Home
http://www.faz.net/-gv7-nxtk
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Gewinnausblick Schwacher Ausblick

08.01.2008 ·  Die Kreditkrise hat die Bilanzen der amerikanischen Investmentbanken schon 2007 heftig mitgenommen. Auch in diesem Jahr wird es wohl kaum besser: Analysten haben ihre Gewinnprognosen um mehr als 33 Milliarden Dollar gesenkt.

Von Norbert Kuls, New York
Artikel Bilder (10) Lesermeinungen (0)

Die Börsianer an der Wall Street bereiten sich auf eine schwierige Bilanzsaison vor. Vor allem schwache Ergebnisse von Banken, die unter den Auswirkungen der Hypothekenkrise leiden, werden nach Ansicht von Analysten zu einem insgesamt nachlassenden Gewinnwachstum im breitgefassten Aktienindex S&P-500 führen. Für die im S&P-500 abgebildeten Unternehmen rechnen Analysten aktuell mit einem Rückgang des Wachstums im vierten Quartal um 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das berichtet der Finanzinformationsdienst Thomson Financial, der die Prognosen der Aktienanalysten an der Wall Street auswertet.

Die Gewinnprognosen sind in den vergangenen drei Monaten dramatisch gefallen. Anfang Oktober hatten Analysten noch ein Gewinnwachstum von 11,5 Prozent für den S&P-500 prognostiziert. Unternehmensgewinne sind ein wichtiger Faktor für die zukünftige Entwicklung der Aktienkurse.

Konjunktur leidet wieder so stark wie nach dem 11. September

Schon im dritten Quartal waren die Gewinne im Vergleich zum Vorjahr um 4,5 Prozent gesunken. Bestätigen sich die Prognosen für das Schlussviertel, würden die Gewinne der amerikanischen Unternehmen erstmals seit Anfang 2002 zwei Quartale hintereinander fallen, schreibt Analyst John Butters von Thomson Financial. Damals hatte die amerikanische Konjunktur unter den Auswirkungen der Terroranschläge vom 11. September 2001 gelitten. Den inoffiziellen Beginn für die Berichtssaison wird am Mittwoch nach New Yorker Börsenschluss der Aluminiumkonzern Alcoa machen. Alcoa ist traditionell das erste im populären Aktienindex Dow Jones Industrial Average abgebildete Unternehmen, das seine Zahlen vorlegt.

Die Hauptphase der Quartalsberichte kommt erst in den Wochen danach. Der Bericht von Alcoa droht schon jetzt ein schwacher Auftakt zu werden. Der Kurs der Alcoa-Aktie ist Anfang dieser Woche stark unter Verkaufsdruck geraten, nachdem vier Banken ihre Gewinnschätzungen für das Unternehmen zurückgenommen hatten. Als Gründe nannten die Analysten einen Rückgang der Aluminiumpreise sowie eine Schwäche in wichtigen Absatzmärkten, etwa bei der Automobilindustrie. Investoren an der Wall Street werden in dieser Quartalssaison möglicherweise noch stärker als üblich auf die Kommentare der Unternehmen zu ihren Zahlen achten.

Sorge um Konsumlaune der Verbraucher

An der Wall Street wird nämlich eine Antwort auf die Frage gesucht, ob die Schwäche der Bankenwerte und bei den Immobilien-Titeln sich auf den Rest des Marktes ausbreiten wird. „Die Stellungnahmen zum Ausblick werden sehr wichtig sein. Unternehmen außerhalb des Finanzsektors sprechen über die konjunkturelle Lage und die Banken werden mögliche weitere Abschreibungen diskutieren“, sagte Ted Oberhaus, Chef des Aktienhandels bei der Fondsgesellschaft Lord Abbett.

So belasten die Hypothekenkrise, die damit zusammenhängende Schwäche des Häusermarktes, sowie steigende Benzinpreise die Haushaltskassen der amerikanischen Verbraucher. Die Verbraucher sind für mehr als zwei Drittel des amerikanischen Wirtschaftswachstums verantwortlich. An der Wall Street hat die Sorge um die Kauflaune der Verbraucher bereits dazu geführt, das Aktienkurse konjunkturabhängiger Konsumtitel wie Autohersteller oder Warenhäuser unter Verkaufsdruck gerieten.

Lichtblick bei den Technologiewerten

Der wichtigste Faktor für die negative Quartalsprognose ist das Finanzsegment im S&P 500. Banken hatten bereits in den vergangenen Monaten mit wenigen Ausnahmen hohe Wertberichtigungen ihrer Hypothekenanlagen vorgenommen. Analysten rechnen im Durchschnitt mit einem Gewinnrückgang um 66 Prozent für die Geldhäuser, was die Finanzbranche zum schwächsten Segment im S&P 500 machen würde.

Seit Anfang Oktober haben Analysten ihre Gewinnschätzungen für Universalbanken, Wertpapierhäuser sowie für Hypothekenbanken und Sparkassen um mehr als 33 Milliarden Dollar zurückgenommen, hieß es bei Thomson Financial. Lichtblicke werden nach Einschätzung der Auguren die Technologiewerte sein. Analysten rechnen im Durchschnitt mit einem Gewinnzuwachs um 22 Prozent für die Branche, die einen großen Teil ihrer Gewinne im Ausland erwirtschaftet und von positiven Währungseffekten profitiert.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

Jüngste Beiträge

25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
25.05.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.339,94 +0,38%
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
TecDAX 752,47 +0,08%
MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
Bund Future 144,35 € +0,25%