Es ist ein Börsengang der Superlative. Dank der regen Nachfrage kann General Motors mehr Aktien verkaufen, als bisher angedacht. Die Zahl der angebotenen Aktien wird um fast ein Drittel auf 478 Millionen erhöht und auch der Ausgabepreis wurde für die Stammaktien von maximal 29 Dollar auf maximal 33 Dollar erhöht. Damit avanciert der bereits an diesem Donnerstag angepeilte Börsengang des amerikanischen Autoherstellers mit einem Volumen von 22,4 Milliarden Dollar zum Größten in der Geschichte Amerikas.
Wer nur etwas zurückblickt, den mag diese Euphorie rund um den Titel überraschen, schließlich ist die Insolvenz des Unternehmens erst gut ein Jahr her. Überleben konnte die Gesellschaft nur, weil die amerikanische Regierung fast 50 Milliarden Dollar zur Rettung beigetragen hat. Seitdem hält der amerikanische Staat 61 Prozent an GM (Kanada bekam knapp 12 Prozent. Weitere 17,5 Prozent bekam die Automobilgewerkschaft UAW, die im Gegenzug auf Sozialleistungen verzichtete).
Rückkehr in die Gewinnzone schürt Anlegerinteresse
Wenn es jetzt zum ersten Rückzahltag kommt, scheint das Geschäft unter dem Strich auf den ersten Blick halbwegs aufzugehen. Allerdings stellt sich schon die Frage, ob so ein willkürlicher staatlicher Eingriff in die freie Marktwirtschaft gutgeheißen werden soll. Denn es ist kritisch zu sehen, wenn ein Unternehmen, das jahrelang vor allem mit Missmanagement aufgefallen ist, einen Fallschirm bekommt, während viele kleinere Betriebe auf solche Hilfen nicht vertrauen können. Auch warten wir bereits jetzt auf die Zeit, in der die Autobranche allgemein wieder in die Krise zurückfallen wird. Derzeit erfreut sich der Sektor zwar bekanntlich eines fast wundersamen Heilungsprozesses, aber ob langfristig wirklich alle Anbieter überleben werden, bleibt abzuwarten.
Was General Motors selbst angeht, so hat die neue Führung erst einmal ihre Hausaufgaben gemacht. Für das dritte Quartal wurde über einen Nettogewinn von 2,0 Milliarden Dollar berichtet. Es war das dritte profitable Quartal in Folge. Auch für das Gesamtjahr soll ein Gewinn ausgewiesen werden. Das wäre der erste Jahresgewinn seit 2004.
Noch gibt es viele Probleme zu lösen
Doch es gibt weiterhin Schwächen und Risiken. So fallen im Europa-Geschäft mit den Marken Opel und Vauxhall weiterhin hohe Verluste an. Das Unternehmen warnte zudem bereits vor einer Abschwächung der Gewinnentwicklung im Schlussquartal des Jahres. Außerdem bleiben die Rückstände bei den Zahlungen an die Pensionsfonds im Umfang von geschätzten 35 Milliarden Dollar selbst für eine nun auf einer solideren Basis stehenden Gesellschaft als vor der Insolvenz ein Damoklesschwert.
Trotzdem sieht es derzeit so aus, als ob der Börsengang gut über die Bühne gebracht würde. Und nach dem derzeitigen Stand winken sogar Zeichnungsgewinne. Ob man nach der Geschichte von General Motors in der Hoffnung auf ein paar Gewinne unbedingt mitmischen sollte, kann aber durchaus kritisch hinterfragt werden. Denn bei Kursen am oberen Ende der Preisspanne würde der Gesellschaft in etwa ein ähnlicher Wert wie Ford zugebilligt, obwohl der Konkurrenz derzeit besser dasteht.
Auch muss das neue Management erst noch beweisen, wie gut es in der Lage sein wird, das Unternehmen langfristig voranzubringen. Genug zu tun gibt es auf jeden Fall. Im September bewegte sich der Marktanteil in Amerika nur bei 18 Prozent und damit in der Nähe des Rekordtiefs. Aus das signalisiert, dass es bis zur Behebung der Sünden aus der Vergangenheit noch ein langer Weg sein wird.