03.07.2008 · Krise und kein Ende: Die Lage des amerikanischen Autoherstellers General Motors verschlechtert sich von Quartal zu Quartal. Schon sprechen Analysten offen von der Möglichkeit einer Insolvenz. Am Mittwoch stürzte der Aktienkurs um 15 Prozent und riss am Donnerstag deutsche Autotitel mit.
Die Aktie von General Motors ist am Mittwochabend aus der Kurve getragen worden. Um 15 Prozent auf 9,98 Dollar ist der Kurs an einem einzelnen Handelstag gestürzt. Dies ist der niedrigste Stand seit 54 Jahren.
Dies belastete am Donnerstag die Kurse der deutschen Hersteller. Zeitweise verloren Daimler 3,5 Prozent auf 36,85 Euro. BMW notierten um bis zu 2,5 Prozent billiger bei 29,07 Euro. Porsche, die in keinem Index vertreten sind, verloren sogar 5 Prozent auf 87,60 Euro und VW sogar 16 Prozent auf 175,50 Euro. Im weiteren Handelsverlauf erholten sich jedoch die Kurse der deutschen Autotitel etwas.
Offenbar wird die Krise bei dem amerikanischen Autohersteller, der auf dem deutschen Markt vor allem mit Opel vertreten ist, von Quartal zu Quartal schlimmer. John Murphy, Analyst der Investmentbank Merrill Lynch, hat nun in einer Studie offen ausgesprochen, dass dem Autokonzern sogar die Insolvenz droht. Denn GM brauche rund 15 Milliarden Dollar frisches Kapital. Und offenbar hält der Analyst es für fraglich, ob der Konzern angesichts seiner desolaten Lage diesen Betrag auftreiben kann.
„Ein Bankrott ist nicht auszuschließen“
Der dramatische Einbruch der Absatzzahlen auf dem amerikanischen Automarkt werde auch im kommenden Jahr anhalten, fürchtete der Analyst. „Ein Bankrott ist nicht auszuschließen, wenn sich der Markt weiter verschlechtert“, schrieb Murphy.
Zuletzt notierte die GM-Aktie - um Aktiensplits bereinigt - am 2. September 1954 unter der Marke von 10 Dollar. Allein in den vergangenen neun Monaten hat die Aktie 74 Prozent an Wert verloren. Murphy hat seine Anlageempfehlung von „Kaufen“ auf „Untergewichten“ geändert und sein Kursziel auf 7 Dollar gesenkt.
GM reagierte umgehend auf die Studie mit einer E-Mail: Das Unternehmen habe „ausreichend Liquidität und finanzielle Flexibilität, um den Finanzierungsbedarf 2008 zu decken“. Der Konzern werden strukturelle Kosten senken, Vermögenswerte, die nicht zum Kerngeschäft gehören, verkaufen und andere Ausgaben verzögern oder ganz eliminieren.
Auch andere wenden sich von GM ab
Nicht nur Merrill Lynch wendet sich von der Aktie ab. Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte am Mittwoch angekündigt, dass den drei großen amerikanischen Autoherstellern Chrysler, Ford und General Motors die Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit in den nächsten drei Monaten droht. Denn nach Meinung der Kreditanalysten von S&P droht der Branche auch im kommenden Jahr ein schwacher Absatz.
Der GM-Vorstand sei jäh aus seiner „Fantasia-Traumwelt“ aufgewacht, urteilte ein amerikanischer Aktienanalyst. Das Gerede vom April, als die Konzernführung einen Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte versprach, habe sich als absurd herausgestellt.
Der Absatz ist stark gesunken
Im ersten Quartal hatte GM laut Finanzvorstand Ray Young Barmittel und leicht verkäufliche Wertpapiere von 24 Milliarden Dollar und Zugang zu noch nicht abgerufenen Darlehen von 7 Milliarden Dollar.
Es ist nicht Murphys Studie allein, die den Aktienkurs von GM am Donnerstag unter Druck setzte. Der Hersteller selbst musste einräumen, dass im Juni der Autoabsatz in den Vereinigten Staaten um 18 Prozent gefallen sei. GM setzte nur noch 13,6 Millionen Pkw und leichte Lastwagen ab. Dies ist der niedrigste Stand seit 1993.
Der amerikanische Autohandel beklagt, dass die heimischen Hersteller zu wenige Sprit sparende Modelle im Angebot hätten. In der Tat hatte GM jahrelang auf schwere Wagen wie die mittlerweile verkaufte Marke Hummer, auf Pickups und schnittige Sportwagen gesetzt und darüber die Entwicklung günstiger Kleinwagen vernachlässigt. Darauf will der Hersteller nun reagieren. Doch solche Veränderungen in der Modellpolitik erfordern zunächst zusätzliche Investitionen.
Ungeachtet dieser Fehler in der Modellpolitik haben sich die Aussichten für Autoaktien jedoch insgesamt verdüstert. Denn die Rekordpreise für Rohöl belasten nicht nur einzelne Modelle der Autohersteller. Wegen der verschlechterten Wachstumsperspektiven werden auch immer mehr Kunden die Anschaffung eines Wagens hinauszögern.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.757,94 | +0,44% |
| FAZ-INDEX | 1.508,12 | +0,49% |
| TecDAX | 780,92 | +0,91% |
| MDAX | 10.353,00 | +0,97% |
| SDAX | 5.020,82 | −0,06% |
| REX | 421,24 | −0,10% |
| Eurostoxx 50 | 2.493,96 | +0,23% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,55 | +0,36% |
| Dow Jones | 12.781,00 | −0,76% |
| Nasdaq 100 | 2.556,01 | −0,75% |
| S&P500 | 1.343,23 | −0,54% |
| Nikkei225 | 9.255,16 | −0,06% |
| EUR/USD | 1,3016 | −0,34% |
| Rohöl Brent Crude | 118,73 $ | −0,26% |
| Gold | 1.733,00 $ | +0,64% |
| Bund Future | 139,05 € | +0,38% |