02.07.2008 · Seit anderthalb Jahren geht es mit dem Aktienkurs der Kaffeehaus-Kette Starbucks abwärts. Nachdem Konzernchef Schultz nun auf die Wachstumsbremse tritt, könnte sich der Kurs stabilisieren. Konsum-, Börsenklima und Bewertung sprechen gegen eine stärkere Erholung.
Derweil in Frankfurts Bankerkreisen der Morgen-, Mittags- und Nachmittagskaffee noch pflichtgemäß und stilgerecht im Starbucks eingenommen wurde, waren es in den vergangenen Monaten bisweilen just diese Kunden, die über das Unternehmen als solches die Nase rümpften.
Die Kombination aus Schnellrestaurant und qualitativ hochwertigen Produkten lief, Mitte der neunziger Jahre expandierte man ins Ausland. Doch immer mehr zeigte sich, dass es das Unternehmen etwas zu eilig dabei hatte. In der jüngsten Vergangenheit kamen die ersten Umsatz- und Gewinnwarnungen, Ende des vergangene Jahres musste man erstmals über einen Kundenschwund berichten.
Rückwärtsgang eingelegt
Jetzt tritt der der erst zu Jahresbeginn an die Spitze zurückgekehrte Konzernchef und Mitgründer Howard Schultz mit aller Macht auf die Bremse. Angesichts weiter sinkender Gewinne sollen nunmehr 600 statt der bisher angekündigten 100 schlecht laufenden Filialen geschlossen werden, die Zahl der auf dem Heimatmarkt für das nächste Geschäftsjahr geplanten Neueröffnungen werde nochmals auf weniger als 200 halbiert, teilte der amerikanischen Konzern am Dienstag nach Börsenschluss mit.
Dies sei das Ergebnis einer „rigorosen Bewertung des Filialnetzes“. Ursprünglich hatten einmal 1175 neue Läden in Nordamerikas entstehen sollen.
Schon im Januar hatte Schultz angekündigt, das rasante Wachstumstempo in Amerika zu drosseln und neue Filialen vorzugsweise im Ausland zu eröffnen. 2008 sei für Starbucks ein Jahr der Neuausrichtung, sagte er. Zunächst hatte er aber nur 100 schlecht laufende Filialen in den Vereinigte Staaten schließen wollen.
Überexpansion im Konsumrausch
Die gegenseitige Kannibalisierung der Läden soll so verringert werden, sagte Schultz. Das überzogene Wachstumstempo rächt sich in dem nach eigener Einschätzung schwächsten wirtschaftlichen Umfeld der bis 1971 zurückreichenden Unternehmensgeschichte.
70 Prozent der zu schließenden Läden sind weniger als drei Jahre alt und wurden häufig am Ende des aus der Immobilienblase finanzierten Konsumrauschs eröffnet. Das zeigt sich auch daran, dass sie sich zumeist in Florida und Kalifornien befinden, wo die Blase am größten war und jetzt der Katzenjammer am lautesten ist. Die Hälfte setzte dabei auf Autoschalter - doch seit die Amerikaner aufgrund der hohen Spritpreise weniger Auto fahren, halten sie auch seltener bei Starbucks.
In dem im März zu Ende gegangenen zweiten Geschäftsquartal wuchs der Umsatz zwar um 12 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar, doch schnurrte der Gewinn gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres um rund ein Drittel auf 108,7 Millionen Dollar zusammen. Im ersten Quartal war er noch um 1,5 Prozent auf 208 Millionen Dollar gewachsen.
Starbucks rechnet durch die Kürzungen mit Belastungen von bis zu rund 350 Millionen Dollar vor Steuern, zumal 12.000 Arbeitsplätze und damit rund sieben Prozent der Stellen abgebaut werden sollen.
Optimistische Analysten
Die Anleger, die seit Ende 2006 die Aktien in rauen Mengen abstießen und den Kurs von 39,43 Dollar bis auf 15,62 Dollar nach unten prügelten, reagierten nahezu enthusiastisch auf die Ankündigung. Sie trieben den Kurs nachbörslich um 4,6 Prozent auf 16,34 Dollar nach oben. Im regulären Handel hatte die Aktienotiz noch ein 55-Monats-Tief verzeichnet.
Auch Analysten reagierten positiv. Starbucks räume ein, dass man übermäßig gewachsen sei und komme damit jetzt zurecht, meint Matthew DiFrisco, Analyst bei Oppenheimer & Co. „Sie sind Opfer ihres eigenen Erfolges“. Sharon Zackfia von William Blair geht davon aus, dass Starbucks bis zum kommenden Geschäftsjahr reinen Tisch gemacht haben werde.
Weiterhin hoch bewertet
Ob die positive Sichtweise gerechtfertigt ist, muss sich erst noch weisen. Viel hängt von der Intensität der Auswirkungen der Immobilienkrise auf die Konjunktur, die Einkommen und den Konsum ab. Und diese sind noch gar nicht so klar. Kürzlich hatte Schultz eingeräumt, er rechne auf dem Heimatmarkt nicht mit einer schnellen Wende. Es muss sich noch zeigen, ob die Schließung von wenig mehr als 5 Prozent der Läden ausreicht.
Geht man von den durchschnittlichen Analystenprognosen aus, so ist die Aktie angesichts des verringerten Wachstumstempos und der Gewinnbelastungen mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von knapp 20 für das laufende und mehr als 17 für das kommende Geschäftsjahr trotz der starken Kursverluste immer noch hoch bewertet.
Und auch charttechnisch ist, legt man den nachbörslichen Kursanstieg zugrunde, die Aussicht auf Besserung gering. Mehr als die Chance auf eine Bodenbildung ergibt sich nicht, die Widerstandslinie bei 18 Euro erscheint derzeit nicht überwindbar. Dazu müsste sich das Börsen- und Konsumklima dauerhafter verbessern, und just das erscheint momentan nicht in Sicht.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |