Viel Freude hatten die Eigentümer der führenden italienischen Versicherung Generali zuletzt nicht an ihren Aktien. Nach schweren Verlusten im Jahr 2011 erholte sich der Kurs seit dem Jahreswechsel im Einklang mit dem gesamten italienischen Aktienmarkt spürbar. Die Veröffentlichung des Jahresabschlusses 2011 sorgte in der vergangenen Woche dann wieder für einen Dämpfer. Immerhin: Im Vergleich zum Jahresauftakt liegt der Kurs, der sich in der Nähe seiner 200-Tage-Linie bewegt, noch rund 10 Prozent im Plus.
Das in Triest ansässige Unternehmen zählt mit einem Börsenwert von 19 Milliarden Euro (Allianz: 42 Milliarden Euro) und Prämieneinnahmen von knapp 70 Milliarden Euro mit der Allianz und der französischen Axa zu den größten Versicherungsunternehmen Europas, wobei etwa zwei Drittel der Prämieneinnahmen auf Lebensversicherungen und ein Drittel auf Sachversicherungen entfallen. Größter Aktionär ist die italienische Großbank Mediobanca mit einem Anteil von 13 Prozent.
Auf dem deutschen Markt bezeichnet sich die Generali hinter dem Branchenführer Allianz als der zweitgrößte Erstversicherer. Die Prämieneinnahmen in Deutschland, wo die Generali vor Jahren die AMB-Gruppe erwarb, beliefen sich im vergangenen Jahr auf knapp 17 Milliarden Euro, von denen annähernd 14 Milliarden Euro auf Lebensversicherungen entfielen. In den vergangenen Jahren hat die Generali in Deutschland auch durch Veränderungen in der Betriebsorganisation versucht, die Effizienz des Geschäfts zu steigern.
Von nun an geht es aufwärts
Auf dem Aktienkurs der Generali lastet unter anderem der wenig eindrucksvolle Abschluss für das vergangene Jahr, in dem sich der Reingewinn gegenüber dem Geschäftsjahr 2010 auf 856 Millionen Euro halbierte. Hierfür waren in erster Linie Wertberichtigungen auf griechische Staatsanleihen und auf eine indirekt gehaltene Beteiligung an dem Unternehmen Telecom Italia verantwortlich. Die Dividende wurde von 45 auf 20 Eurocents je Aktie gekürzt.
Das Geschäft der Generali habe seinen Boden erreicht. Von nun an gehe es aufwärts, versicherte der Vorstandsvorsitzende Giovanni Perissinotto auf der Bilanzpressekonferenz. Die sogenannte Solvency-Ratio, die - vereinfacht - angibt, wie gut ein Versicherer Verluste ertragen kann, ist seit dem Jahresbeginn von 117 auf 132 Prozent gestiegen. Hierzu haben unter anderem Kursgewinne italienischer Staatsanleihen beigetragen.
Die Generali setzt auf mittlere Sicht auf eine spürbare Verbesserung im operativen Geschäft. Das Betriebsergebnis belief sich im Geschäftsjahr 2011 auf 3,9 Milliarden Euro und blieb unter der Planung, die einen Betrag zwischen 4 und 4,7 Milliarden Euro vorgesehen hatte. Für das laufende Geschäftsjahr peilt das Unternehmen ein Betriebsergebnis zwischen 3,9 und 4,5 Milliarden Euro an; auf mittlere Sicht soll das Betriebsergebnis 5 Milliarden Euro überschreiten.
An der Börse machten diese Prognosen bislang keinen besonderen Eindruck. Von 39 Analysten, die das Papier beobachten, stellen nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg nur 5 die Aktie zum Kauf. 20 Analysten empfehlen, das Papier zu halten, weitere 14 Analysten raten sogar zum Verkauf.
Das Problem der Generali sind zum einen die hochkompetitiven Märkte in Europa und die wirtschaftliche Schwäche, die das Heimatland Italien noch in ihrem Griff hält. Wachstumschancen sieht das Unternehmen unter anderem in Asien, wo neben China Schwellenländer wie Indonesien und Vietnam als sehr aussichtsreich betrachtet werden. Die Generali verzeichnet auf diesen Märkten auch ansehnliche Wachstumsraten; allerdings ist die Basis nicht sehr bedeutend, da der Konzern aus Triest sein Geschäft in diesen Schwellenländern nicht durch Akquisitionen ausbaut, sondern auf die eigenen Kräfte vertraut. Für eine größere Akquisition bedürfte es ohnehin einer Kapitalerhöhung, die im aktuellen Umfeld aber für das Unternehmen und seine Aktionäre kaum attraktiv wäre. Die Generali hat schon seit mehr als 10 Jahren keine Kapitalerhöhung mehr durchgeführt.
Das verwaltete Vermögen des Konzerns betrug zum Jahreswechsel 424 Milliarden Euro und wurde zu gut drei Vierteln in Zinspapieren gehalten. Als italienische Versicherung hält die Generali bedeutende Bestände an italienischen Staatsanleihen, aber sie zeigt auch an Unternehmensanleihen ein wachsendes Interesse ebenso wie an Immobilien.