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Gesundheitsmarkt Amerika Chancen mit Obama

20.01.2009 ·  Als sich der Sieg Obamas bei den Präsidentschaftswahlen abzeichnete, zogen sich Investoren zusehends aus Pharma-Aktien zurück. Sie fürchten die Gesundheitsreform. Doch das könnte zu kurz gesprungen sein.

Von Aron Pressman
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Als ein Sieg Barack Obamas in der Endphase des Präsidentschaftswahlkampfs 2008 immer wahrscheinlicher wurde, zogen sich Investoren zusehends aus Aktien von Pharmaunternehmen zurück. In den zwei Monaten vor dem Wahltermin verlor Johnson & Johnson 18 Prozent, Schering-Plough 23 Prozent und Eli Lilly sogar 28 Prozent. Unter Anlegern machte sich die nicht ganz unberechtigte Sorge breit, dass die von Obama angekündigte Gesundheitsreform mit Einbußen verbunden sein wird.

Das staatliche Gesundheitsfürsorgesystem Medicare wird mit den Pharmaunternehmen niedrigere Preise für Medikamente aushandeln und damit ein Verbot staatlich verordneter Rabatte aufheben, das Bestandteil des ursprünglichen Versicherungsprogramms Medicare Part D von 2003 war.

Zulassungsstau könnte sich auflösen

Nach Aussagen einiger auf den Gesundheitssektor spezialisierter Fondsmanager sei die Medicare-Preisgestaltung allerdings nur einer der relevanten Faktoren. Dieser versperre Anlegern aber womöglich die Sicht auf die erheblichen Vorteile für Pharmaunternehmen, die sich durch Obamas Stärkung der amerikanischen Nahrungs- und Arzneimittelbehörde (FDA) ergeben dürften, vermutet Sam Isaly, Co-Manager des Eaton Vance Worldwide Health Sciences Fund. „Die Preisgestaltung kann, muss aber nicht negativ ausfallen, während sich die Veränderungen der FDA als sehr positiv erweisen werden“, sagt er.

Die FDA steht wegen ihrer laxen Aufsicht und ihrer Ineffizienz im Kreuzfeuer der Kritik, die Beziehungen zwischen der Behörde und ihrer zuständigen Kongressaufsicht gelten als angespannt. Isaly zufolge wurden von der FDA in den vergangenen Jahren nur wenige Medikamente „von Bedeutung“ zugelassen, da die Behörde vor möglichen Kontroversen zurückschreckte. „Hier könnte es zu einem Richtungswechsel kommen“, so Isaly.

Favoriten: Novartis & Bristol-Myers Squibb

Berücksichtigt man zudem die niedrige Bewertung der Aktien und die hohen Dividendenrenditen, dann erscheinen zahlreiche Papiere der Pharmabranche durchaus attraktiv. Unter den großen Pharmakonzernen zählen Novartis und Bristol-Myers Squibb zu Isalys Favoriten. Im September 2012 endet der Patentschutz für das von Novartis entwickelte Blutdruckmedikament Diovan; das Unternehmen arbeitet jedoch mit Hochdruck an mehreren anderen erfolgversprechenden Arzneimitteln zur Behandlung von Nierenkrebs, Hirnhautentzündung und multipler Sklerose.

Der Patentschutz von Plavix, einem Blockbuster-Medikament von Bristol-Myers Squibb zur Blutverdünnung, läuft 2011 aus. Das Unternehmen nimmt massive Kostensenkungen im Volumen von 2,5 Milliarden Dollar vor und hält zugleich Ausschau nach vielversprechenden kleineren Pharma-Unternehmen als mögliche Übernahmeziele.

Generika-Hersteller in den Startlöchern

Die Gesundheitsreform dürfte auch die Perspektiven für Generika-Hersteller verbessern. Bis 2012 laufen Patente aus, die der Pharmaindustrie bislang jährliche Umsätze von 25 Milliarden Dollar beschert haben, wovon die Generika-Branche profitieren wird.

Daneben plant der neu gewählte Kongress eine erneute Prüfung des Sachverhalts, der die bislang illegale Herstellung von Nachahmer-Versionen biologischer Medikamente (Biologika) gestatten soll, die im Unterschied zu synthetisch-chemischen Arzneimitteln mittels biotechnischer Verfahren aus lebenden Zellkulturen gewonnen werden.

Aus Sicht von Rosanne Ott, Co-Managerin des Alger Health Sciences Fund, sind Teva Pharmaceutical Industries und Mylan für die kommenden zwei Jahre in diesem Bereich am besten aufgestellt. Nach ihrer Einschätzung macht Teva Fortschritte bei der Integration des im vergangenen Jahr übernommenen Unternehmens Barr Pharmaceuticals, während Mylan nach dem 2007 und 2008 erfolgten Erwerb der Generika-Sparte von Merck die Erwartungen der Anleger im laufenden Jahr übertreffen dürfte.

Die Welt ist mehr als Amerika

Vorhersagen über sämtliche Gewinner und Verlierer der Gesundheitsreform sind zu diesem Zeitpunkt praktisch unmöglich. Hinzu kommt, dass die Aktien unter enormer Volatilität leiden könnten. Dies war auch zu Beginn der Regierung Clinton der Fall, als Fakten verschiedener Vorschläge der seinerzeit geplanten Gesundheitsreform durchsickerten, die zusammen mit Gerüchten eine rasante Berg- und Talfahrt der Aktien zahlreicher Unternehmen des Gesundheitssektors auslösten.

Isaly wird nach eigenen Aussagen möglicherweise auf eine simple Strategie zurückgreifen, die ihm in jener Zeit dabei half, die Fondskonkurrenz zu schlagen: Abstoßen amerikanischer Aktien und Hereinnahme internationaler Papiere. „Vielleicht müssen wir auf Altbewährtes zurückgreifen. Es gibt zu viel Lohnenswertes rund um den Globus, als dass man sich nur auf den Heimatmarkt beschränken sollte.“

Pressman ist Korrespondent der Business Week in Boston.

Quelle: Business Week Online
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