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Geldanlage : Alle Welt hofft auf China

Bild: Bengt Fosshag

Im Jahr der Schlange zieht die Wirtschaft in China wieder an. Das ist gut für die Börse. Wie Anleger mitverdienen.

          Dieses Jahr wird ein gutes für Geldangelegenheiten. Aber nur für die Menschen, die eine gut durchdachte Idee haben, entschlossen ihren Weg gehen und sich unterwegs nicht verzetteln. Es ist ratsam, sich jetzt weniger auf sein Bauchgefühl zu verlassen, sondern analytisch und mit kühlem Kopf zu entscheiden statt überstürzt und intuitiv.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Diese Empfehlungen gibt kein Star-Investor wie Warren Buffett. Kein berühmter Harvard-Ökonom. Und auch kein erfolgreicher Vermögensverwalter. Sie sind chinesische Wahrsagungen, die sich aus den Eigenschaften der Wasserschlange ableiten. Unter ihrer Regentschaft steht in China das neue Jahr, das dort heute beginnt.

          In China könnte es wieder aufwärts gehen

          Auch für die chinesische Wirtschaft soll es ein gutes neues Jahr werden. Nach fast zwei Jahren mit zurückgehenden Wachstumsraten soll die Konjunktur wieder an Fahrt aufnehmen. Und mit ihr der Aktienmarkt, der seit 2010 auf der Stelle tritt.

          China vor der Wende?
          China vor der Wende? : Bild: F.A.Z.

          Es wäre ein Segen nicht nur für Anleger, die stark auf China setzen. Sondern auch für die, die Schwellenländer insgesamt als ihre Wunschregion gewählt haben. Das sind unter deutschen Privatanlegern immer mehr. Geht es China gut, profitieren davon viele andere Schwellenländer, die den Staat mit Waren und Rohstoffen versorgen. Selbst Japan als wichtigster Handelspartner würde sich freuen. Und schließlich auch die deutschen Exportfirmen, die in China gutes Geld verdienen - egal ob Maschinenbauer, Elektroniklieferanten oder Autohersteller. Chinas Wohl interessiert die ganze Welt.

          Tatsächlich gibt es einige Hoffnung, dass es jetzt aufwärtsgeht in China. „Die chinesische Börse wird einer der erfolgreichsten Aktienmärkte 2013 sein“, sagt die in Hongkong arbeitende Fondsmanagerin Catherine Yeung von Fidelity. Hoffnung macht ihr vor allem, dass im März eine neue Regierung antritt. Damit ist endlich die Phase der politischen Unsicherheit vorbei, die die Anleger 2012 vor Aktienkäufen zurückschrecken ließ. Die neue Führung gilt als reformfreudig. Sie will staatsnahe Branchen wie Banken, Energie und Telekommunikation liberalisieren.

          Stimmung hellt sich auf

          Und sie will das Land unabhängiger von den Schwankungen der Weltwirtschaft machen: „China wird größere Anstrengungen unternehmen, die Binnennachfrage auszuweiten“, sagt der neue Staatschef Xi Jinping. Das heißt auch: Weniger Wachstum soll aus dem Export kommen, der derzeit durch die Schuldenprobleme in Europa und Nordamerika belastet wird. Damit soll das Wachstum wieder über die Marke von acht Prozent im Jahr springen. Das ist weniger als in früheren Jahren, in denen das Wachstum über zehn Prozent lag. Aber so viel ist künftig auch nicht mehr nötig, um für alle Chinesen Arbeit zu schaffen, denn die Bevölkerung beginnt zu schrumpfen. Schon im vierten Quartal 2012 wuchs die Wirtschaft erstmals seit fast zwei Jahren wieder, und Befragungen der Manager zeigen, dass sich die Stimmung aufhellt.

          Von Chinas Aufschwung profitieren
          Von Chinas Aufschwung profitieren : Bild: F.A.Z.

          Doch hohe Wachstumsraten bedeuten noch lange nicht, dass auch die Aktienkurse steigen. Das haben die vergangenen zwei Jahre gezeigt. Doch diesmal könnte auch die Börse vom Aufschwung profitieren. Schon im Dezember stiegen die Aktienkurse mit dem höheren Wirtschaftswachstum kräftig. Es könnte so weitergehen. „Chinas Aktien sind sehr günstig bewertet“, sagt Fidelity-Fondsmanagerin Catherine Yeung. „Ich erwarte Umschichtungen der Anleger von anderen asiatischen Börsen an den chinesischen Aktienmarkt.“

          Der ist zweigeteilt. Die Ausländer investieren an der Börse in Hongkong. Dort sind auch alle wichtigen chinesischen Unternehmen notiert. Sie sind im Index Hang Seng China Enterprises zusammengefasst, auf den auch deutsche Anleger mit Indexfonds setzen können. An den Börsen Schanghai und Shenzen ist der Zugang für Ausländer erschwert, die Kursentwicklung daher auch anders als von den gleichen Firmen, die in Hongkong gehandelt werden. Doch auch in Festlandchina tut sich etwas: Geplant ist, die erlaubte Quote für die Beteiligung von Ausländern zu verzehnfachen. Das würde einen Boom auslösen.

          China stark vom Export abhängig

          Anleger können auch auf deutsche Exportunternehmen setzen, die in China engagiert sind. Dann profitieren sie wenigstens zum Teil vom Aufschwung des Landes. Geeignet sind Autohersteller wie Daimler, VW und BMW oder Adidas, die vom wachsenden chinesischen Konsum begünstigt werden. Oder Maschinenbauer wie Gildemeister und Dürr. Und Elektroniklieferanten wie Süss Microtec, Dialog Semiconductor oder Infineon. Bei denen müssen Anleger aber aufpassen: Ihre Teile werden in China etwa in Mobiltelefonen verbaut. Die sind jedoch für die ganze Welt bestimmt. Der Geschäftserfolg hängt trotz großen China-Geschäfts weniger von der Entwicklung des Landes, sondern der globalen Wirtschaft ab.

          China ist eben trotz stärkeren Fokus auf den heimischen Konsum immer noch stark vom Export abhängig. Und selbst wenn sich dessen Bedeutung verringert, kann sich das Land nicht vom Rest der Welt abkoppeln. Verschärft sich etwa die Euro-Krise wieder, werden die Anleger Risiken reduzieren und dabei Schwellenländer-Börsen den Rücken kehren. Und auch im Land selbst bleiben Risiken: Wenn sich der gerade etwas gezähmte Anstieg der Hauspreise beschleunigen sollte, wird die Regierung wieder die Zügel straffen. Darunter leidet dann die ganze Wirtschaft.

          Die Wasserschlange ist eben nicht nur ein Zeichen für gute Börsen. Ihre undurchsichtige Art führt dazu, dass auch 2013 Konfrontationen und Disharmonien nicht ausgeschlossen werden können. Sagen zumindest die Wahrsager. Zum Glück irren sie oft.

          Quelle: F.A.S.

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