06.05.2009 · Weil das gegenseitige Misstrauen der Banken allmählich nachlässt, hat sich auch die Schockstarre auf dem Geldmarkt gelockert. Das verbessert die Finanzierungsbedingungen der Banken und könnte sich günstig auf die Kreditvergabe auswirken.
Von Stefan Ruhkamp, FrankfurtAuf dem Geldmarkt mehren sich die Anzeichen der Entspannung. Der Markt, auf dem die Banken sich untereinander mit Liquidität versorgen, ist zwar immer noch weit davon entfernt, reibungslos zu funktionieren. Ohne die unkonventionelle Stützung durch die Europäische Zentralbank hätten viele Banken immer noch große Schwierigkeiten, sich genügend Geld zu leihen. „Aber immerhin lösen sich allmählich die stärksten Verspannungen“, erläutert Leef Dierks, Analyst bei Barclays.
Ablesen lässt sich das unter anderem an den rückläufigen Zinsunterschieden zwischen besicherten und unbesicherten Leihegeschäften der Banken. Vor der Finanzkrise war es nahezu einerlei, ob eine Bank Wertpapiere als Pfand stellte, wenn sie sich von anderen Banken Geld lieh, oder einen unbesicherten Kredit aufnahm. Der Unterschied im Zins machte zum Beispiel bei Geschäften mit drei Monaten Laufzeit im Durchschnitt weniger als 0,1 Prozentpunkte aus. Mit dem Beginn der Finanzkrise im Sommer 2007 stieg der Risikoaufschlag sprunghaft an und erreichte nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman im Herbst 2008 bei gut 1,8 Prozentpunkten den höchsten Stand. Seitdem geht die Risikoprämie allmählich zurück und hat sich mehr als halbiert auf nun rund 0,7 Prozentpunkte.
Die Lage hat sich verbessert
Gemessen am früheren Niveau ist das natürlich immer noch ein hoher Wert. Und Nout Wellink, Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), stellte am Mittwoch fest, das Finanzsystem habe noch nicht zur Stabilität zurückgefunden. „Bevor die Volkswirtschaften wieder auf einen Wachstumskurs kommen, muss sich der Finanzsektor stabilisieren - das ist noch nicht der Fall“, sagte er.
Gleichwohl hat sich die Lage verbessert. Dafür steht auch die stark rückläufige Nutzung der Einlagenfazilität der EZB durch die Geschäftsbanken. Die Banken können dort überschüssige Liquidität zu einem geringen Zinssatz über Nacht parken. Die Höhe dieser Einlage ist ein Krisensymptom, denn normalerweise stellt die EZB den Banken gerade so viel Geld bereit, wie sie zur Finanzierung des Bargeldumlaufs und der Mindestreserve benötigen. Das funktioniert in normalen Phasen, weil Banken, die wachsende Einlagen ihrer Kunden haben und deshalb gerade viele Überweisungen erhalten, das Geld an Banken weiterverleihen, die Abflüsse verzeichnen und deshalb über zu wenig liquide Mittel verfügen.
Doch dieser Austausch unter den Banken ist in der Finanzkrise gestört. Das gilt besonders für den bisherigen Höhepunkt der Krise im Oktober 2008, als keine Bank mehr von der anderen sicher wusste, ob diese nicht am nächsten Tag überschuldet oder zahlungsunfähig sein würde. Wer Geld hatte, hortete es. Deshalb versorgte die EZB das System mit viel größeren Summen, als bei einem funktionsfähigen Austausch erforderlich gewesen wären. Die überschüssigen Summen legten die Banken über Nacht bei der EZB an. So schwoll die Einlagenfazilität auf zeitweise mehr als 300 Milliarden Euro an. Allmählich hat sich die Lage so weit entspannt, dass viele Banken in ihrer Branche wieder als kreditwürdig gelten. Der verbesserte Austausch auf dem Geldmarkt senkte den Bedarf an Sicherheitsliquidität und drückte damit die Übernachteinlage bei der EZB auf zuletzt rund 50 Milliarden Euro.
„Das Vertrauen kann nur langsam wachsen“
Allerdings bedeutet das allmählich zurückkehrende Vertrauen nicht, dass das Bankensystem wieder stabil und ohne Krücken der EZB funktionieren würde. „Das Vertrauen kann nur langsam wachsen“, sagt Jan Pieter Krahnen, Professor für Kreditwirtschaft und Finanzierung am Frankfurter House of Finance. Ob die Erholung fortdauere, hänge vor allem vom Vertrauen der Marktteilnehmer in die Politik ab. Wichtig sei, dass die staatlichen Hilfen nicht zu Auflagen führten, die das grundsätzliche Geschäftsmodell der Bank gefährdeten. Noch gebe es keine Anzeichen dafür, dass sich eine starke Opposition gegen die Hilfen für die Banken etabliert.
Die Entspannung auf dem Geldmarkt gilt als einer der Hoffnungsschimmer in der Wirtschaftskrise. Derzeit verschlechtern die Banken zwar ihre Konditionen noch, wie die EZB kürzlich berichtete. „Aber die verbesserte Stimmung wird dazu beitragen, dass sich die Kreditvergabe in der zweiten Jahreshälfte wieder belebt“, sagt Andreas Rees, Volkswirt der Unicredit.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |