18.04.2006 · Mit Kampfpreisen werben die Internetbanken um Kunden. Viel Service darf man dabei aber nicht erwarten. Online-Broker im Preisvergleich.
Von Dyrk Scherff„5 Euro für jede Order - unabhängig vom Volumen“, wirbt der gerade gestartete Online-Broker Flatex für seine Sparpreise. Hinzu kommen nur noch die Börsengebühren. Der zweite Newcomer Directa kontert mit vier Euro für jede Transaktion. Das sind Kampfpreise.
Erstmals seit Jahren kommt damit Bewegung in den Wertpapierhandel über das Internet, den mittlerweile schon mehr als sieben Millionen Deutsche nutzen. Die Preise waren im März so günstig wie noch nie und damit sogar noch niedriger als in den Boomjahren um die Jahrtausendwende. Das hat der Marktbeobachter Brokertest errechnet. Ein Grund sind neben dem Markteintritt die neuen, auch zeitlich befristeten Tiefstpreise und Prämien der etablierten Internet-Wertpapierhändler. Sie wollen angesichts der guten Börsenstimmung auf diese Weise neue Kunden gewinnen.
Bei hohen Volumen unschlagbar
Flatex und der italienische Broker Directa bieten jetzt zusammen mit Nordnet die niedrigsten Preise (siehe Tabelle). Nordnet lockt zudem Neukunden für sechs Monate mit einem Dumpingpreis von 2,49 Euro je Transaktion.
Gerade bei hohen Volumen sind Flatex und Directa unschlagbar, weil sie eine volumenunabhängige Pauschalgebühr berechnen. Die meisten Transaktionen haben aber eine Höhe von durchschnittlich 1.200 Euro. Auch hier sind die drei unschlagbar. „Sie könnten vor allem für die Anleger interessant sein, die nur ein sehr eingeschränktes Angebot benötigen, weil sie zum Beispiel lediglich mit deutschen Standardaktien handeln“, bewertet Sigrid Herbst von der FMH Finanzberatung die beiden Neuen.
Directa: Das kleinste Angebot der günstigen Broker
Das ist der große Nachteil der günstigen Broker: Sie locken mit niedrigen Preisen, bieten aber nicht viel. Auf Beratung oder ein großes Angebot von Investmentfonds müssen Anleger verzichten. Directa und Nordnet haben überhaupt keine Fonds im Angebot, Flatex aber schon. Dafür hat Flatex einen anderen großen Nachteil: Die gerade in Xetra häufiger vorkommenden Teilausführungen von Aufträgen werden extra berechnet. Das heißt, werden die Wertpapiere nicht auf einmal, sondern in mehreren Schritten gekauft, fällt jedesmal die Pauschalgebühr von fünf Euro an.
Directa hat das kleinste Angebot der günstigen Broker. Keine Fonds, keine Optionsscheine, keine Anleihen und nicht alle Aktien. Dem Durchschnittsanleger reicht das nicht. „Wir wenden uns an sehr aktive Anleger, nicht an Sparer“, sagt Directa-Chef Mario Fabbri. Der Broker ist in Italien seit 1996 am Markt und hat derzeit 12.000 Kunden. In Deutschland bietet er den Aktienhandel über das Internet seit März an. Im Insolvenzfall gilt die italienische Einlagensicherung mit einer vergleichsweise geringen Absicherung von 20.000 Euro je Depot.
Die Depotgebühr gehört der Vergangenheit an
Wer ein breiteres Angebot will, muß sich die seit Jahren etablierten großen Broker wie Comdirect, DAB oder Cortal Consors ansehen. Sie bieten ein umfangreiches Informationsangebot aus Charts, Kursen, Unternehmenskennzahlen und Research. Oder offerieren Beratung, den bei Privatanlegern so beliebten außerbörslichen Wertpapierhandel und auch Zugang zu vielen Auslandsbörsen. Und fast alle Fonds. Dafür sind sie teurer. Die Citibank ist von den Allroundern der günstigste - gerade bei hohen Volumen. Aber das Angebot ist nicht so üppig.
„Unter den Brokern, die ein breites Programm bieten, hat die DAB Bank ein gutes Verhältnis zwischen Preis und Leistung“, sagt Sigrid Herbst. Vor allem bei Fonds kann die Tochtergesellschaft der Hypo-Vereinsbank glänzen. Sie hat meist die besseren Rabatte als etwa der Konkurrent Comdirect. In einem Punkt überzeugen aber fast alle günstigen Online-Broker: Die Depotgebühr gehört der Vergangenheit an. Und sie sind deutlich günstiger als beim Aktienkauf in der Filiale.
Dyrk Scherff Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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