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Geldpolitik Schockt die Fed die Märkte?

 ·  Die Finanzmärkte gehen davon aus, dass die amerikanische Zentralbank weitere Liquidität in die Wirtschaft bringen will. Sie müsste die Anleger allerdings „schocken“, um fallende Kurse aus Enttäuschung hoher Erwartungen zu vermeiden.

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Mit Kursgewinnen von bis zu zwölf Prozent hat der F.A.Z.-Index in den vergangenen Tagen auf die Interventionen der Zentralbanken am Swapmarkt reagiert.

Sie hatten nach dem Ausverkauf an den Märkten zuvor das Ziel, Sorgen über eine Liquiditätsversorgung der Banken in Europa etwas zu lindern und die Aktienmärkte insbesondere auch vor dem großen Verfallstag an den Terminbörsen am vergangenen Freitag „aufzuproppen“. Das ist eine gezielte Strategie, die in der Vergangenheit immer wieder zu beobachten war.

Zunehmende Wetten auf die Stimulierung durch die Zentralbanken

Nach einem kurzen Rückschlag am Montag steigen die Aktienkurse am Dienstag trotz der Herabstufung der Kreditwürdigkeit Italiens, eines schwachen ZEW-Index (er kann ohnehin aufgrund seines starken prozyklischen Charakters als Kontraindikator gelten) und wenig überzeugenden makroökonomischen Daten in weiten Teilen der Welt wieder.

Hintergrund ist die Erwartung, die Zentralbanken - allen voran die amerikanische - wollten die Märkte erneut künstlich stimulieren, wie sie es schon auf dem Höhepunkt der weiterhin schwelenden Banken- und Finanzkrise taten. Damals führten gewaltiger monetäre und fiskalpolitische Impulse zu einer Bodenbildung der Aktienmärkte im März des Jahres 2009 und in der Folge zu einer beeindruckenden Rally. Der F.A.Z.-Index konnte bis in den April des laufenden Jahres hinein Kursgewinne von bis zu 68 Prozent verzeichnen.

Nach Kursrückschlägen von bis zu 32 Prozent in den vergangenen Wochen rechnen immer mehr Marktteilnehmer mit ähnlichen Maßnahmen, obwohl sie zumindest in den Vereinigten Staaten realwirtschaftlich kaum etwas gebracht haben. Denn dort schwächelt die Konjunktur längst wieder und Immobilien- sowie der Arbeitsmarkt bleiben sehr schwach. Längst jedoch ist die so genannte „Operation Twist“, eine weitere „geldpolitische Lockerungsübung“ in begrenztem Ausmaß, eingepreist. In diesem Rahmen würde die Zentralbank Staatsanleihen langer Laufzeit erwerben, um die Rendite am langen Ende tief zu halten - und dagegen Papiere mit kürzerer Laufzeit verkaufen.

Eine weitere denkbare Maßnahme wäre die Absenkung oder gar Abschaffung jener 0,25 Prozent Zinsen, die die Federal Reserve Geschäftsbanken auf bei ihr geparkte, überschüssige Reserven zahlt. Damit könnten die Geldhäuser zumindest in der Theorie gezwungen, in Staats- oder Unternehmensanleihen beziehungsweise in Aktien zu investieren, selbst wenn sie nicht mehr Kredite vergeben wollen.

Geht die Federal Reserve trotz ausbleibendem Erfolg bis zum bitteren Ende?

Angesichts ihrer relativen und nachhaltigen Erfolgslosigkeit jedoch steigen die Erwartungen, die amerikanische Zentralbank könnte am 20. und 21. September, wenn der Offenmarktausschuss der Federal Reserve zusammenkommt, die Märkte „schocken“ und wieder nach oben treiben wollen. In diesem Falle könnte er die Bilanz der Zentralbank noch weiter aufblähen, ein Renditeziel ankündigen, die Absicht bekunden, ausländische Wertpapiere zu erwerben oder gar ein Inflations- beziehungsweise ein Arbeitslosenratenziel ankündigen. Zudem könnte die Zentralbank Kredite direkt an Banken und Unternehmen bei Entgegennahme einer breiten Palette an möglichen Sicherheiten vergeben. Auf diese Weise würde nicht nur die verfügbare Liquidität im Markt erhöht, sondern die Kreditkosten im Privatsektor würden sinken.

Viele halten solche Maßnahmen alleine schon aus politischen Gründen für denkbar. Schließlich wolle die Zentralbank den Erfolg ihrer Strategie unbedingt beweisen und dazu beitragen, dass die gegenwärtige Regierung bessere Chancen auf eine Wiederwahl erhalte. Kritiker allerdings bezeichnen solche Maßnahmen als „letztes Gefecht“. Sollten auch sie wirkungslos bleiben, blieben keine Möglichkeiten mehr, die Wirtschaft künstlich zu stimulieren.

Skeptiker erklären ohnehin, ihre relative Schwäche sei auf hohe Schulden und den Mangel an kreditwürdigen Konsumenten, Unternehmen und Staaten und die damit verbundenen Konsolidierungszwänge zurückzuführen und nicht auf zu wenig Liquidität. Sie gehen davon aus, dass eine geldpolitische Überraschung in diesem Sinne zu einem kurzfristig Strohfeuer an den Finanzmärkten führen könne. Kursgewinne dieser Art seien jedoch zumindest an den Börsen nicht nachhaltig. Sollte die Überraschung ausbleiben, sei aus Enttäuschung sogar eine Verkaufswelle möglich.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @cri
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