und auch bei den Gewinnrevisionen die besten Zeiten bereits gesehn", sagt Andreas Hürkamp, Aktienstratege der Commerzbank. "Mittlerweile werden die Gewinnschätzungen eher zurückgenommen als erhöht." Doch selbst diese Schätzungen zweifelt der Aktienmarkt offenbar an.
Anleger zweifeln an den Gewinnschätzungen für das laufende Jahr
"Der jüngste Kursrutsch zeigt die erheblichen Zweifel, die viele Marktteilnehmer den Schätzungen entgegenbringen", sagt Hürkamp. So gingen die Erwartungen für das Jahr 2008 von einem Gewinnwachstum der Dax-Konzerne um 11 Prozent aus - im Sommer hatten die Schätzungen noch bei 13 Prozent gelegen -, der Markt habe aber längst wesentlich geringere Gewinnsteigerungen in den Kursen berücksichtigt. "In das jetzige Kursniveau ist bereits ein Gewinnwachstum von nur noch 5 Prozent für das Jahr 2008 eingepreist", sagt Hürkamp. "Aber selbst wenn die Gewinne dieses Jahr gar nicht steigen sollten, wären Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von weniger als 13 derzeit sehr günstig."
Der deutsche Markt stehe dabei international weiter besonders gut da. "Die Auftragseingänge von Siemens sind schon beeindruckend, die Deutsche Bank kann bisher als relativer Gewinner der Bankenkrise bezeichnet werden und ein Automobilkonzern wie Volkswagen berichtet trotz schrumpfender Absatzmärkte in Deutschland und den Vereinigten Staaten von neuen Absatzrekorden."
Auch die Analysten der LBBW erwarten sich besonders vom Automobilsektor erfreuliche Nachrichten. "Hier drüften im vierten Quartal die Steigerungen des operativen Gewinns am höchsten sein", sagt Marc-Gregor Czaja, Aktienstratege der LBBW. "Der Trend von höheren Verkaufszahlen und steigender Gewinnmargen scheint weiter intakt." Mit sehr viel mehr Ungemach rechnet Czaja abermals im Banksektor. Hier unterstellt die LBBW einen Rückgang der Nettogewinne gegenüber dem Vorjahr von 68 Prozent. Aber auch in anderen Bereichen wie zum Beispiel der Stahlindustrie wird mit sinkenden Gewinnen gerechnet.
In den Vereinigten Staaten deutet sich ein deutlicher Gewinnrückgang an
"Insgesamt dürften nur noch gut die Hälfte der Dax-Unternehmen im vierten Quartal steigende Gewinne gehabt haben", sagt Czaja. "Insgesamt rechnen wir daher nur noch mit einem Anstieg der Nettogewinne um knapp 6 Prozent, bereinigt um Sondereffekte wie die Erlöse von Siemens aus dem VDO-Verkauf sogar mit einem Rückgang um mehr als 20 Prozent."
Für das Gesamtjahr 2007 gehen die durchschnittlichen Analystenschätzungen noch von einem Anstieg um 15 Prozent aus. Diese Schätzung lag vor einem Monat noch bei 17 Prozent. "Seit dem Jahr 2003 wurden die Gewinnschätzungen regelmäßig nach oben angehoben und haben dadurch dem Aktienmarkt viel Schwung verliehen", sagt Hürkamp. "Seit drei Monaten stagnieren sie aber und gehen nun sogar zurück." Damit wirkt der wesentliche Treiber der Aktienmärkte nun in umgekehrter Richtung. Die Gewinne und deren mutmaßliche Entwicklung sind die wichtigste Kenngröße zur Bewertung eines Unternehmens an der Börse.
Für Unruhe nicht nur am deutschen Aktienmarkt sorgt derweil die bereits voll im Gang befindliche Berichtssaison in den Vereinigten Staaten. Nach den Hauptversammlungen von Thyssen-Krupp und Siemens, die ihr Geschäftsjahr im September schließen, ist SAP an diesem Mittwoch der erste Dax-Konzern, der über seine Geschäftstätigkeit im vierten Quartal und damit auch im gesamten Geschäftsjahr 2007. Die Amerikaner berichten hingegen schon seit Anfang Januar über ihre Geschäfte von Oktober bis Dezember 2007. Gingen die Analysten Anfang Oktober noch von einem Gewinnanstieg um 11 Prozent aus, so wird nach der Vorlage von 160 der 500 Unternehmensberichte aus dem S&P 500 nun mit einem Gewinnrückgang um gut 20 Prozent gerechnet. Dies ist zu einem Gutteil den erheblichen Problemen in einigen Banken geschuldet, aber auch in anderen Branchen wurden die Gewinnaussichten deutlich nach unten revidiert. Bereits im dritten Quartal waren die Gewinne rückläufig und waren deutlich hinter den Prognosen zurückgeblieben. "Derzeit ist in den Kursen schon eine Stagnation der Gewinne im Jahr 2008 eingepreist", sagt Hürkamp.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |