Ausnahme bestätigen die Regel - und mit Blick auf die Jahre 2002 und 2003 heißt eine Ausnahme Altadis. Blue Chips litten mehr oder weniger unter der Baisse an den Aktienbörsen, die Aktie des französisch-spanischen Tabakkonzerns aber nicht. Wer im Februar 2002 den Titel kaufte, hatte ein Jahr später sogar mehr Geld als Gegenwert.
Zwar lief die Notiz im weiteren Verlauf des Jahres 2003 abwärts, während sich die Aktienmärkte auf breiter Front erholten, doch fiel sie nicht aus ihrer Handelsspanne und drehte im Oktober wieder gen Norden. Und seitdem ist es unter dem Strich schön aufwärts gegangen.
Attraktive Dividendenpolitik
Das Kursbild von Altadis ist eine wahre Augenweide. Seit der zweiten Jahreshälfte 1999 bewegt sich der Titel im Aufwärtstrend. Binnen fünf Jahren ist ein Kursgewinn von fast 120 Prozent aufgelaufen und in den vergangenen drei Jahren ein Plus von 60 Prozent. Seit Ende August 2004 steht ein Plus von 40 Prozent zu Buche.
Zudem hat der „Gauloises“-Hersteller in den vergangenen Jahren seine Dividende stetig gesteigert; zuletzt zahlte er je Aktie insgesamt 95 Cent vor Steuern, aufgeteilt in zwei Tranchen als Zwischen- und Jahresdividende.
Gemessen an den Analystenprognosen dürfen die Aktionäre auf eine höhere Ausschüttung zählen. Eine gute Grundlage sind die bisher - moderat - steigenden Gewinne, die durch eine zuversichtliche Prognose ergänzt werden. Mit seinen Ertragszahlen zum ersten Halbjahr hat der Konzern die Erwartungen des Marktes weitgehend getroffen. Auch wenn der Periodenüberschuß knapp unter der durchschnittlichen Prognose lag, bekräftigte die Deutsche Bank ihren Rat, die Aktie mit dem Kursziel 36,50 Euro zu kaufen. Aktuell notiert die leicht im Minus liegende, neutral bewertete Aktie in Frankfurt mit 35,33 Euro.
Umsatz um knapp 14 Prozent gestiegen
Altadis hat das Nettoergebnis trotz eines schwachen Zigarettengeschäfts in Spanien im ersten Halbjahr 2005 um 2,9 Prozent auf 255,3 Millionen Euro gesteigert. Aufgefangen wurde diese Schwäche von den zwischenzeitlich konsolidierten Akquisitionen, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Halbjahresbericht des spanisch-französischen Tabakkonzerns hervorgeht.
Analysten hatten im Mittel unter dem Strich mit 260 Millionen Euro Gewinn gerechnet. Beim Umsatz verzeichnete der Konzern ein Wachstum von 13,9 Prozent, für das zweite Quartal lag es sogar bei 17,7 Prozent. Sehr gut sei der Zigarrenabsatz und die internationalen Verkäufe der „Gauloises“ verlaufen, erklärte Altadis.
Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte Altadis um 8,4 Prozent auf 556 Millionen Euro zu. Hier hatten die von Dow Jones Newswires befragten Analysten im Mittel mit 550 Millionen Euro gerechnet. Das unter dem Strich gegenüber dem Vorjahreszeitraum geringere Wachstum führte der Konzern darauf zurück, daß er im ersten Halbjahr 2004 von einer geringeren effektiven Steuerquote profitiert habe.
Zum Wachstum beigetragen habe dagegen die zur Hälfte erstmalig konsolidierte Aldeasa, ein Betreiber von Duty-Free-Shops auf Flughäfen, die Altadis in diesem Jahr zusammen mit der italienischen Autogrill übernommen hatte. Sei dem ersten Quartal verbucht Altadis ebenfalls die Einnahmen des russischen Tabakunternehmens Balkan Star sowie des italienischen Tabakvertriebs Etinera.
Verluste von Marktanteilen auf Heimatmärkten
Die Zukäufe hätten 189 Millionen Euro zum Umsatz und 35 Millionen Euro zum Ebitda beigetragen und das Verhältnis des Ebitda zum Umsatz, die Ebitda-Marge, wie erwartet verwässert. Altadis wies diese Renditekennziffer für das Halbjahr mit 28,6 Prozent aus nach 30 Prozent im Vorjahr. Im zweiten Quartal stieg das Ebitda um 10,3 Prozent auf 314 Millionen Euro, und die Marge erreichte 29,5 Prozent. Wechselkurseffekte schmälerten den Umsatz im ersten Halbjahr um 21 Millionen Euro.
Altadis verlor sowohl in Spanien als auch in Frankreich Anteile am Markt für Zigaretten mit der am weitesten verbreiteten Tabaksorte Virginia. In Spanien ging er auf 25,3 Prozent (27,5 Prozent), in Frankreich auf 18,5 Prozent (18,8 Prozent) zurück. Dennoch bestätigte Altadis mit Blick auf das Gesamtjahr die Erwartung, daß das Ergebnis mit der „sehr positiven“ Entwicklung des Jahres 2004 vergleichbar sein werde.
Weiter steigende Gewinne prognostiziert
Für die Deutsche Bank ist Altadis neben BAT der „top pick“ in der Branche der Tabakhersteller. Analyst Gerry Gallagher rechnet mit einem Jahresgewinn je Aktie von 2,50 Euro, was auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,5 für dieses Jahr hinausläuft; für 2006 sieht er diese Kennziffern bei 2,86 Euro und 12,5.
Er ist mithin etwas zuversichtlicher als seine Berufskollegen, da das durchschnittliche KGV für das laufende Jahr bei 15,7 liegt. Zu den Analysten, die den Titel zurückhaltender sehen, zählt Antonio José Castell von der spanischen Ibersecurities. „Der Großteil des Wachstums kommt von den übernommenen Firmen“, merkte er laut Bloomberg kritisch an. Aus seiner Sicht ist die Aktie ein Verkauf.
Allerdings ist mit Blick auf Bewertung und Trend kein Grund ersichtlich, das in Deutschland bei nur geringen Umsätzen gehandelte Papier abzustoßen. Auch ist die Dividendenrendite nicht zu verachten, die bei 2,6 Prozent liegt und nach der Prognose von Gallagher bis 2007, gemessen am jetzigen Kurs, auf 3,1 Prozent steigen soll.
Angesichts der gemischten Absatzentwicklung wird es allerdings darauf ankommen, daß Altadis auf den neuen Märkten wächst und die erfolgreiche Marke „Gauloises“ pflegt. Da dies alle Konkurrenten ebenfalls vorhaben, stellt dies eine Herausforderung dar. Doch die bisherige Geschichte von Altadis legt die Vermutung nahe, daß die Konzernführung ihr Geschäft versteht und Vertrauen verdient.